# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S176 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 176 Gedanken über die moderne Theologie. einigt war, die auch mit dem hl. Geiste gesalbt war; so hat doch im Seelen⸗ kampfe weder die vereinigte Gottheit noch der Geist, der zugegen war, weder den Leib noch die Seele Christi von der Schwachheit offenbar befreit, sondern sie überließen dies dem Engel, welcher ihn stärkte. Gregor von Nazianz (†390): Wie, wenn die Sonne von einer Wolke verdeckt wird, ihr Glanz gehemmt, nicht verdunkelt, nicht weggenommen wird: so hat auch jener Mensch, welchen der Sohn Gottes an sich nahm, die Gottheit in ihm nicht weggerafft, sondern verborgen. Ambrosius (†397): Er entäußerte sich, d. i. er zog seine Macht von dem Werke zurück, so daß er in der Erniedrigung durch das Ruhen seiner Kraft schwach zu werden schien. Athanasius (†373) über das Wort Christi „Meine Seele ist betrübt“: Dies ist geschehen, indem die Gottheit ruhte, das Fleisch aber sich erhob; denn es war der Gottheit möglich, die Betrübniß zu hindern, aber sie wollte nicht, damit sie die Aehnlichkeit, die sie mit uns hatte, nicht zerstörte. Wie im Honigtrank bald das Wasser, bald der Honig reichlicher ist, so gestattet die Gottheit bisweilen dem Fleische, daß es reichlicher sei, bald aber übertrifft sie es, um die Schwachheit des Fleisches zu vernichten. Cyrill (†444) über das Wort Christi „Mich dürstet“: Es wäre dem alles vermögenden Worte nicht schwer gewesen, auch dies von seinem eignen Fleische zu entfernen, aber wie es freiwillig dem Fleische zuließ, das Andere zu leiden, so auch dies. Leo der Große: Die Erniedrigung war eine Herablassung des Erbarmens, nicht eine Abnahme der Macht. (Eingesandt.) Gedanken über die moderne Theologie. Wer auch nur oberflächlich von den Leistungen der modernen gläubigen Theologie Kenntniß nimmt, muß sich sehr bald überzeugen, daß dieselbe an einigen wesentlichen tief greifenden Grundschäden leide. Im Allgemeinen lassen sich dieselben wohl am treffendsten bezeichnen, als Abschwächung des biblischen Wahrheits-Gehaltes. Wie es geschichtlich dazu gekommen ist, wie Pietismus, Rationalismus, Supranaturalismus und Unionismus sich wech⸗ selseitig bedingten und hervorriefen, und sich nun im breiten Strom des Sub⸗ jectivismus vereinigen, welcher aus der Bibel nur dasjenige als Gottes Wort auswählt, welches dem frommen Ich als solches annehmbar erscheint, soll hier nur kurz angedeutet sein. Indem aber der halbgläubige Subjectivismus das eigene Ich zum obersten Princip erhebt, kann natürlich der Inhalt der Offenbarung nicht zu seinem Rechte kommen. Die biblischen Lehren werden entweder negirt, oder halbirt, oder doch sonst so alterirt, daß sie sowohl die Bestimmtheit und Integrität verlieren, welche ihnen nach dem Worte Gottes ursprünglich eignet, als auch die Bedeutung, die in Zusammenhange der