# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S13 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gemacht und auch die letzten Trümmer, die vom Schiffbruch noch übrig waren, vernichtet ſind. Lies, geliebter Leſer, die Klagelieder Jerem iä; iſt's nicht, als wenn jedes Wort darin für dieſe Zeit geſchrieben wäre? Wenden wir aber unſere Betrachtung von dem Treiben der thörichten Menſchenkinder ab und 4ſehen nach der mitten in dieſem Gewirre verbor⸗ genen Hand Gottes, ſo müſſen wir ausrufen: Herr! Du biſt ein gerechter Richter! Wie die Worte Gottes allezeit erfüllt werden, ſo auch jetzt: Er ſtößt die Gewaltigen vom Stuhl. Er ſchüttet Schmach auf die Fürſten. Wir mögen nicht in das gemeine Schmähen der Fürſten einſtimmen; wir ſind nicht zu ihrem Richter geſetzt; ſie ſtehen und fallen ihrem HErrn. Uns genüget, den all⸗ waltenden, allmächtigen Arm Gottes zu erkennen und ihm in ſeinen Gerichten Recht zu geben. Wie mancher Wüſtling unter den großen Herren, der alle Tage herrlich und in Freuden zu leben * gewohnt war, hat in Angſt aus einer Kammer in die andere fliehen müſſen! Wie mancher ſtolze Potentat mußte ſich vor dem Pöbel bücken! Wie manches gekrönte Haupt, das dem Evangelio die Thore in ſeinem Reiche verſchloß, iſt nahe daran geweſen, die Krone zu verlieren! Wie viele Reiche, Gutsherren, Fabrikherren, die vom Schweiß der Armen praßten und mit Wucher ihre Geldſäcke füllten, haben ihre Schlöſſer und Fabriken geſehen in Rauch aufgehen! Aber auch die große Zahl des Mittelſtandes muß ſchon unter der Laſt der Nahrungsloſigkeit und Unſicherheit des Beſitzes ſeufzen und erfahren, daß die goldenen Zeiten, die ſie ſich räumten, nicht auf dem Wege der Revo⸗ lution und des Umſturzes der Thronen kommen. Alle Briefe, die von drüben herüber kommen, ſind angefüllt mit Klagen über die Gegenwart und bangen Erwartungen für die Zukunft. Aber größer als alle dieſe leiblichen Trübſale ſind die geiſtlichen Gerichte, kräftige Irrthümer, verführe⸗ riſche Lehrer, geiſtliche Blindheit; daß ſie nicht mehr erkennen, was zu ihrem Frieden dient. Der HErr ſchlägt ſie, aber ſie fühlen's nicht. Die dgenannten Staatskirchen ſind faulig und ver— modert geworden; darum läßt ſie der HErr jetzt von den Füßen zertreten werden. Doch hat Gott ſicherlich auch in Deutſchland noch ein großes Volk, gewiß größer, als wir mei⸗ nen. Sie müſſen ohne Zweifel auch unter den k.allgemeinen Trübſalen mit leiden. Auf ſie ſollte unſer Auge vornehmlich gerichtet ſein; denn wenn ein Glied leidet, ſo leiden ſie alle. Mit zeitlichen Gaben können wir ihnen kaum dienen, ſo laßt uns Herzen und Hände aufheben zu ihrem und unſerem HErrn und ihnen mit brünſtigen Für⸗ bitten kämpfen helfen, daß Er die Tage ihrer Trübſal verkürzen, ſie mit Beſtändigkeit und Ge— duld ausrüſten wolle und endlich erlöſen nach ſei⸗ nem väterlichen Wohlgefallen. Iſt das geſche⸗ hen von dir, lieber Leſer? Geſchieht's noch? Läſ⸗ ſeſt du durch die jede Woche ſich häufenden Zei⸗ tungsnachrichten nicht ſowohl deine Neugierde befriedigen, als dich zum Gebet und Fürbitte für deine Brüder und Schweſtern, die vielleicht jetzt 13 in großer Hitze der Trübſal ſtehen, antreiben? — Wie ſteht's? Wenn wir gleich nicht ſo ſanguiniſche Hoff- nung haben, wie viele, doch hoffen auch wir, daß der HErr ſeine Kirche, wenn auch in kümmer⸗ licher Zeit, in Deutſchland erhalten werde. In Preußen hat die lutheriſche Kirche nicht nur be— deutend zugenommen durch Uebertritt von neun Predigern*) mit großen Theilen ihrer Gemeinden aus der unirten Kirche, ſondern es läßt ſich auch an, als hätte ſie ſich von manchen Makeln und Gebrechen, die ihr anhingen, mehr und mehr ge— reinigt. Von Dr. Schröder, luth. Paſtor in Thorn, wird ein Kirchenblatt im Dienſte der lutheriſchen Kirche Preußens herausgegeben, über welches man ſich nur zu freuen Urſache hat. Zu⸗ verſichtlich können wir auch einem engen kirchli⸗ chen Zuſammenſchließen der Lutheraner in andern Theilen Deutſchlands, woran ſie bisher durch den weltlichen Arm gehindert wurden, entgegenſehen; denn der Stillen im Lande, beides unter Pre⸗ digern und Laien, die mit großer Unluſt das ba⸗ byloniſche Gefängniß getragen haben, iſt gewiß eine nicht ganz kleine Zahl. Möchten unſere Leſer fleißig ſich erinnern ihrer Schuld der Liebe! Endlich vergeſſen wir unſerer ſelbſt nicht, als habe es bei uns keine Noth und Gefahr, dieweil wir in dem glücklichen Amerika leben. Amerika, nach welchem jetzt ſo viele ſehnſüchtig herüber blicken, die früher entſchiedene Auswanderungs⸗ feinde waren, iſt dennoch kein ſicherer Zufluchts ort vor Gottes Gerichten, das Weltmeer keine unüberſteigliche Mauer. Bereits hat der HErr ſein Schwert gewetzet und ſeinen Bogen geſpannet und zielet, und hat darauf gelegt tödtlich Ge— ſchoß, ſeine Pfeile hat er zugerichtet zu verderben. Es iſt mehr als Wahrſcheinlichkeit, daß die tödt— lichen Pfeile der Cholera noch vor Jahresfriſt durch's Land fliegen werden. Wem werden ſie das Herz treffen? Iſt's nicht hohe Zeit, zu rathſchlagen, wie wir unſerem Gott begegnen wollen? Der Gottes Wort verachtet hat, der laſſe ſeine Verachtung, der Hoffärtige ſeine Hoffart, der Geizige ſeinen Geiz, der Gleichgültige ſeine Lau— heit, der Träge ſeine Trägheit, der Weltlichge— ſinnte ſeine Weltliebe. Ein jeder greife in ſeinen Buſen und erforſche, was es etwa ſei, das der HErr wider ihn hat! Nirgends aber iſt Ruhe und eine ſichere Zufluchtsſtätte, als bei Chriſto JEſu. Zu ihm wendet euch, ſo werdet ihr ſelig, aller Welt Enden. Die Schwachen und Blöden rich⸗ ten auf die läſſigen Hände und müden Kniee, und heben ihre Häupter auf, denn die Gerichte Gottes, ſo ſchrecklich ſie ſich anſehen, ſind Knos⸗ pen der nahen Sommerzeit des ewigen Lebens. Dieſen ſeligen Tag unſerer Erlöſung laſſe der HErr bald kommen und thue uns an mit dem Krebs des Glaͤubens und der Liebe und dem Helm der Hoffnung zur Seligkeit. *) Nach mündlichen Berichten ſoll ihre Zahl bis auf 20 geſtiegen ſein. Den erſteren neun Paſtoren folgten 4000 Seelen nach. ———..———2 ——— ——ßt (Eingeſandt von P. Dr. Sihler.) Der Lutheran Observer und die Ohio⸗Synode. In Nro. 29 des Jahrgangs 1848 im Lu- theran Observer iſt folgender Beſchluß mitge⸗ theilt, den die allgemeine Synode von Ohio in dieſem Jahre bei ihrer Sitzung zu Columbus ge— faßt hat: „Das Miniſterium der allgemeinen Synode von Ohio verpflichtet ſich, ſowohl jeder für ſeine Perſon, als auch als kirchliche Körper⸗ ſchaft, die ſymboliſchen Bücher der evangeliſch⸗ lutheriſchen Kirche zu bekennen, und die hei⸗ lige Schrift in Uebereinſtimmung mit ihnen auszulegen; auch ſollen hinfort Alle, die um Licenzirung oder Ordination nachſuchen, in dieſen Bekenntnißſchriften geprüft und auf ſie verpflichtet werden.“ Daß nun der Herausgeber des Lutheran Ob- server von ſeinem unioniſtiſchen Standpunkte aus ſeine altherkömmlichen Klagen über die Eng⸗ herzigkeit und Kurzſichtigkeit ſeiner lieben Ohio— Brüder dabei ausſtößt, verſteht ſich von ſelbſt. Auch ermangelt er nicht, gewohnter Maßen ſeine alten Kunſtſtücklein zu üben, um ſo behende als möglich ſeine Leſer wider jenen Beſchluß der Ohio⸗ Synode einzunehmen und ſie in ſeiner falſchen Anſicht vom Verhältniß der kirchlichen Symbole zur heiligen Schrift zu erhalten und zu beſtärken. Er iſt nämlich entweder noch ſelber in ſeinem alten Mißverſtande verwickelt oder ſucht ihn doch in ſeinen Leſern zu erhalten, als wollte die Sy⸗ node von Ohio den ſymboliſchen Büchern im obi⸗ gen Beſchluſſe einen Standpunkt über der hei⸗ ligen Schrift einräumen, indem ſie ſich verpflichtet: „die heilige Schrift in Uebereinſtimmung mit den kirchlichen Symbolen auszulegen“. Läge nun freilich die Meinung darin, als ſei das geſchrie⸗ bene Wort Gottes in ſeiner Heilswahrheit d. i. in den Stücken, die zur Seelen Seligkeit ge⸗ hören, in ſich ſelber dunkel, mehrdeutig und un⸗ beſtimmt und bedürfe anderswoher einer menſch⸗ lichen Leuchte und Auslegungsregel, um richtig verſtanden und gelehrt zu werden: — ſo wäre dies freilich eine grundfalſche und grundſtürzende, durch und durch widerchriſtliche und unlutheriſche Meinung, von der auch Niemand ſo fern iſt, als gerade jene ſo vielfach verkannten und angefeinde⸗ ten Bekenntnißſchriften der Kirche. Denn gerade ſie ſind es, ſie mögen nun, nach dem äußern Er⸗ forderniß bei ihrer Entſtehung, als eigentliches Bekenntniß, als Vertheidigung desſelben, als Lehrbücher oder als Friedensvermittler für inner⸗ halb der Kirche entſtehende Streitigkeiten auftreten, — gerade ſie ſind es, die ſich in aller Demulh und Ehrerbietung der heiligen Schrift durchweg unterordnen und alle menſchliche Ueberlieferung der Papiſten wider und über dem geſchriebenen Worte Gottes und allen darauf gegründeten Autoritätsglauben als antichriſtiſch auf das Ent⸗ ſchiedenſte verwerfen. Nur Zeugen wollen ſie ſein, Zeugen von dem „Vorbild der heilſamen Worte“, die in der heiligen Schrift ſelbſt je nach Art und Gelegenheit enthalten, aber nicht gerade auf einem Fleck zuſammengeſtellt ſind. Und in⸗