# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S166 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 166 Ueber die Lehre der neuesten Theologie von der Person Christi ꝛc. anzunehmen, um für die menschliche Natur ein menschliches Bewußtsein zu gewinnen". Delitzsch erklärt in seiner biblischen Psychologie, S. 282: „Es ist bekanntlich eine der größten, heiligsten, forschungswürdigsten Aufgaben der neueren Theologie, gemäß dem durchgängigen Eindrucke wahrer Menschlichkeit und zwiespaltloser Einheit, welchen die Person Christi macht, wie sie in der Schrift sich uns darstellt, den widerspruchsvollen Dualismus, über welchen die kirchliche Anschauung des Gottmenschen nicht hinaus zu gelangen vermocht hat, dergestalt aufzuheben, daß ohne Rückfall zu überwundenen Irrthümern die Substanz des katholischen Dogma gewahrt bleibt.—Der Erlöser ist nicht im Besitz der ewigen Doxa, denn er verlangt nach ihr zurück, Joh. 17, 5. Er ist nicht allwissend, denn er weiß nicht, wie er selbst sagt, Zeit und Stunde des Endes, Marc. 13, 32. Er ist nicht allmächtig, denn die Macht über alles ist, wie der Auferstandene sagt, ihm gegeben, Matth. 28, 18. Er ist nicht allgegenwärtig, denn um alles zu erfüllen, ist er aufgefahren, Eph. 4, 10. Es muß also gezeigt werden, wie der Logos die ewige Doxa und die Attribute seiner göttlichen Seinsweise wahrhaft und wirklich aufgeben konnte, ohne doch sein göttliches Sein aufzugeben, dessen Abbild die Doxa ist und dessen Energie jene Attribute sind. Die Grundvoraussetzung dieser Möglichkeit besteht darin, daß die Wurzel des Wesens der Gottheit zumal und jeder der drei Personen insbesondere (wie abbildlicher Weise des menschlichen Geistes) der Wille ist, welcher selbst zum Bewußtsein sich als Prius verhält, und daß also Gottes Sohn, ohne sich selbst aufzugeben, sich auf diese unterste Basis, diese primitive Potenz, diesen alles beschließenden Grund seines Wesens zurückziehend und so mit Entäußerung seiner Wesensentfaltung sich zum Subjecte einer menschlichen Persönlichkeit machen und sich selbst in einem Bewußtsein gegenständlich werden konnte, welches, obgleich es sein nunmehriges Doppelwesen zum Inhalt hat, doch kein doppeltes, sondern ein einiges ist. Es kam dadurch in den immanenten trinitarischen Prozeß keine Hemmung, denn die beiden ewigen Acte, der des Vaters, vermöge dessen er seine Wesensfülle im Sohne ebenbildlich und gegenständlich zusammenfaßt, und der des Sohnes, vermöge dessen er sich selbst als Gott von Gott erfaßt und seinem Ursprunge in lichter Liebe zukehrt, diese beiden innergöttlichen Acte bleiben in ihrem ewig selbstgleichen Fortgang; der Sohn blieb auch in jener Einziehung seiner Wesensentfaltung, worin die Entäußerung besteht, der andere göttliche Wille, in welchem der urbildliche Wille des Vaters sich spiegelt und welcher die Wesensfülle des Vaters zu seinem bewegenden Inhalt hat. Es kam dadurch ferner in die welterhaltende und weltregierende Thätigkeit der dreieinigen Gottheit keine Lücke, denn in der Selbstentäußerung des Sohnes verwirklicht sich ja der ewige Liebeswille Gottes des Dreieinigen und somit sein eigener ewiger Wille. Die Erlösung ist das Centrum der Welterhaltung und Weltregierung, und indem also Gott der Sohn mit Rückgang auf seinen Wesensgrund die Gottesgestalt mit der Knechtsgestalt vertauschte, kam in die welterhaltende und weltregierende Thätigkeit des drei⸗