# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S174 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 174 Ueber die Lehre der neuesten Theologie von der Person Christi ꝛc. in einer einigen, untrennbaren Person vereinigt, doch ihre volle Integrität behalten haben, wie die oben angeführten Stellen von der Gottheit in Christo speciell von dieser, um welche allein es sich hier handelt, bezeugen. Dafür aber ist ein treffliches, von der ganzen alten Kirche anerkanntes Gleichniß die Vereinigung von Seele und Leib in der Person des Menschen, da diese in ihrer Vereinigung in voller Integrität verbleiben und doch zu einer eini⸗ gen Person verbunden werden. Schon deswegen ist der Vergleich der per⸗ sönlichen Vereinigung der beiden Naturen in Christo mit dem geistlichen und natürlichen Leben im Wiedergeborenen nicht so passend, den Thomasius an⸗ stellt, weil das in der Einen Person des Wiedergeborenen vorhandene geist⸗ liche und natürliche Leben keine zwei Substanzen sind, wie die göttliche und menschliche Natur in Christo. Mit Unrecht aber werfen die Vertreter der wieder aufgebrachten falschen Lehre dem lutherischen Bekenntnisse „Dualis⸗ mus“ vor, weil es so bestimmt und entschieden alle Vermischung des Gött⸗ lichen und Menschlichen in Christo abweist und beide Naturen, wo speciell von ihnen geredet wird, so klar von einander sondert. Denn mit derselben Entschiedenheit göttlicher Wahrheit hält es die Einheit der in beiden Naturen subsistirenden Person des Erlösers fest; nur daß es nicht entschiedener sein will als der heilige Geist selbst, der klar und deutlich in der Schrift über dies Geheimniß der Vereinigung lehrt, und soviel als für die heilsame Erkenntniß erforderlich ist. Die Kirche weiß, daß man in bodenlose Abgründe des Irr⸗ thums und der Thorheit fällt, wenn man die von der Liebe Gottes uns ge⸗ schenkte ewige, untrügliche Norm des Wortes verachtet und überschreitet. Wie sollte auch die klare Sonderung dessen, was beiden Naturen an sich eignet, die Einheit der Person zerreißen, da doch die klare Sonderung dessen, was der Seele und dem Leibe, der geistigen und materiellen Natur des Menschen, eignet, keineswegs die begreifliche Einheit seiner Person zerstört? Das Ver⸗ schiedenartige, welches im Leben eine Einheit ist, kann nicht aufhören es zu sein, wenn sein Bestand der Wirklichkeit gemäß in Worte gefaßt und aus⸗ gesprochen wird.*) Darin liegt aber eben die Demuth der wahren luthe⸗ rischen Theologie, daß sie sich nimmermehr entschließen kann, der scheinbar einheitlicher klingenden speculativen Formel die Wirklichkeit und Wahrheit der göttlichen Offenbarung aufzuopfern. Sie bleibt mit Ehrfurcht und An⸗ betung vor den Geheimnissen des göttlichen Waltens stehen, und bekennt lie⸗ ber, daß sie nicht weiß, was sie die Schrift nicht gelehrt hat, als daß sie auf heiligem Gebiete der fleischlichen Vernunft das Wort gestattet, und diese statt des seligen Geheimnisses den derselben genügenden und begreiflichen Irrthum aufstellen läßt. So wollen wir auch, nach dem Beispiele unserer Väter in diesem Lehr⸗ stücke von der Person Christi im Stande der Erniedrigung thun, und lieber *) Es soll mit Vorstehendem keineswegs gesagt sein, als ob das Gleichniß der Vereini⸗ gung von Leib und Seele in der Einheit der menschlichen Person in aller und jeder Hinsicht der Vereinigung von Gottheit und Menschheit in Christo entspräche. Omne simile claudicat!