# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S203 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber Bibelpredigten. 203 standete Thesis VII. des Walther'schen Buchs vom Predigtamt Klarheit zu geben. Sie haben mich gänzlich mißverstanden, wenn Sie unterstellten, ich habe das, was Walther Thesis II. von göttlicher Stiftung des Amtes sagt, für unverträglich gehalten mit dem geistlichen Priesterthum aller Gläubigen. Nein, ich meinte und wollte ja gerade das Gegentheil, daß nämlich beides zusammen festgehalten werden müsse, daß ich nur tadeln wollte, Walther scheine mir dieses nicht genug gethan zu haben. Ich verstand eben in Thesis VII. das „von Gemeinschaftswegen“ in ganz anderem Sinn, irregeleitet durch das „Jeder Laie ist berechtigt und berufen, für sich selbst die Gnadenmittel zu ge⸗ brauchen ꝛc.“, was ich nicht auf den Nothfall (resp. die principiellen Christen⸗ rechte) bezog und daher folgerecht die göttliche Ordnung des Amtes mir nicht damit zu reimen wußte. Mit Hilfe Ihrer Erklärung verstehe ich nun freilich, wie Thesis VII. gemeint ist und stimme dem „von Gemeinschaftswegen“ nicht nur ganz bei, sondern erkenne auch darin ganz die Wichtigkeit und Bedeutung an, die Sie ihm für die Lehre vom Amt beilegen. Ich darf Ihnen über⸗ haupt versichern, daß ich in Allem, was Sie über die Kirche und Amt schrei⸗ ben, nicht einen Satz wüßte, darin ich nicht ganz Ihrer Meinung wäre; Vieles, was Sie sagen, ist so ganz buchstäblich das, was ich denke, Ihre Gegner, wie Sie sie zeichnen, sind ganz und gar auch meine Gegner. Ich glaube und bekenne mit Ihnen den Fundamentalsatz, aus dem alle unsere Gedanken über Kirche und Amt folgerecht fließen müssen: „wo Glaube ist, da ist Christus, wo Christus ist, da ist Alles, d. i. alle Rechte, Verheißungen und Güter Seiner Gnaden.“ Wer immer wahrhaftig an Christum glaubt, der ist gewißlich ein Glied Seines Leibes, der hat auch so vollkommen un⸗ eingeschränkt die Schlüssel des Himmelreichs, als sie der HErr Christus selber hat, der in Seinen Gläubigen wahrhaftig wohnt. In jeder Schmälerung dieser Sätze müßte ich eine Verletzung des Grundprincips des Evangeliums und unserer Kirche, der Rechtfertigung aus dem Glauben sehen. — Daß ich diese hier ausgesprochene Ueberzeugung schon längst hatte, könnte ich durch früher von mir geschriebene Aufsätze darthun, aber um Ihnen ganz deutlich zu werden, muß ich allerdings beifügen, daß erst die Erfahrungen und Kämpfe der letzten Zeit dazu beigetragen haben, mir die Gegensätze mit ihren Conse⸗ quenzen schärfer als früher zum Bewußtsein zu bringen; der Mangel an die⸗ ser Schärfe ist es, den Sie in meinem Schreiben mit feinem und sicherm Tact überall gefühlt und gerügt haben. — ——◆◆◆—— (Einges. von Past. Keyl.) Ueber Bibelpredigten. Mit diesem Ausdruck bezeichne ich Predigten über biblische Bücher, die man auch schriftauslegende zu nennen pflegt, zum Unterschied von den Pre⸗ digten über die Perikopen. Schon in der Kirche Gottes Alten Testaments wurden biblische Bücher