# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S214 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 214 Ueber Bibelpredigten. scher Sprache ausgelegt. Er war der Erste, welcher Texterklärung und An⸗ wendung getrennt hat. Balduin hat namentlich über die Briefe Pauli einen ausführlichen lateinischen Commentar geschrieben. Auf viele der späteren exegetischen Schriften und insonderheit auf die aus neuerer und neuester Zeit könnte wohl die Aeußerung eines Predigers angewendet werden, mit der er einen der besten Commentare über die Epistel an die Römer, woraus er die Auslegung des dritten Capitels gelesen, seinem Besitzer zurückstellte: Eine Predigt kann man daraus nicht machen, und als dieser erwiederte: dazu ist das Buch auch nicht bestimmt, so fragte der Erstere: wozu anders sollen nicht die Professoren den Pastoren in die Hände arbeiten? Was den Um⸗ fang des Textes für eine Predigt betrifft, so verfahre man bei der Bestimmung desselben im Allgemeinen auf folgende Weise: In den ge⸗ schichtlichen Büchern des Alten Testaments predige man jedesmal über ein ganzes Capitel, in den neutestamentlichen über 10—12 Verse. Doch hat man sich natürlich nicht immer nach der Zahl der Verse, sondern nach der Schwierigkeit und Wichtigkeit ihres Inhalts zu richten, indem ein längerer Abschnitt oft kurz und ein kürzerer oft ausführlich zu behandeln ist. So er⸗ fordert jedes der drei ersten Capitel im ersten Buch Mosis wenigstens zwei Predigten, Cap. 24. aber nur eine Predigt, Matth. Cap. 5. fünf Predigten, Philipp. Cap. 2. zwei Predigten (V. 1—11. und 12—30.). Die Wahl kürzerer Abschnitte ist deßhalb zu widerrathen, weil es bei dem Umfang der Bibel und dem großen Mangel an Bibelkenntniß vor allem darauf ankommt, in der ohnehin sehr spärlich zugemessenen Zeit Grund zu legen und die Mauern aufzuführen. Ich will nun noch einige Winke für die Abfassung von Bibelpredigten hinzufügen. Zuerst gebe man über den ganzen Text, oder wenn derselbe sehr lang ist, über einzelne Abschnitte desselben eine kurze Anzeige des Inhalts und der Anwendung, wobei V. Dietrich's Summarien treffliche Dienste leisten. Dabei ergeben sich von selbst gewisse Theile der Predigt, deren kurze und bündige Angabe dem Gedächtnisse sehr zu Hülfe kommen. Hierauf lege man die einzelnen Verse, besonders die schwierigsten, aus und gebe die Anwendung zu Lehre und Trost. Das ist nun zwar kurz und einfach, es ist leicht gesagt und bald gelesen, allein der Ausführung treten oft so viele Hindernisse entgegen, daß auch ein nicht ungeübter Prediger manchmal lange hin und her denkt, wie er sich Bahn brechen solle. Vor allem verursacht die Wahl dessen, was man zur Erklärung und Anwendung eines oder mehrerer Verse sagen soll, so wie die Bestimmung des rechten Ver⸗ hältnisses zwischen beiden mancherlei Schwierigkeit, die aber in den meisten Fällen dadurch beseitigt wird, daß man sich darüber klar zu werden sucht: Was ist das Nöthigste für alle, das Nöthigere für viele, das Nöthige für einzelne. Das Erste muß unbedingt gesagt werden, doch um so kürzer, wenn auch von dem beiden andern etwas hinzugethan werden muß, z. B. 1 Mos. 25, 1. ist das Nöthigste die Lehre von den wunderbaren Führungen Gottes hinsichtlich seiner Heiligen, das Nöthigere ist das Exempel Abrahams, das Nöthige ist die Lehre von hohen Anfechtungen; hier kann die Worterklärung