# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S207 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 207 erbaulicher gefunden hatte, lieber Episteln als Evangelien, lieber Lehre als Historie, lieber Neues als Altes Testament, lieber eigenwählerisch christlich als bestimmt kirchlich zu predigen, lag es da, als noch mehrerlei Wind der Lehre zu wehen anfing, nicht ganz nahe, nur noch das letzte Quart der heil. Schrift den drei ersten, die Episteln den Evangelien, das Neue dem Alten Testament, die Lehre den Historien, das Christenthum dem Kirchenthum nach⸗ zuwerfen?“ Die zur Bibelauslegung bestimmten Gottesdienste wurden je länger, desto weniger dazu angewendet und weil die Leute darin nur immer wieder die stroherne Glaubens⸗ und Sittenlehre des Rationalismus predigen hör⸗ ten, womit sie schon in den Hauptgottesdiensten bis zum Ekel gefüttert wur⸗ den, so nahm der Besuch solcher Gottesdienste immer mehr ab, bis sie endlich gänzlich eingestellt wurden. So hat's nun an den meisten Orten bis auf die neuere Zeit gestanden, wo man hier und da wieder angefangen hat, zu der alten bewährten Weise der schriftauslegenden Predigt zurückzukehren. Was soll nun auch uns reizen und antreiben, fleißig Bibelpredigten zu halten? Vor allem das dritte Gebot Gottes und alle dahin gehörige Schrift⸗ stellen und zwar namentlich die, welche auf das Verständniß Gottes Worts und auf den Gehorsam dagegen dringen; ferner die vielen theueren Ver⸗ heißungen für solche Schüler desselben, z. B. Josua 1, 8. Ps. 1, ꝛc. Nächst⸗ dem das Vorbild der Kirche Gottes vom Anfang an; denn wie fleißig mögen die ersten Menschen und ihre gläubigen Nachkommen die erste Verheißung von Christo, die auch die einzige war 1600 Jahre lang, betrachtet haben! Und welche reiche Auslegung, namentlich in den ersten Zeiten des Neuen Testaments, so wie zur Zeit der Reformation und noch im 17. Jahrhundert stattfand, davon ist in dem Vorhergehenden die Rede gewesen. Hierzu kommt noch die große Noth, die uns dazu treiben soll; denn wenn die Weissagung aus ist, wird das Volk wild und wüste, Spr. Sal. 29, 18. Das sehen wir mit Entsetzen an dem Volk, das aus der Zeit des Ra⸗ tionalismus stammt. Das Wenige, was man da noch von einzelnen Ge⸗ schichten und Sprüchen gelernt hat, bezieht sich meistens nur auf Sittenlehre, nicht aber auf Glaubenslehre, es war und blieb ein bloßes Gedächtnißwerk, von dem man nicht wußte, was man damit anfangen sollte, überdieß war das wenige Wissen mit allerlei Sauerteig falscher Lehre dermaßen durchsäuert, daß beides, Verständniß und Anwendung fast durchgängig verkehrt war. Auch sog man eine Menge Vorurtheile gegen die Göttlichkeit der Bibel überhaupt ein, so daß sogar Leute, die später Jahrelang die reine Predigt Gottes Worts gehört haben, noch lästerliche Reden dagegen laut werden lassen, z. B. die Bibel haben Menschen gemacht und ist nicht alles wahr, was in der Bibel steht u. dergl. Von dem Alten Testament hieß es immer, das gehört nur für Juden, nicht für Christen und auch in Beziehung auf das Neue Testament wurde das wörtlich Wissenswürdige so beschränkt, daß man's hätte auf wenige Seiten bringen können, denn es wurde gelehrt, das Meiste gehe nur die da⸗ mals lebenden Leute an. Es versteht sich von selbst, daß man von solchen