# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S167 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber die Lehre der neuesten Theologie von der Person Christi ꝛc. 167 einigen Gottes so wenig eine Lücke, daß sie sich vielmehr in dieser Selbstentäußerung des Sohnes concentrirte. In ihr gipfelt die freie Selbstmacht des ewigen Sohnes, ihre Wirkungen erstrecken sich nicht allein auf die ganze Menschheit, sondern auf Himmel und Erde." Unter den Theologen lutherischer Confession haben sich außer den genannten zu jener Lehre bekannt nach Thomasius' Aussagen*): Besser in der Zeitschrift für lutherische Theologie und Kirche, Erlangen 1848, Heft 1., Liebner, Christologie S. 321; ferner: Oehler in Reuter's Repertorium 1851. Mit den genannten Theologen ist der reformirte Dr. Ebrard in ihrer Ansicht von der Erniedrigung Christi zusammengetroffen, der an der Hand der alten reformirten Dogmatiker zu demselben Resultat gelangt ist. Derselbe hat sich zuletzt über diesen Gegenstand ausgesprochen in Herzog's Encyclopädie S. 597 ff., wo es unter andern heißt: „Die heil. Schrift lehrt, daß der, welcher in Ewigkeit Gott aus Gott und in Gott ist, in die Sphäre der Zeit und des Raumes eingegangen und etwas geworden ist, was nicht Gott sondern Mensch ist. Der alle Zeiten und Räume ewig Hervorrufende und Umspannende begibt sich in einem Acte der Entäußerung in die Schranken der Zeit, des Raumes, des menschlichen Daseins und Lebens, Wollens und Anschauens, Fühlens und Erkennens. Hier ist in die Idee Gottes der Begriff der Lebendigkeit und der Möglichkeit einer Selbstveränderung und Selbstbeschränkung aufgenommen, freilich keiner solchen, bei welcher Gott sich selbst verlöre, sondern einer solchen, bei welcher er sich selbst festhält, und aus welcher er sich selbst zurückzunehmen Macht hat." Er acceptirt die Lehre der reformirten und philippistischen Theologen: „Der Logos hat nicht das göttliche Wesen, wohl aber die Form der weltregierenden, alle Zeiten und Räume umspannenden Ewigkeit aufgegeben und die zeitlich⸗räumliche Existenzform menschlichen Seins, Lebens, Fühlens, Wollens, Denkens angenommen; er ist menschliches Lebenscentrum, Menschenseele, geworden, als solche in den Schooß der Jungfrau eingegangen, hat sich hier einen Leib gebildet, und sich alsdann nach der geistigen wie nach der leiblichen Seite ächt menschlich entwickelt. Um uns zu erlösen, nahm er die Beschaffenheit der unter den Folgen der Sünde stehenden, mit dem accidens Sterblichkeit und Schwachheit behafteten Menschennatur (nur ohne das accidens der Sünde und mit dem accidens der Wunderkraft) an, und darin besteht der status humilis. Nachdem er aber das Erlösungswerk vollbracht, ist an ihm als an dem Erstling die Menschennatur von jenem accidens befreit, d. h. verklärt worden, und es begann sein status gloriae. Mit der verklärten Menschennatur ist die Theilnahme an der weltregierenden Herrschaft des Vaters (sessio ad dextram) vereinbar, welche mit der unverklärten nicht vereinbar war." Fassen wir nun das Wesentliche der vorstehenden Aussagen zusammen, so ergibt sich uns Folgendes als die jenen Theologen gemeinsame Lehre von *) Dogmatik II. S. 80.