# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S180 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 180 Gedanken über die moderne Theologie. Producte einzudringen. Was nüßt dabei alle Meisterschaft, alle Glätte und Abrundung in der Form, wenn der rechte Inhalt fehlt? der Mangel desselben wird durch prächtige Reden nicht ersetzt und nur schlecht verhüllt. Mag des⸗ halb die moderne Theologie auf andern Gebieten anerkennenswerthe Lei⸗ stungen von bleibendem Werthe hervorgebracht haben, so hat sie doch bisher soviel bewiesen, daß sie, da sie ihrem Wesen nach nichts als ein mit Pietismus versetzter Rationalismus ist, hinsichtlich der kirchlichen Lehrentwidelung ihre Zukunft hat. Diese gehört vielmehr der lutherischen Theologie. Zwar verkennen wir nicht, daß in der romanisirenden Auffassung der Lehre von Kirche und Amt, sowie hinsichtlich der Lehre von der Inspiration und der Versöhnung, der Christologie und Eschatologie die bedauerlichsten Irrgänge Statt gefunden haben. Allein wir wollen auch nicht übersehen, daß dagegen doch auch eine kräftige Reaction sich erhebt, daß ein frischer Odem vom Geiste des HErrn die Kirche durchweht, und daß immer lautere und gewichtigere Stimmen dazu auffordern, sich wieder freudig und demüthig einzuleben in das lebendige Wort Gottes, in das gute Bekenntniß unserer Kirche und die Lehrschätze der Väter. So hoffen wir, wird, wenn der HErr seiner Kirche noch längere Frist schenkt, die alte Theologie in jugendlicher Frische erstehen und die verjüngte Wissenschaft wird auf dem Grunde, der einmal gelegt ist, welcher ist Jesus Christus, nur Gold, Silber und Edelsteine bauen, 1 Cor. 3, 12. Sie wird das Gold der Wahrheit wieder aufnehmen, was die treuen Zeugen durch alle Jahrhunderte unter so viel Anfechtung und Verfolgung, Gebet und Thränen aus dem Schachte des göttlichen Wortes gewonnen haben. Sie wird durch die schmerzliche Erfahrung von so vielen falschen Richtungen belehrt, um so treuer alles meiden, was zu solchen Abwegen führt, zur Ueberwindung des falschen Gegensatzes sich desto mehr in die Schrift vertiefen, daraus neue Bausteine wahrer Gotteserkenntniß hervorholen und zur Abwehr die Lücken desto fester verzäunen und die alten Waffen desto schärfer schleifen. Sie wird sich vor allem erfrischen und erfüllen lassen durch den reichen Strom des re⸗ formatorischen Zeugnisses in Luthers und der Väter Schriften, aber auch nach dem Worte: Alles ist euer, 1 Cor. 3, 21., alle Wahrheits⸗Momente, die sie sonstwo auf dem Gebiete der Theologie findet, freilich streng kritisch sichtend, in ihre Schatzkammer aufnehmen, um daraus Altes und Neues hervor holen und in wahrhaft ökumenischer Weise Allen, die aus der Wahrheit sind, Alles sein zu können. Indem sie so den Inhalt der göttlichen Offenbarung in ungeschwächter Reinheit, Fülle und Kraft und damit auch das Erbe der frü⸗ heren kirchlichen Lehrentwickelung in sich aufnimmt, wird es ihr durch Gottes Gnade auch gelingen, den lautern göttlichen Gedanken in entsprechender Form desto völliger darzustellen. Dadurch aber, daß sie an der Autorität des göttlichen Wortes als des höchsten und alleinigen Erkenntnißprincipes un⸗ verbrüchlich festhält und die centrale Stellung des Artikels von der Rechtfer⸗ tigung im Organismus des christlichen Lehrsystemes nach der Schrift siegreich behauptet und durchführt, wird die Dogmatik ihren echt lutherischen und