# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S211 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 211 versäumen und die wenige Zeit damit hinzubringen, besonders da die nöthigsten Stücke im fünften Buch Mos. wiederholt werden. Sollte nun ein Prediger so weit gekommen sein, so fahre er mit der Auslegung der folgenden Bücher fort. Hinsichtlich des Buches Hiob würde ich rathen, den Zweck desselben aus der Vorrede Dr. Luther's zusammenzufassen und nur etwa die ersten zwei und das letzte Capitel auszulegen, dazu aber eine freie Zeit am Schlusse eines Kirchenjahres zu benutzen. Eine ausschließliche Erklärung des Psalters der Reihe nach könnte ich deßhalb nicht gut heißen, weil dabei der ganze geschichtliche Theil des Alten Testaments und der größte Theil des Neuen dahinten bleibt und demnach Vieles, was unsern Gemeinden im Verhältniß noch nöthiger zu wissen ist, eine lange Zeit unberücksichtigt gelassen werden muß. Dagegen würde ich rathen, den ganzen Psalter nach den Summarien Dr. Luther's in fünf Haupt⸗ classen, in prophetische, Lehr⸗, Trost⸗, Gebet⸗ und Dankpsalmen und jede dieser Classen wieder in drei andere, je nach den Graden ihrer Wichtigkeit, zu theilen und daraus einen dreifachen Cursus zu bilden, so daß im ersten die wichtigsten, im zweiten die wichtigeren und im dritten die übrigen Psal⸗ men jeder der fünf Hauptclassen ausgelegt würden, welche Curse natürlich auf mehrere Jahre vertheilt werden müßten. Könnte man ohne Zurücksetzung der geschichtlichen Bücher des Alten Testaments und neben der Auslegung eines Buchs des Neuen Testaments auch für die Propheten eine Zeit erübrigen, so würde man wohl vor allen über Jesaias predigen. Um nun doch wenigstens etwas aus den Psalmen und Propheten auszulegen, habe ich folgenden Weg eingeschlagen. Ich predige jährlich in der Adventszeit der Reihe nach über die vornehmsten Weissagungen des Alten Testaments von Moses bis Maleachi, indem ich unter der Predigt eine nach der andern vorlese und bald ausführlicher, bald kürzer erkläre. Außerdem habe ich in Beichtreden drei Jahre lang einzelne Texte aus fast allen Capiteln des Propheten Jesaias und eben so lang Sprüche aus den ersten 46 Psalmen behandelt. Daß endlich nach der Auslegung aller Bücher des Alten Testaments auch die apocryphischen, aber auch nur dann vorgenommen werden sollen, unterliegt um so weniger einem Zweifel, als die Kirche selbst einzelne Stellen derselben z. B. Sir. 15, 28. und Buch der Weish. 5, 1—12. zu epistolischen Pericopen bestimmt hat. In den wöchentlichen Predigten über das Neue Testament wechsele man mit den geschichtlichen Büchern und den Episteln, die beide fast gleiche Capitelzahl haben, ab und zwar so, daß man nach einer oder mehreren Episteln, die ohngefähr 20—30 Capitel enthalten, ein Evangelium oder die Apostelgeschichte folgen lasse ꝛc. In den Evangelien übergehe man nach Dr. Luther's Vorgang die gewöhnlichen Sonntags⸗ und diejenigen Fest⸗ pericopen, über welche außerdem entweder an den Festen selbst oder an dem