# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S209 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 209 meiner würden, allein es mangelt vielen Predigern und besonders denen, die auch Schule halten müssen, so wie vielen Gemeindegliedern an Zeit dazu und namentlich da, wo sie sehr zerstreut wohnen, an einem passenden Ver⸗ sammlungsort. Hierauf erwiedere ich: Sollte nicht jeder Diener Gottes dem göttlichen Befehle zufolge: Halte an mit Lesen (1 Tim. 4, 13.), neben dem täglichen Lesen der Bibel auch zum rechten Verständniß und zur rechten An⸗ wendung des Gelesenen zu kommen suchen und sollte es ihm nicht möglich werden, das durch Nachlesen und Nachdenken gewonnene Ergebniß kurz niederzuschreiben und seinem Gedächtniß einzuprägen, um es auch Andern mitzutheilen? Sollten die Gemeindeglieder im Gehorsam gegen den gött⸗ lichen Befehl: Suchet in der Schrift (Joh. 5, 39.) nicht solche Gelegenheit dazu mit Freude und Dank benutzen, ja, wo sie sie nicht hätten, darum bitten, da sie doch manchmal auf die Frage: Verstehest du auch, was du liesest? antworten müßten: Wie kann ich, so mich nicht Jemand anleitet? Sollten sie, wenn es ihnen anders um Gottes Wort und ihre Seligkeit ein Ernst ist, von 168 Stunden in der Woche nicht auch zu solchen Predigten eine oder mehr Stunden erübrigen und einen passenden Ort dazu auffinden können? Warte nur Niemand darauf, daß sich erst das Verlangen darnach kund geben und alles Aeußerliche vorher genau bestimmt werden müßte, ehe man damit beginnen könne, denn so wird's eben so wenig wie bei der Privatbeichte jemals zu einem Anfang kommen, vielmehr greife man's im Namen des HErrn auf folgende Weise an, wenn man keine bessere weiß: Mache der Gemeinde bekannt, du werdest eine besondere Predigt über die Nothwendigkeit und den Nutzen von Bibelpredigten halten, wozu man einen dieser Texte wählen kann, Josua 1, 8. Ps. 78, 1 f. Luc. 24, 25 f. Apostel. 8, 26 f. Dann zeige an, wann und wo der Anfang mit diesen Predigten gemacht werden solle. Erwähle dir dazu irgend ein leichtes Buch des Neuen Testaments, z. B. den Evangelist Matthäus oder die Episteln Petri und Johannis, mache dir dar⸗ über aus Dr. Luther's Auslegung einen kurzen Auszug und präge ihn dei⸗ nem Gedächtniß ein, gehe auch, wenn du kannst, die Summa desselben vor der Predigt mit größern Schulkindern durch. Sollte dir aber das wirklich unmöglich sein aus Mangel an Zeit und Kraft, wohlan, so nimm getrost Dr. Luther's Auslegung z. B. über die ersten 18 Capitel Matthäi und lies sie Wort für Wort langsam und deutlich deinem Völklein vor und thue, wo es noth ist, eine Glosse zum bessern Verständniß hinzu. Fahre damit un⸗ ermüdet fort, ob auch nur Wenige sich dazu einfänden, denn was können diese davor, daß nicht mehrere kommen? ja tröste dich mit der Gegenwart dieser über die Abwesenheit vieler Anderer und wisse, wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen unrecht, Luc. 16, 10. Kannst du dann später einen Nachmit⸗ tagsgottesdienst, je am zweiten oder dritten Sonntag erübrigen zu einer Pre⸗ digt über das Alte Testament, so thue gleich also. Endlich mache dir immer wenigstens über das nächste Halbjahr eine Uebersicht über die zu haltenden Bibelpredigten, die an den Sonntagen Nachmittags wegfallen, wo du das 14