# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S181 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? 181 reformatorischen Character bewähren. So wird sie wie ein lauterer Strom des lebendigen Wassers, klar wie ein Krystall, Offenb. 22, 1., aus dem Worte Gottes hervorfließend das Gefilde der Kirche befruchten, indem sie die Er⸗ kenntniß fördert, den Glauben stärkt und das gesunde, kräftige und selige Leben, das aus Gott ist, begründet. Der HErr aber wolle seine Verheißung erfüllen und uns immer mehr in alle Wahrheit leiten. H. Fick. (Eingesandt.) Wie soll sich ein Seelsorger am Krankenbette seiner Gemeindeglieder verhalten? (Schluß.) Wie nun ein Seelsorger bei sichern und selbstgerechten Kranken das Gesetz gebrauchen und damit den harten Acker des Herzens pflügen und zur Aufnahme des guten Samens, nämlich des Evangelii, vorbereiten muß: — so wird er bei angefochtenen Kranken vornehmlich das Evangelium mit seinem süßen, herzlabenden Trost in die Hand nehmen müssen, um die ermatteten, müden und geängstigten Gewissen wieder aufzurichten, zu erquicken und fröhlich und getrost in Gott zu machen. Denn ein Angefochtener bedarf nicht der Strafe, sondern des Trostes; er ist eben deßwegen ein Angefochtener, weil die Kraft der Sünde, das ist das Gesetz, in seinem Herzen lebendig geworden ist. So verschieden nun aber auch die Anfechtungen, womit die Kinder Got⸗ tes geplagt sind, sein mögen, als z. B. daß sie angefochten sind über die Größe und Menge ihrer Sünden, oder mit Traurigkeit, oder mit Angst vor dem Tode, oder über die ewige Versehung, oder was es auch sei: so werden doch alle diese Anfechtungen, weil der Mittelpunkt derselben, davon sie ausgehen, die Sünde ist, allein durch den Trost des Evangeliums, welches uns einen gnädigen und durch Christum versöhnten Gott vor Augen stellt, überwunden. Denn dies, daß Gott Gedanken des Friedens und nicht des Leides über uns habe, wie uns solches das Evangelium so vielfältig sagt und versichert, ist siegreich gegen alle noch so verschiedenen Anfechtungen. Es ist aber für einen Seelsorger am Krankenbett eines angefochtenen Beichtkindes höchst nöthig den Ursprung und die Art der Anfechtung desselben zu kennen, und deßhalb wird er in freundlicher Weise Gelegenheit nehmen, darnach zu forschen, um so in den Stand gesetzt zu sein, die passenden Sprüche oder auch Geschichten aus Gottes Wort dem Kranken zur Aufrichtung seines angefochtenen Glaubens vorhalten zu können. Ich kann nicht unterlassen hier auf eine Stelle des Aufsatzes: „Wie werden wahrhaft lutherische Ge⸗ meinden gegründet und erzogen?“ in „Lehre und Wehre“ erster Band, No⸗ vember⸗Heft, pag. 331—335 besonders aufmerksam zu machen, und erlaube mir, den Schluß davon herzusetzen: „Besonders wichtig ist nun hierin für den Seelsorger, daß er den Trostbedürftigen von all seinem Dünken, Meinen und Fühlen, darin er sich von Gott gestraft, ja verstoßen wähnt, auf das