# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S184 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 184 Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? herzlichen Muth einsprechen, daß sie sich an Christi Wort: „Für euch gegeben, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden“ fest halten sollen. Bei ihnen ist die Absolution, die dem Empfang des Sacraments vorangeht, gewiß auch so recht am Orte, wobei man ihnen ernstlich ans Herz zu legen hat, daß sie in der Absolution Christi Stimme hören, der ihnen alle Gnade zusagt; und der im heil. Abendmahle mit seinem Leiden und Blute, womit uns Vergebung der Sünden erworben ist, sie speisen und nähren, stärken und erhalten wolle zum ewigen Leben. Gewiß aber ist es, daß wo ein aufrichtiges Herz sich vorfindet, der barmherzige GOtt keine Seele in der Anfechtung untergehen lassen, sondern die Anfechtung in um so größere Freudigkeit verwandeln wird. Wenig zu sagen bleibt uns übrig über das Verhalten eines Seelsorgers am Krankenbette eines freudig glaubenden Beichtkindes. Denn das Gesetz hat an solchen seine Arbeit gethan und es zur Erkenntniß seines natürlichen geistlichen Elendes und Verderbens und seiner mancherlei Sünde gebracht, so daß es weiß und mit Wahrheit Pauli Worte sprechen kann: Ich weiß, daß in mir, d. i. in meinem Fleische, wohnet nichts Gutes; deßhalb es sich mit herzlicher Betrübniß als den vornehmsten Sünder bekennt, den keine eignen Werke und Verdienste von diesem Verderben erretten können. Aber diese Erkenntniß, welche, so sie sich allein vorfände, nur Zorn und Verzweiflung anrichtete, erweist sich an ihm als ein Zuchtmeister auf Christum. Zu Christo, dem Brunn aller göttlichen Gnade und Barmherzigkeit, welchen es aus dem Evangelio zu seinem großen Trost hat kennen gelernt, wird es durch die Erkenntniß seines sündlichen Elends hingetrieben. Ihn, den Heiland der Sünder, ergreist das gläubige Herz, und freut sich, daß es an Ihm den Versöhner und Tilger seiner Sünden und den Fürsprecher bei dem Vater habe, welcher schon in der heil. Taufe ihm das heilige Verdienst und die völlige Genugthuung seines lieben Sohnes Jesu Christi geschenkt, und verheißen hat, ihm ein gnädiger Gott zu sein, ja in ihm Wohnung zu machen. Und mit herzlichem Verlangen wird es sich nach der Absolution und dem heil. Abendmahl sehnen zu einer Wegzehrung nach dem ewigen Leben. Es ist gewiß, daß der Besuch eines solchen Kranken etwas sehr tröstliches und erbauliches für den Seelsorger selbst ist. Denn wie sollte sich sein Herz nicht freuen, wenn er sieht, wie Christus so stark und mächtig in den Schwachen ist; und wie Seine Gnade bei allem Kreuz und Elend dieses Lebens ein Menschenherz so fröhlich und getrost machen kann. Jedoch geschieht es wohl auch, besonders wenn sich die Krankheit in die Länge zieht, daß gläubige Kinder Gottes noch mancherlei Ursachen zum Klagen und Seufzen haben, als z. B. daß sie angefochten werden mit Ungeduld, oder daß das Angedenken ihrer früheren Sünden ihnen Seufzer auspresset u. dgl.; und wenn sie nun solche und andere Noth ihrem sie besuchenden Seelsorger klagen, so wird dieser es sich angelegen sein lassen, die zagende Seele durch Gottes Gnade aufzurichten, und durch den Trost des Evangelii wieder zu stärken und fröhlich zu machen. Denn an solch Krankenbett gehört