# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S208 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 208 Ueber Bibelpredigten. Lehrern nie eine Ermahnung zum fleißigen Lesen der Bibel hörte, ja im Ge⸗ gentheil logen sie der confirmirten Jugend vor, sie hätte nun so viel Reli⸗ gionskenntnisse eingesammelt, als sie für ihr ganzes Leben bedürfte. Wenn nun dennoch einer oder der andere einmal die Bibel in die Hand nahm und darin blätterte, so kam ihm so viel Unverständliches und Mißfälliges vor, daß er sie bald wieder bei Seite legte. — Wie steht es nun hinsichtlich der Be⸗ kanntschaft mit der Bibel in unsern Gemeinden? Wenn wir Diener Gottes von Zeit zu Zeit zunächst bei den Hausvätern und dann bei den ledigen Leu⸗ ten Umfrage hielten, ob und wie oft, auf welche Weise und mit welchem Nutzen sie die Bibel lesen, so würden wir um Vieler willen mit Betrübniß, ja mit Entsetzen erfüllt werden, und keinen Augenblick säumen, diesem Noth⸗ stand, der ja die Wurzel aller andern Uebelstände ist, vor allem durch öffent⸗ liches Vorlesen und Auslegen biblischer Bücher abzuhelfen. Denn der Bibel⸗ fleiß in der Kirche weckt und nährt den Bibelfleiß in den Häusern und wieder⸗ um würden die fleißigsten Bibelleser auch die fleißigsten Zuhörer der Bibel⸗ predigten sein nach dem trefflichen Spruche: Wer von mir isset, den hungert immer nach mir und wer von mir trinket, den durstet immer nach mir. Sir. 24, 28. 29. Schon dieß sollte uns reizen, allen möglichen Fleiß auf solche Predigten zu wenden, wozu noch Folgendes kommt. Sie führen die Zuhörer in die Erkenntniß aller Offenbarungen des Dreieinigen Gottes in Worten und Werken, sie zeigen ihnen unzählige Exempel solcher, die entweder diese Offenbarungen im Glauben angenommen oder im Unglauben verworfen haben und wie Gott an jenen seine Verheißungen, an diesen aber seine Drohungen erfüllt habe, sie geben ihnen Licht über eine Menge von Einzeln⸗ heiten in Lehre und Geschichte, über Kraft und Nachdruck einzelner Worte und Redeweisen, sie öffnen ihnen lebendige Brunnen göttlichen Trostes in allen Anfechtungen, sie zeigen ihnen den wunderbaren Zusammenhang und den einigen Endzweck der ganzen heiligen Schrift, welches ist Christus unser Herr, sie machen sie immer reicher an geistlicher Erfahrung, wie die Predigt Christi an den beiden Jüngern that, die da bekannten: Brannte nicht unser Herz in uns? und wie die Predigt Philippi den Kämmerer aus Mohrenland, der seines ewigen Heils gewiß, fröhlich seine Straße zog, Luc. 24, 27 f. Apost. 8, 30 f. und wer könnte allen Nutz und Frucht solcher Predigten er⸗ zählen? Solcher Früchte sollen wir Prediger am ersten genießen (2 Tim. 2, 6.) und schon dieß sollte uns für unsere Person ein neuer und steter Antrieb sein, auch dieß Ackerwerk fleißig zu treiben; denn je mehr wir an unsern Zuhörern, so wie an uns, Erfahrungen von dem reichen Segen solcher Predigten machen, desto lieber, ja unentbehrlicher werden sie uns werden. Sie sollen uns eine erwünschte Gelegenheit sein, ganze Bücher der heil. Schrift zu studiren, wozu wir außerdem nicht so leicht kommen würden und indem wir Andern das Brod des Lebens austheilen, nimmt in uns die Gabe der Auslegung zu, denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe. Matth. 13, 12. Hierbei wird Mancher denken: Das ist wohl alles wahr und es wäre sehr zu wünschen, daß auch unter uns solche Bibelpredigten immer allge⸗