# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S210 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 210 Ueber Bibelpredigten. Evangelium des Sonntags auszulegen hast, an welchem Vormittags über ein Festevangelium gepredigt worden ist, desgleichen in der Advents⸗ und Pas⸗ sionszeit, so wie auch nach Ostern, wenn du über 1 Cor. 15. predigst. In Betreff der Wahl der biblischen Bücher habe ich folgende Grundsätze bewährt gefunden. Bei einer Predigt wöchentlich wechsele man mit einer Epistel und gewissen Psalmen ab, bei zwei Predigten bestimme man für die eine je am zweiten oder dritten Sonntag immer das Alte Testament, für die Wochenpredigt aber das Neue, denn nach dem Rathe Dr. Luther's soll man das letztere zweimal lesen, während man das erstere einmal liest. Man gehe von den leichteren zu den schwereren Büchern, von den kürzeren zu den längeren über und wechsele im Neuen Testament mit den geschichtlichen und Lehrbüchern ab. Wie abhold Dr. Luther denen war, die schwere Bücher erwählten und sich bloß mit allerlei geistlichen Deutungen beschäftigten, das sagt er in der Vorrede zu seiner Auslegung Zacharia's: „Also will auch jetzt ein jeglicher neuer Deutelmeister sein. Dieser nimmt Daniel, jener Apocalypsin für und so fortan, entweder was am schwersten ist, oder was am allermeisten Alle⸗ gorien hat, da wollen sie ihre Kunst beweisen. Aber sie achten ganz und gar nichts, wie nützlich sie dem armen gemeinen Manne, sondern wie kunstreich und herrlich sie lehren können, und sind, Gott Lob, nun alle hochgelehrte Doctores, die unser nichts bedürfen. Und wenn sie gleich lange und viel deuten, so haben sie doch nichts Gewisses, darauf man bauen möchte. Ich weiß nicht, wie viel solche Wäscher nützer für das arme Volk sind, denn die vor Zeiten von Aristotele und dem geistlichen Recht predigten. Der Art sind auch jetzt etliche Schwärmer, die große Kunst und Geist rühmen von den alten Historien der Bibel. Es müssen der Tabernakel Mosis und Priester⸗ kleider hersür ꝛc.“ Nun noch einige Winke im Betreff einzelner Bücher. Die Predigten über das Alte Testament sollte man unbedingt mit dem ersten Buch Mosis beginnen; ich habe dieß an drei verschiedenen Orten ge⸗ than und noch nie bereut. Ich ließ dabei immer eine Einleitungspredigt z. B. über Jos. 5, 46. 47. vorausgehen, wozu ich nächst der besondern Vor⸗ rede Dr. Luther's namentlich seinen Unterricht, wie sich Christen in Mosen schicken sollen, benutzt habe. Dann fahre man mit dem zweiten Buch Mos. bis zum 20. Capitel fort. Von da an wähle man nur die Capitel, welche eigentliche Geschichte enthalten, mit Uebergehung aller andern, die von Ge⸗ setzen handeln, wofür wir das Vorbild V. Dietrich's in seinen Summarien und des Brentius in seinen Commentaren haben. Demnach predige man aus dem zweiten Buch Mose nur noch über Cap. 32—34. Aus dem dritten Buch Mos. nur Cap. 9, 1—7. Aus dem vierten Buch Mos. 10, 29—36. (vgl. 9, 15—23.) u. s. w. Das fünfte Buch Mos. lege man aber ganz aus, wozu man in Dr. Luther's Schriften zwiefache Vorarbeiten findet. Auf diese Weise predigt man das Wichtigste, nämlich die Geschichte, zuerst und kommt nicht in Gefahr, dieselbe über allerlei Deutungen der verschiedenen Gesetze ꝛc. zu