# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S187 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Literatur. 187 sich dessen bewußt, einen Principienkampf im eigentlichen Sinne des Worts zu führen.“ Wir müssen hierbei sagen, Gnade Gott der lutherischen Kirche, wenn es sich bei Vertheidigung jener Kurtz'schen Auslegung von 1 Mos. 6, 1—4. um Vertheidigung ihrer Principien handelte. Zwei Recensionen der Schrift: „Die Ehen der Söhne Gottes“ u. s. w. befinden sich im zweiten Quartalheft der Rudelbach-Guericke'schen Zeitschrift l. J. Die erste ist von E. H. Engelhardt. Darin heißt es u. A.: „Die vorliegende Abhandlung ist so umfassend und allseitig, daß sie auch abgesehen von der darin enthaltenen Polemik (gegen Prof. Dr. Keil) Alles bietet, was zum Verständniß dieser schwierigen Stelle nur irgend erforderlich ist. Wir vindiciren diesem Werke den Werth einer abschließlichen Vollendung dieser Frage; so schlagend, so gründlich, so allseitig ist dieselbe hier behandelt.“ Die zweite Recension ist von Ströbel. Wir können uns nicht versagen, dieselbe unseren Lesern mitzutheilen. Sowohl sie selbst, als die Vergleichung derselben mit der contrastirenden Engelhardt's vergegenwärtigt wieder in concretester Weise, wie es auf dem Gebiete der deutschen „gläubigen“, ja „kirchlichen“ Theologie aussieht. Ströbel schreibt, wie folgt: „Nach dieser Methode läßt sich alles Mögliche und Unmögliche in der Bibel finden. Man achte nur einmal genau darauf, wie's Kurtz macht. Zuvörderst legt er im 1. Abschn. („zur Geschichte der Auslegung“ u. s. w.) seinen Lesern die Stelle Genes. 6, 1—4. nach dem „gewichtigen Cod. Alex. und 3 jüngern Codd.“ der Septuaginta vor; nachher schlägt er ihnen auf: den Philo, Josephus, die BB. Henoch, Sohar, der Jubiläen, das Testam. der 12 Patriarchen, den Justin. Mart., Athenagoras, Tatian, Irenäus, Clemens Alex., Methodius, Eusebius Cäs., Tertullian, Cyprian, Lactantius, Ambrosius, Sulpit. Sever., die Acten der Hexenprocesse mit ihren succubis und incubis“, die Commentare der rationalistischen Aufklärungsperiode, „den alten wackern Köppen, den orthodoxen Scheibel, den glaubenstrotzigen Stier, den reformirten Dietlein, den Lutheraner Drechsler, ferner Krabbe, von Hofmann, Delitzsch, Baumgarten Nägelsbach, Richers, Herder, Schneckenburger, Jachmann, De Wette, Arnaud, Huther, Hahn“ u. s. w., u. s. w. Hierauf fragt er: Wie steht also geschrieben? wie liesest Du? Es müßte mit Zeichen und Wundern zugehen, wenn die Antwort nicht lauten sollte: Ich lese, daß die Engel Gottes mit den Töchtern der Menschen vermählt und mit ihnen die Giganten erzeugt haben. Sehr richtig, ruft Kurtz, präge dir das ja fest ein! Nun holt er im 2., „zur Auslegung“ bestimmten, Abschnitte den hebräischen Codex herbei, empfiehlt dem Leser „Lexicon, Grammatik und Zusammenhang“ als die einzig zulässigen Hilfsmittel und fragt nach einer Weile: Nun, findest du bestätigt, was du dir von vorher gemerkt hast? Antwort: Ja! — Das „Ja“ sammt den daraus herfließenden „dogmatischen und praktischen“ Nutzanwendungen des 3. Abschnitts versteht sich von selbst. Wer nur einmal erst an jene bis zum Gespensterschauen verschärfte Traditionsbrille gewöhnt worden ist, dessen Augen sind so gründlich ruinirt, daß er nicht einmal sieht, geschweige erkennt, was in der Bibel zu lesen ist. Hätte Luther auf diese Weise die Schrift erforscht, so