# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S160 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 160 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. unirt. Dagegen werden die treuen Bekenner der luth. Kirche öffentlich und insgeheim gehöhnt. Mit einem Worte, auch hier ziehen sich die Gliedmaßen des Antichrist zusammen. Die Devise heißt: Lutherthum und Union — in der Wahrheit handelt es sich um Christus und Belial. Die Folgen dieses Zustandes sind nicht ausgeblieben. Etwa ein Dutzend scharf lutherischer Geistlichen haben sich ganz und gar in die Bitterkeit der preuß. Separatisten verrannt. Neulich ist es im Leipz. Missionshause vorgekommen, daß alle Zöglinge haben entlassen werden müssen, weil sie das heil. Abendmahl nicht mehr bei Leipziger Pastoren — auch nicht bei Ahlfeld! — sondern lediglich bei preuß. Separatisten haben nehmen wollen. Pastor R. in L. Herausgeber des „Pilger," und Pastor S. in T.*) stehen nahe sehr nahe an einer separirten sächsisch⸗luth. Kirche, wie Löhe in Baiern einmal lutherischen Separatismus aufzurichten gedachte. Ueber Lic. Lämmer's in Berlin Uebertritt zur röm. Kirche giebt die ev. Kirchenzeitung durch die Nachricht einigen Aufschluß, daß derselbe einer gemischten Ehe entsprossen ist und die empfangenen religiösen Eindrücke namentlich seiner entschieden katholischen Mutter verdankt hatte. Feldner, der aus der unirten Kirche in die lutherische übergetretene Elberfelder Pastor, gibt seit Anfang dieses Jahres eine Zeitschrift heraus unter dem Titel: Der luth. Kirchenbote aus den Rheinlanden. Jährlich soll sie zehn Nummern umfassen. Der Preis ist 12½ Sgr. für den Jahrgang. Die lutherischen Missionare der Leipziger Mission in Indien verrichteten im Jahre 1858 an bekehrten Heiden 76 Taufen. Im Neuen Zeitblatt ꝛc. von Münkel lesen wir mit Vergnügen eine Rechtfertigung des Austritts des ehemaligen Missionars, Herr Schöneberg, gegenwärtig lutherischen Pastors in Lafayette, Indiana, aus der Rheinischen Mission durch den lutherischen Pastor Parisius in der Capstadt, deren Summe die ist, daß ein seines kirchlichen Rechtes und seiner kirchlichen Pflicht sich bewußter Lutheraner nicht in der Union, resp. einer unirten Missionsgesellschaft leben kann. Das Correspondenzblatt für innere Mission nach dem Sinne der lutherischen Kirche, nachdem es aus dem Lutheraner den Prozeß des Pastors Seidenbechers wegen seines behaupteten Chiliasmus abgedruckt hat, macht einige Bemerkungen dazu, aus denen ersichtlich ist, in welche Conflicte die Vertheidiger des Chiliasmus mit sich selbst gerathen. Das Blatt redet von seiner Achtung vor der Zeit und den Theologen des 17. Jahrhunderts; von dem treuen Eifer jener Zeit, mit der man über die Reinheit der Lehre wachte, von der Weisheit und väterlichen Milde, die man gegen den Verirrten, wie man meinte, bewies. Nichtsdestoweniger sieht das Blatt in jenem Manne einen Märtyr für die klar aus Gottes Wort erkannte einfache Wahrheit. Wäre das letztere der Fall, so müßte jener „treue Ernst" uns als ein Eifer in Unmaßen, jene „Weisheit und Milde" im besten Falle als eine unbewußte Heuchelei erscheinen. Auf welch unsicherem Boden das Correspondenzblatt steht, verräth es endlich dadurch, daß es den Chiliasmus, den es doch eine klar aus Gottes Wort erkannte Wahrheit nennt, für eine offene Frage erklärt. England. Aus neueren Nachrichten ersehen wir, daß die Bill, welche die Heirath mit der Schwester der verstorbenen Frau erlaubt, im Oberhaus des englischen Parlaments verworfen worden ist. Böhmen. Die Zahl sämmtlicher Lutheraner in Böhmen betrug am Jahresschluß 1857 12822 Seelen. Druckfehler in vorigem Heft. Seite 116 Zeile 2 von oben lies anstatt: Gesetzes — Geistes. *) P. Kühle in Lausa, und Siedel in Tharand.