# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S213 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 213 die angestrichenen Stellen nochmals durch und vervollständigt sie durch Hin⸗ weisungen am Rande auf die eigene Schrift Dr. Luther's, um über den Um⸗ fang und Hauptinhalt des zu Gebenden in's Klare zu kommen. Endlich arbeitet man Vers für Vers durch, schreibt das Ergebniß möglichst kurz und bestimmt nieder und prägt es vollends dem Gedächtniß ein. Je wortgetreuer man sich dabei an sein Vorbild hält, und je weniger Fremdartiges man bei⸗ mischt, desto besser wird die Arbeit gerathen und desto eher und mehr wird man dem größten Meister in der Schriftauslegung die rechte Weise derselben ablernen, so daß man auch bei solchen Texten, worüber seine Schriften wenig oder keine Ausbeute geben, Ziel und Weg der rechten Auslegung immer leichter finden. Das sicherste Hülfsmittel dazu sind freilich Register über alle in seinen Werken vorkommende Bibelstellen, wobei ich auf das erste Heft des Lutherophilus S. 20 f. verweise. Oder man notire sich wenigstens am Rande seiner Handbibel die Stellen aus Dr. Luther's Schriften, worin eine Aus⸗ legung zu finden ist, welchen trefflichen Rath zuerst Porta in seinem Pastorale Lutheri Cap. V, § 9. von den Worten an gegeben hat: „Endlich vermahne ich alle treue Lehrer ꝛc." Bei der Auswahl von Commentaren zu solchen Büchern, über die sich in Dr. Luther's keine oder doch keine vollständigen Auslegungen finden, verfahre man so, daß man die früheren aus dem Reformationszeitalter den späteren, die praktischen den gelehrten, die, welche Verständniß und Anwendung ver⸗ binden, denen, die beides trennen, die kürzeren den weitläuftigeren vorziehe. Von den Schriftauslegern zur Zeit Dr. Luther's will ich nur drei nennen, die ich den drei Helden Davids vergleichen möchte, dieß sind Brentius, Bugen⸗ hagen und Weller. Der erste hat die meisten Bücher der heil. Schrift in lateinischer Sprache und größtentheils ziemlich weitläusig ausgelegt, der an⸗ dere ist besonders ausgezeichnet durch seine Auslegung des Psalters, der ersten Arbeit dieser Art aus jener Zeit, die auch in's Deutsche übersetzt worden ist und der später ein noch stärkeres Auctuarium folgte. Er hat auch andere Bücher, z. B. den Prophet Jeremias sehr ausführlich, die kleineren Briefe Pauli aber nur summarisch ausgelegt, alles in lateinischer Sprache; Wel⸗ ler's Auslegungen sind besonders reich an Anwendung des Textes zu allerlei Trost und zeichnen sich durch saftige Kürze aus. In deutscher Sprache hat man von ihm nur die erste Hälfte des Buches Hiob und eine große Anzahl von Psalmen, in lateinischer Sprache, außer vielen Psalmen, mehrere ge⸗ schichtliche Bücher des Alten Testaments, so wie einige kleinere Episteln Pauli. Von späteren Lehrern bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts nenne ich außer den oben angeführten Predigern, Matthesius, Cyr. Spangenberg und Selneccer, noch die drei: Chyträus, Aeg. Hunnius und Balduin. Von dem ersten haben wir vollständige Commentare über ersten Mos. bis zum Buche Ruth, ferner über die Evangelien Matthäi und Johannis und endlich über die Offenbarung Johannis, welche letztere auch in deutscher Uebersetzung vorhanden ist. Aeg. Hunnius hat ebenfalls die letztgenannten Bücher und außerdem alle Episteln Pauli, ausgenommen die zwei an Timoth. in lateini⸗