# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1859_S202 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 202 Correspondenz aus Deutschland. hiesigen kirchlichen Verhältnisse von großer Bedeutung geworden ist. Der HErr, der die Herzen kennet, weiß, zu welcher großen innigen Herzensfreude es mir gereicht, Ihnen schreiben zu dürfen, daß ich durch Ihr Schreiben Vieles habe anders ansehen gelernt, ja, daß meine ganze Stellung zu Ihnen eine andere, näher und enger verbundene geworden ist, wofür ich den HErrn um so dankbarer preiße, je mehr mir von Tag zu Tag die Zerrissenheit un⸗ serer lutherischen Kirche in heutiger Zeit mehr vor Augen tritt und zu einem tiefen Schmerz und inneren Druck wird. Im Lauf des gegenwärtigen Jahres ist bei uns in Deutschland Vieles auf kirchlichem Gebiete an das Licht getreten, was wir früher kaum ahneten. Persönliche, innige Hochachtung und Anhänglichkeit an Männer, durch deren Dienst der HErr Großes in Seiner Kirche gethan hat, denen auch ich ganz im Besondern vielen Dank schulde, ließen mich allerdings, ich gestehe es, über Manches, worüber ich entschiedener Ansicht war, gelinder urtheilen. Dazu kommt, daß unsere ganze Zeit eine Zeit des Werdens und Ringens nach kirchlicher und dogmatischer Klarheit und Entschiedenheit ist; wie kurz ist es erst her, daß wir Alle aus diesen und jenen Irrthümern und Verkehrt⸗ heiten erst nüchtern geworden und zurecht gekommen sind, wie sollte man da nicht gern zur Geduld und Nachsicht gegen solche unter unsern Brüdern ge⸗ neigt sein, von deren rechtschaffenem Sinn und treuem Willen man glaubt überzeugt sein zu dürfen, denen aber noch nicht gelungen ist, zu voller theo⸗ logisch⸗kirchlicher Klarheit durchzudringen. Ich bitte Sie, nur in diesem Sinn verstehen zu wollen, was ich am Schluß meines früheren Schreibens über die obschwebenden dogmatischen Differenzen in Bezug auf die Lehre von der Kirche äußerte. Doch was ich, wie ich dachte in argloser Meinung, da⸗ mals schrieb, ich könnte und dürfte es Gewissenshalber jetzt nicht mehr schrei⸗ ben. Löhe's Hervortreten mit chiliastischen Ideen, so wie seine Oelungs⸗ geschichte, — Dinge, in denen ich nach Gottes Wort nicht anders kann, als dem Urtheil Ihrer Synode beistimmen — ferner der seit diesem Jahre auch in unsern allernächsten kirchlichen Kreisen hervorgetretene öffentliche Kampf über die Lehre von Kirche und Amt machen eine dogmatische Unentschieden⸗ heit nicht länger möglich; es zeigt sich immer mehr, daß es sich um Principien⸗ fragen, um Artikel unseres kirchlichen Bekenntnisses handelt, die wir in ihrer ganzen ungeschmälerten Geltung behaupten müssen. — Ich bekenne und be⸗ zeuge Ihnen daher mein Unrecht in dem, was ich über die Bedeutsamkeit der obschwebenden Lehrdifferenzen schrieb. Ich wollte nicht die Sünde eines wirklichen Lehrirrthums weder leugnen noch kleiner machen, als sie ist, der HErr vergebe aber, daß mein Auge nicht klarer und schärfer in der Sache ge⸗ sehen hat, als es gewiß bei größerer Treue hätte sehen können, und auch Sie, geliebte Brüder, bitte ich herzlich, brüderliche Vergebung mir wider⸗ fahren zu lassen, wo ich Ihnen mit der Art, wie ich mich ausgesprochen, Ur⸗ sache zum Aergerniß gegeben. Was nun erstlich die Lehre von Kirche und Amt anlangt, so hat Ihr Schreiben mir den wesentlichen Dienst geleistet, mir über die von mir bean⸗