# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Ueber die Lehre der neuesten Theologie von der Person Christi ꝛc. der Person Christi im Stande der Erniedrigung: „Gott der Sohn hat, als er Mensch ward, sich selbst beschränkt, indem er entweder einen Theil seiner göttlichen Eigenschaften abgelegt oder alles bis auf den Willen aufgegeben hat. Die menschliche Natur, die er an sich genommen hat, war den Folgen der Sünde unterworfen, sie war also mit der, wenn auch nur abstracten Möglichkeit des Sündigens, mit Sterblichkeit und Schwachheit behaftet. Die Vereinigung der Gottheit und Menschheit in Christo hat man sich nicht zu denken wie die von Seele und Leib in der Person des Menschen, sondern der ewige Sohn Gottes ist in Christo so in das Menschliche eingegangen, daß er als bloßer Mensch lebt, denkt, will, fühlt und handelt, wenn auch als sündloser und mit Wunderkraft ausgerüsteter Mensch; es vergleicht sich also die Existenz Christi in der Gottheit und Menschheit vielmehr dem geistlichen und natürlichen Leben des Wiedergeborenen." Das ist mit kurzen Worten die wieder aufgekommene falsche Lehre.— Es ist offenbar, daß diese Lehre dem Bekenntniß unserer Kirche, wie dasselbe namentlich in der Concordienformel enthalten ist, durchaus zuwider läuft, und darum ist es für uns Lutherische, die wir durch Gottes Wort und Gottes Geist gewiß geworden sind, daß unser Bekenntniß in allen seinen Theilen weiter nichts ist als die Aussage der im Glauben erkannten und lebendig ergriffenen göttlichen Wahrheit in der heil. Schrift, von vornherein ausgemacht, daß jene Ansicht auch gegen die klaren Zeugnisse der Schrift verstößt. Im Folgenden will ich etliche derselben anführen, wodurch dieselbe in ihrem Widerspruche mit dem Worte Gottes und also in ihrer völligen Irrthümlichkeit und Verkehrtheit dargethan wird. Was zuerst die Lehre von der göttlichen Natur in Christo betrifft, so ist es nach der heiligen Schrift schlechterdings unmöglich, daß dieselbe irgendwie, sei es in der Menschwerdung oder sonst, eine Veränderung, eine Beschränkung, Abnahme oder Verringerung erlitten hat oder erleiden konnte. Psalm 102, 28., sagt: Du bleibest wie du bist. Jakobi 1, 17: Bei Gott ist keine Veränderung. Es ist der Gottheit wesentlich eigen, daß sie unveränderlich ist. Denn bei ihr ist das Wesen mit den wesentlichen Eigenschaften schlechthin identisch. Wären diese nämlich vom göttlichen Wesen verschieden, so wäre dasselbe durch etwas anderes und nicht durch sich selbst das Eine höchste und vollkommene Gut. Würde die Gottheit sich also irgendwie verändern, durch Zunahme oder Abnahme, so daß sie nur göttliche Eigenschaften zu den alten bekäme oder die alten zum Theil ablegte, so würde sich ihr Wesen ändern und aufheben, sie würde etwas anders werden als sie ist, sie würde aufhören Gottheit zu sein. Es erscheint demnach vom Gottesbegriffe der heil. Schrift aus als unmöglich, daß die Gottheit in der Person des Sohnes mit der Menschwerdung wesentliche Eigenschaften, nämlich Allmacht, Allwissenheit und Allgegenwart, abgelegt und für eine Zeitlang gar nicht besessen habe. Wie kann man das zusammen reimen, daß der erniedrigte Christus wohl absolute Macht aber keine Allmacht und keine Allgegenwart, wohl absolute Wahrheit, Heiligkeit und Liebe, aber keine