# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S178 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 178 Gedanken über die moderne Theologie. rein natürliche Bewußtsein zum Inhalt seiner Lehre mache, und zwar einer vorgeblich prophetischen, einer die Unmittelbarkeit Gottes vorgeblich inne habenden und als einzige Hülfe öffentlicher Schäden sich darstellenden.“ Wie doch das Ende zum Anfang zurückkehrt! Wie im Anfange, so hat auch die Kirche jetzt wieder gegen pantheistischen Gnosticismus zu streiten. Ferner erscheint es uns als ein großer Schaden der modernen Theologie, daß sie die symbolischen Bücher und die ältere lutherische Dogmatik theils ignorirt, theils verachtet. Unbehülflichkeit der Darstellung, Narrheit der Anschauung, Gebrauch der alten formalen Logik, das Scholastisirende ihrer Methode ꝛc. wird ihr oft zum Vorwurf gemacht. Mancher Hochgelahrte sucht an ihr zum Ritter zu werden. Ehe er zur Behandlung seines Gegenstandes übergeht, führt er öfters erst einige Sätze aus der alten Dogmatik darüber an und bemüht sich zu zeigen, wie starr, einseitig und unzulänglich sie seien, worauf er dann beginnt, in der Kraft moderner Wissenschaftlichkeit seine Sache ab ovo aus tiefsinnigen Ideen zu construiren. Der auf die Leser be⸗ absichtigte Eindruck ist dann dieser: Seht ihr wohl, in der Rumpelkammer der alten Dogmatik ist nichts Gescheutes zu finden. Indessen können wir uns des Eindrucks nicht erwehren, daß manche neuere Theologen die Mei⸗ nungen der alten Dogmatiker in ihrem Zusammenhange entweder nicht gründlich verstehen, oder nicht verstehen wollen. Und vergleichen wir das Resultat der Forschung, so stellt sich dasselbe, so viel wir nach unserer geringen Erkenntniß und Kenntniß der Alten zu urtheilen vermögen, entschieden zu Gunsten der älteren Dogmatik heraus. Denn diese kennt keine subjectivi⸗ stische Abschwächung der biblischen Wahrheit und keine Versetzung derselben mit philosophischem Gedankenstoffe. Trägt sie gleich auch den Schatz in ir⸗ dischen Gefäßen, so hat sie doch vor der neueren Dogmatik den Vorzug, daß sie aus der heil. Schrift einen viel umfassenderen Schatz von realer göttlicher Wahrheit geschöpft und denselben in einer Weise entwickelt hat, welche der Majestät Gottes viel würdiger, dem Glauben ähnlicher, und zur Gottseligkeit fruchtbarer ist. Und vor allem gebührt ihr der herrliche Ruhm, daß sie mit der Anerkennung des göttlichen Wortes als absoluter realer Wahrheit und einzigen Erkenntnißprincipes der Theologie heiligen Ernst gemacht und sie consequent durchgeführt hat. Damit aber, daß die moderne Theologie die ganze frühere Lehrentwicke⸗ lung nicht in sich aufnimmt, noch darauf weiter baut, sondern meist negirt und ein Neues setzen will, richtet sie sich selbst und bezeugt, daß sie zu einer organischen Weiterbildung und Förderung der kirchlichen Erkenntniß nicht berufen sei. Denn was ist der positive Gewinn an Wahrheit, welchen die Kirche der modernen Theologie zu verdanken hätte? Weit entfernt, die Lehre wirklich um einen Schritt vorwärts gebracht zu haben, befindet sie sich viel⸗ mehr noch in längst überwundenen Irrthümern, wie sie denn fast durchgängig dem Unionismus und Chiliasmus huldigt. Eben so wenig können wir in das Lob einstimmen, welches die neuere Theologie sich so bereitwillig spendet, wegen ihrer Fortschritte in formeller