# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S9 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Velligirt von C. E. W. Walther. er Lulheraner. „Gottes Mort und Authers chr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der dentſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſonri, Ohio uud anderen Staaten. ö Zahrgang 5. ‚ 5. Louis, Mo., den 19. Heptember 1848. No. 2. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jahrlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben ö vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Waither, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Vorwort des Redacteurs zum fünften Jahr⸗ gang des „Lutheraner“. (Schluß.) Wen Gott in ein Amt ſchickt, den macht er auch dazu geſchickt. Dies hat ſich, wie wir be⸗ reits geſehen haben, auch an Luther bewahrheitet. Daß derſelbe zum Werk der Reformation von Gott eigens auserſehen, daß er dazu außerordentlich berufen geweſen ſei, dies hat aber auch der wun⸗ derbare Erfolg bewieſen, mit welchem endlich alles, was er im Namen des HErrn unternahm, gekrönt war. Welch' ein Wunder war es, daß Luther nicht bald nach ſeinem Auftreten in Ketten und Banden geſchlagen und getödtet wurde! Es hat wohl keinen Menſchen in der Welt zu irgend einer Zeit gegeben, der ſo viele und ſo große Feinde hatte, als er. Die Mächtigſten der Erde hatte er wider ſich, und er ſchrieb ſo ſcharf, ſo beißend, ſo ſcho— nungslos wider ſie, daß ſie zähneknirſchend ſeine Schriften laſen. Mit des Pabſtes Bann und mit des Kaiſers Acht belegt, ſchwebte er jede Stunde ſeines Lebens in Todesgefahr. Wie oft befand er ſich wehrlos mitten unter ſeinen Feinden! und „ anſtatt ſeine hohen Gönner, wie die Kurfürſten von Sachſen, um ihren Schutz anzuflehen, verbat er ſich denſelben. Als er wider den Willen ſeines Kurfürſten als ein vom Staat Geächteter und von der Kirchengewalt Gebannter die Wartburg verließ, um der ihm anvertrauten und von Schwär— nern bedrohten Heerde zu Wittenberg beizuſprin— gen, da ſchrieb er an den Kurfürſten, der ihm ge⸗ droht hatte, ihm ſeinen Schutz entziehen zu müſ— ſen, wenn er muthwillig ſeinen Zufluchtsort ver⸗ laſſen würde, Folgendes: „Solches ſei Eurer Kurfürſtlichen Gnaden geſchrieben, der Meinung, daß E. K. F. Gn. wiſſe, ich komme gen Witten⸗ berg in viel gar einem höhern Schutz, denn des Kurfürſten. Ich habs auch nicht im Sinn, von E. K. F. Gn. Schutz zu begehren. Ja, ich halte, ich wollte E. K. F. Gn. mehr ſchützen, denn ſie mich ſchützen könnte. Dazu, wenn ich wüßte, daß nich E. K. F. Gn. könnte und wollte ſchützen, ſo vollte ich nicht kommen. Dieſer Sachen ſoll noch kann kein Schwert rathen oder helfen; Gott muß hier allein ſchaffen, ohne alles menſchliche Sorgen und Zuthun. Darum, wer hier am meiſten gläubt, der wird hier am meiſten ſchützen. Dieweil ich denn nun ſpüre, daß E. K. F. Gn. noch gar ſchwach iſt im Glauben, kann ich keinerleiwege E. K. F. Gn. für den Mann anſehen, der mich ſchützen oder retten könnte.“ Kurz zuvor hatte er geſchrieben, er ſei bereit, wie nach Worms, ſo auch in die ihm damals feindſeligſte Stadt Leipzig ohne Schutz und Bedeckung zu gehen, „wenns gleich neun Tage eitel Herzog Georgen regnete, und jeglicher wäre neunfach wüthender denn dieſer iſt.“ So benahm ſich Luther, und ſiehe, obgleich Tauſende und aber Tauſende von Lutheriſchgeſinnten ihr Bekenntniß mit ihrem Tode büßen mußten, ſo wurde doch Luthern kein Haar gekrümmt. Worin anders können wir die Urſache dieſer wunderbaren Erſcheinung ſuchen, als darin, daß Gott über Luthern ſeine ſchützende Hand gehalten und auch über ihn das Wort ge⸗ ſprochen hatte: „Taſtet meinen Geſalbten nicht an und thut meinem Propheten kein Leid“? Und was müſſen wir ſagen, wenn wir ſehen, mit welcher reißenden, an das Unglaubliche gren⸗ zenden Schnelligkeit das Werk der Reformation, ſobald dasſelbe durch Luthers Dienſt begonnen war, ſich ausbreitete? Schon Kaiſer Karl IV. ſchrieb 1352 zur Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern einen Reichstag zu Worms und Kaiſer Maximilian I. mit Ludwig II., König von Frankreich, 1511 eine Kirchenverſammlung zu Piſa aus; aber mochten ſich Könige und Kai⸗ ſer mit ihren Ständen und mit ganzen Concilien verbinden, vergeblich waren alle Unternehmungen, denn — Gottes Stunde war noch nicht gekommen. Endlich aber trat Luther, der wehr⸗ loſe arme Auguſtiner-Mönch, auf, allein die Bibel als ſein Schwert in der Hand. Er wollte keines⸗ wegs reformiren; er bekannte nur, was Gott ihn in ſeiner Celle in ſeinen höchſten Nöthen als einige ſeligmachende Wahrheit gelehrt hatte; und ſiehe! mit Blitzeseile ging ſein Wort von Mund zu Mund, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Gleich einem geflügelten Engel Gottes flog er in ſeinen Schriften durch den Himmel der Kirche. Offenbg. 14, 6. Mochte der Pabſt die Auslie⸗ ferung Luthers verlangen, auf ſeinen Kopf einen hohen Preis ſetzen, Meuchelmörder und Giftmiſcher wider ihn dingen und ſeine Bücher verbrennen laſſen, und mochten alle Gewaltigen der Erde ſich wider die „neue“ Lehre mit Feuer und Schwert erheben: das Feuer, das vom Himmel gefallen war, den Brand, den Gott ſelbſt bald in Mil⸗ lionen Herzen angezündet hatte, konnte keine Menſchenhand dämpfen. Nach wenigen Jahren hatte Luther Anhänger aus allen Ständen, Hohe und Niedrige, Reiche und Arme, Gelehrte und Ungelehrte, in Deutſchland, in der Schweiz, in Frankreich, in Spanien, in Italien, in England, in Dänemark, in Schweden, in den Niederlanden, in Ungarn, in Polen, ja ſelbſt in Syrien mitten unter Mahomets Bekennern, und Tauſende von ihnen ſtanden allenthalben nicht nur bereit, für das neuerſtandene Evangelium ihr Leben zu laſ⸗ ſen, ſondern verſiegelten es auch wirklich mit Strömen ihres Blutes. Es verbreitete ſich nun ein Licht über die ganze Chriſtenheit, das ſeit den Zeiten der Apoſtel nicht geſchienen hatte. Mochten die Feinde Himmel und Erde in Bewegung ſetzen, die evangeliſchen Bekenner waren getroſt, aber im Gegentheil Pabſt, Kaiſer, Könige, Fürſten, Prä⸗ laten und Biſchöfe erzitterten ob der ungeheuren Umwälzung, die jetzt geſchah, denn ganze Völker traten jetzt, mit Gottes Wort gerüſtet, wider den Pabſt und ſein antichriſtiſches Reich in die Schran⸗ ken. Luther ſelbſt ſchreibt daher: „Es iſt nicht möglich, daß ein Menſch ſollte ein ſolch Weſen anfahen und führen. Es iſt auch ohne mein Bedenken und Rathſchlag ſo ferne kommen, es ſoll auch ohne meinen Rath wohl hinausgehen, und die Pforten der Hölle ſollens nicht hindern; ein anderer Mann iſt, der das Rädlein treibet.“ Wer mag nun hiernach noch zweifeln, daß Luther nicht nur ein Zeuge der Wahr⸗ heit, wie ein Wiclef zweihundert Jahre zuvor in England, und ein Huß, hundert Jahre früher in Böhmen, ſondern daß er der wahre von Gott berufene Reformator war? Andere wollten reformiren, und ſie konnten nicht; Luther