# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S205 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 205 oder Priester oder wer es sei, gleich wie man jetzt noch die Lection in der Metten lieset. Das sollen thun einer oder zween, oder einer um den an⸗ dern oder ein Chor um den andern, wie das am besten gefällt. Darnach soll der Prediger, oder welchem es befohlen ist, hervortreten und derselben Lection ein Stück auslegen, daß es die andern alle verstehen, lernen und ermahnt werden. Das erste Werk heißt Paulus, 1 Cor. 14, 26., mit Zungen reden, das andere, auslegen oder weissagen und mit dem Sinn oder Verstand reden. — — Desselbengleichen an dem Abend um sechs oder fünfe wieder also zusammenkommen. Und hie sollte aber aus dem Alten Testament ein Buch nach dem andern vorgenommen werden, nämlich die Propheten, gleich⸗ wie am Morgen Moses und die Historien. Aber weil nun das Neue Testa⸗ ment auch ein Buch ist, lasse ich das Alte Testament dem Morgen und das Neue dem Abend oder wiederum und gleich also lesen, auslegen, loben, singen und beten, wie am Morgen, auch eine Stunde lang ꝛc., denn es ist alles zu thun um Gottes Wort, daß dasselbe im Schwange gehe und die Seelen immer aufrichte und erquicke, daß sie nicht laß werden.“ In „deutscher Messe und Ordnung des Gottesdienstes“ vom Jahre 1526 ordnet Dr. Luther die Bibelauslegung für die Wochengottesdienste in Städten auf folgende Weise: „Des Mittwochs frühe deutsche Lection: dazu ist der Evangelist Matthäus ganz geordnet, daß der Tag soll sein eigen sein, weil es ja zumal ein feiner Evangelist ist, für die Gemeinde zu lehren, und die gute Predigt Christi, auf dem Berge gethan, beschreibt und fast zur Uebung der Liebe und gutem Werk hält. Aber der Evangelist Johannes, welcher zumal gewaltiglich den Glauben lehret, hat auch seinen eigenen Tag, den Sonnabend nach Mittage unter der Vesper, daß wir also zween Evangelisten in täglicher Uebung halten. Der Donnerstag, Freitag, früh Morgens, haben die täglichen Wochenlectionen in den Episteln der Apostel und was mehr ist im Neuen Testament. Hiemit sind Lection und Predigt genug bestellet, daß Gottes Wort im Schwang zu halten, ohne was noch sind Lectionen in der hohen Schule für die Gelehrten.“ Hinsichtlich des Alten Testaments heißt es kurz zuvor: „Nach Mittage (an Sonntagen) unter der Vesper, vor dem Magnificat, prediget man das Alte Testament, ordentlich nach einander.“ Endlich enthalten die Sächsischen Visitationsartikel vom Jahre 1538 unter der Ueberschrift: von täglicher Uebung in der Kirche, außer den Vorschriften für die täglichen Bibellectionen noch folgende Bestimmungen: „In der Woche sollte man predigen an Mittwoch und Freitag. Es soll auch ein Pfarrherr Fleiß ankehren, daß man nützliche und nicht schwere Bücher vornehme zu predigen. Daß auch der Glaube also geprediget werde, daß man der recht⸗ schaffenen christlichen Buße, Gottes Gerichte, Gottesfurcht und gute Werke dermaßen, wie hie bevor angezeiget und erkläret, nicht vergesse; denn die man ohne Buße und Glauben nicht haben oder verstehen mag.“ Darauf weist auch die Augsburg. Confession Art. 24 hin, daß man nämlich, wie in der histor. trip. lib. 9 angezeiget werde, zu Alexandrien am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgelegt habe.