# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1859_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber die Lehre der neuesten Theologie von der Person Christi ꝛc. 165 als ihr Besitz nicht zu seinem Erlösungswerke erforderlich war. Unsere Bezeichnung dient dazu, den Gegensatz gegen die reformirte Lehre noch schärfer auszuprägen. Während nämlich sonst der zwingli'schen und calvinischen Lehre, Christus sei auf Erden gekommen, ohne den Himmel zu verlassen, lutherischer Seits entgegengestellt wird, er sei zugleich im Himmel gewesen, da er auf Erden ging, wobei immer doch der Schein einer zwiespältigen Seinsweise bleibt, nur daß es nicht ein Sein zugleich innerhalb und außerhalb menschlicher Natur, wohl aber eine zwiefache Seinsweise immer derselben ist; so fällt bei unserer Bezeichnung auch der letzte Schein hinweg, als habe der menschgewordene ewige Gott Sohn in einer Doppelheit geschichtlichen Lebens gestanden. Nicht zwar hat er die Ewigkeitsform mit der Zeitlichkeitsform vertauscht, sondern aus seinem geschichtlichen Stande der Ueberweltlichkeit, des weltbeherrschenden Könnens und Wollens und Gegenwärtigseins ist er, der hier und dort gleich Ewige, in die Innerweltlichkeit, in die menschliche Umschränktheit des Daseins und Wissens und Könnens eingegangen, die eine geschichtliche Bethätigung seines ewigen Wesens mit der andern vertauschend. Da ward die Ungleichheit des immergöttlichen Verhältnisses (Trinität) in seiner geschichtlichen Gestaltung so groß, als sie ohne Selbstverneinung Gottes werden konnte; aber auch in seiner äußersten Ungleichheit blieb es doch es selbst. Nicht theilweise, sondern völlig und ohne Vorbehalt hat sich Christus in seiner Menschwerdung aller überweltlichen Selbsterweisung begeben, ohne darum aufzuhören der ewige Gott zu sein, hat sich in die menschliche Umschränktheit dahingegeben, ohne dadurch ein endliches Geschöpf zu werden 1). Und zwar machte Christus die menschliche Natur, wie dieselbe in Folge der Sünde ist, zu seiner Natur, aber so daß seine Natur ohne Sünde die Folgen der Sünden an sich trägt 2). Mit der Verherrlichung aber wird die menschliche Natur Jesu zum vollkommenen Mittel der Bethätigung seiner zugleich ewigen und geschichtlich vollendeten Gemeinschaft mit Gott dem Vater. Nicht mehr Schranke und Bann ist nun die Leiblichkeit, sondern unbedingt und lediglich Mittel seiner Gegenwart und Selbstdarstellung. Nun sitzt er zur Rechten Gottes, welches heißt: er hat an seiner Macht und Machtübung Theil; und da Gottes Thronen mit seiner überweltlichen Weltgegenwart eins und dasselbe ist, so haben wir auch Jesu Sitzen zur Rechten Gottes als Theilnahme an Gottes überweltlicher Weltgegenwart zu verstehen im Gegensatze zu aller innerweltlicher Einschränkung 3)." Kahnis sagt in seiner „Lehre vom heiligen Geist," S. 58: „Das Johanneische: Das Wort ward Fleisch, sagt nicht ein Annehmen oder Anziehen der menschlichen Natur aus, sondern ein Uebergehen in dieselbe, fordert also, daß das unendliche Logosbewußtsein ein endlich Menschliches geworden sei. Wenn die Kirchenlehre mit Recht das Selbstbewußtsein Christi nicht von der menschlichen, sondern von der Logosnatur ableitet, so muß sie noch den Schritt thun, eine Verendlichung des Logosbewußtseins 1) Ebd. II. 1. S. 20—23. 2) S. 35. 3) S. 350 ff.