# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S185 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? 185 hört das Evangelium mit seinem süßen Trost, dessen auch die starkgläubigsten Christen zu jeder Zeit, und besonders in Krankheit, wenn vielleicht das Sterbestündlein nicht mehr ferne ist, bedürfen. Gar schöne und herrliche praktische Beispiele vom Besuch gottseliger Kranken findet man in den Tischreden Dr. Luther's, von denen hier zum Schluß noch zwei der kürzeren angegeben werden sollen: „Am 4. August 1536 besuchte Dr. Luther die Hohendörffin, Bürgermeisterin zu Wittenberg in der Krankheit, und sprach zu ihr: Meine liebe Gevatter, ihr wollet Geduld haben, und den Willen Gottes, der gut und heilig ist, gerne tragen; denn der Leib, so gesündiget hat, muß leiden und sterben, aber den Trost und Vortheil haben wir, daß wir unser liebes Seelchen dem in seinen Schooß überantworten, der es erlöset hat; den Trost hat die Welt nicht.“ „Ein andermal besuchte Dr. Luther eine ehrliche Matrone, die hart krank lag, und tröstet sie also: Muhm Lene, kennt ihr mich auch, und vernehmet ihr mich? Und da sie ihn verstand und kannte, sprach er zu ihr: Euer Glaube stehet ja ganz und gar auf dem HErrn Christo? Darnach sagt er darauf: Derselbige ist die Auferstehung und das Leben, euch wird nichts geweren (mangeln), ihr werdet nicht sterben, sondern wie in einer Wiegen entschlafen, und wenn die Morgenröthe aufgehen wird, sollet ihr wieder aufstehen und ewig leben. Da sprach sie: O ja. Da fragt sie der Doctor und sprach: Habt ihr keine Anfechtung? Nein, sagte sie. Wie, thut euch denn nichts weh? Ja, sprach sie, ums Herz ist mir wehe. Da saget er: Der Herr wird euch bald erlösen von allem Uebel, ihr werdet nicht sterben; und wandte sich zu uns und sprach: O, wie wohl ist der, denn das ist kein Tod, sondern ein Schlaf; und ging alsbald allein an das Fenster, und betete, und ging also von ihr wieder weg um zwölf Nachmittag; auf den Abend aber um die sieben entschlief sie in Christo fein sanft ein.“ Endlich möge ein kurzer allgemeiner Bericht: „Wie Dr. M. Luther die Kranken zu besuchen und zu trösten pflegte“ hier noch seinen Platz finden. „Wenn Dr. Martinus Luther irgend zu einem Kranken kam, den er in seiner Leibsschwachheit besuchte, so redete er ganz freundlich mit ihm, neigete sich auch hart zu ihm, und fragete erstlich von seiner Krankheit, was ihm fehlete, und wie lange er wäre schwach gewesen, was er für einen Arzt gebraucht hätte, und was man ihm für Arzenei gegeben hätte? Darnach fing er an zu reden, ob er in dieser Leibesschwachheit auch wäre geduldig gegen Gott gewesen? Wenn er nun erfahren, wie sich der Kranke in seiner Leibesschwachheit gehalten, und wie er gegen Gott gesinnt, daß er seine Krankheit geduldig leiden und tragen wollte, dieweil Gott sie ihm aus gnädigem und väterlichem Willen hätte zugeschickt; und daß er diese Heimsuchung mit seinen Sünden wohl verdient hätte, und er bereit wäre williglich zu sterben, wenn es Gott also gefiele: darauf hat er angefangen hoch zu loben solchen christlichen Vorsatz und Willen, als ein Werk des heil. Geistes, der solches in ihm wirket; und hat er gerühmet, daß es eine große Wohlthat Gottes sei, wenn Einer in diesem Leben Gottes wahrhaftiges Erkenntniß erlanget, und an