# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S183 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? 183 nicht vorenthalten: — aber mit dem Gesetz zu drohen, und durch dasselbe die so schon beängstigte Seele zu martern, um etwa eine vermeintlich gründlichere Buße zu wirken, will sich für einen evangelischen Prediger, der ein Verkündiger des Friedens mit Gott durch Christum ist, nicht schicken. Denn wer kennt das Maas der Buße, welches nothwendig ist? Und ist nicht Alles bei uns, folglich auch die Buße über unsere Sünden, ein Stückwerk? Muß nicht Christi Genugthuung für uns und seine Gerechtigkeit all unser Stückwerk bedecken? Ist es nicht allein Gottes Gnade, von der ein Sünder lebt? Es ist deßhalb vielmehr eines Seelsorgers Amt und Pflicht, die Gnade Gottes, durch Christum uns erworben, dem Angefochtenen recht auszumalen, wie Gott nicht will, daß auch nur eine Seele verloren gehe; wie deßhalb, um diesen Liebesrathschluß Gottes zu der Menschen Heil und Leben ins Werk zu setzen, der ewige Sohn Gottes in Knechtsgestalt auf Erden erschien und durch seinen thätigen und leidenden Gehorsam der göttlichen Gerechtigkeit ein Genüge leistete, auf daß nun alle Sünder, große und kleine, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Das rühmt auch St. Paulus 1 Tim. 1, 15, wo er spricht: „Das ist je gewißlich wahr und ein theuer, werthes Wort, daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen“; und damit dieser großmächtige Trost recht eindringe, stellt er sich selbst, der er ein Mörder und Verfolger Christi und seiner Gemeinde gewesen war, zu einem Beispiel auf, und fährt fort: „unter welchen (Sündern) ich der Vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigete alle Geduld, zum Exempel denen, die an Ihn glauben sollten zum ewigen Leben.“ — Auf solche und ähnliche Weise sollen die Füße der Boten, die da Frieden verkündigen, lieblich, tröstlich und erquicklich sein. Es möchte hier aber am Orte sein die Frage zu erheben: Soll ein Prediger den Kranken das heil. Abendmahl anbieten? Daß er in öffentlicher Predigt nach Luthers Vermahnung in der Vorrede zum kleinen Catechismus und vielen andern Orten fleißig dazu reizen soll, ist gewiß; jedoch den Kranken, welche durch ihre Krankheit schon an den Tod und die Ewigkeit erinnert werden, und mit denen der Seelsorger ja auch davon redet, das Sacrament anzubieten, ist im Allgemeinen nicht räthlich. Denn wenn rechter Glaube im Herzen des Kranken entzündet ist, und er ein Verlangen hat, mit Christo vereinigt zu sein, so wird er ohne Zweifel den Wunsch, das heil. Abendmahl zu empfangen, selbst aussprechen; während wenn der Prediger dasselbe anbietet, so werden die Kranken es in den meisten Fällen, ja wohl immer, annehmen, dabei es aber leider nur zu sehr den Schein gewinnt, als wenn sie das Sacrament, weil es einmal so Sitte sei, nur aus Gewohnheit empfingen. Eine Ausnahme davon würden dann die Angefochtenen machen, welche den Wunsch, mit Christo vereinigt zu werden und in Ihm Ruhe und Frieden zu finden, bestimmt ausgesprochen, aber nicht den Muth besitzen den Leib und das Blut desselben würdig zu empfangen. Diese Mühseligen und Beladenen soll man mit dem heil. Abendmahl erquicken, und ihnen dazu