# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S157 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 157 II. Ausland. Ungarn. Davon schreibt die luth. Dorfkirchenzeitung: Ungarn, dem kaiserlichen Oestreich verbunden, hat außer reformirten und römischen auch viele evangelische, d. h. lutherische Gemeinden. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts herrscht dort der offene Unglaube fast auf allen Kanzeln. Doch nimmt er jetzt, wo ein andrer Wind weht, manche Rücksichten. Das liegt in seiner biegsamen Art und Natur. Auch scheut er sich vor dem Rest des Glaubens in den Gemeinden und hängt zum Theil einen andern Mantel um. Im freisinnigen Rationalismus ist ja ein ergiebiger Boden für die jetzt so gefürchtete Heuchelei, wo man nicht ehrlich sagt und thut, wie's einem ums Herz ist. Seine Sonne ist jedoch im Erbleichen und man harrt der Morgenröthe eines neuen Tages.—Der äußerliche Stand der luth. Kirche dort hat Aehnlichkeit mit unserer Lage. Die Glieder derselben müssen wie für leibliche Nothdurft auch für ihre geistlichen Bedürfnisse ganz aus eignen Mitteln aufkommen. Darum ist ihnen die Kirche, selbst in ihrer Misgestalt, mehr werth als vielen, denen sie nichts kostet. Freilich wird den Lehrern und Kirchendienern ein so ärmliches Einkommen gewährt, daß sie oft bittere Noth leiden müssen. Sonst findet sich in den Gemeinden Zucht gegen sittliche Vergehen (wenn sie nur geistlich wäre); aber gar keine gegen falsche Lehre. Ingleichen ziemlich fleißiger Kirchenbesuch, regelmäßige Katechisationen Sonntag Nachmittags, daran auch die Alten Theil nehmen. Das Brautexamen ist kirchl. Ordnung, daraus der Seelforger erkennen soll, ob die Verlobten einem christlichen Hausstande wohl vorstehen können. An manchen Orten ist selbst jeden Morgen und Abend Mette und Vesper in den Kirchen, im Winter zahlreich besucht und zu der regelmäßig die ganze Schuljugend geführt wird. Auch Hausgottesdienste sind noch besonders in den deutschen Familien zu finden, wo die alten Kernlieder erklingen, während in der Kirche ein „verbessertes" Gesangbuch im Gebrauch ist. Fast überall Privatbeichte und Absolution.—Das sind so etliche Steine auf dem großen Schutthaufen der Kirche, ein Ueberrest aus der Treue und dem Glauben der Väter. Ach daß Zion auch im Lande Ungarn wieder gebaut würde, welches manche Blutzeugen in der Reformation gehabt hat. Aber die Hirten schlafen in stolzer Sicherheit sammt den Schafen. Was sich regt und bewegt, arbeitet für eine freie Kirchenverfassung. Doch läßt man ihnen nicht so leicht freie Hand wie den Römischen gegeben ist in dem „Concordat." Und leider muß man fragen: was würde der luth. Kirche die vollste Freiheit einbringen ohne Einigkeit und festen Grund im Bekenntnis? Hannover. Ein Blick auf die hiesigen kirchlichen Zustände werfend schreibt die luth. Dorfkirchenzeitung u. A.: Verwunderlich ist auch, daß das luth. Consistorium im hannöv. Herzogthum Bremen die „Neue evangelische Kirchenzeitung" welche die Männer der „ev. Allianz" in Berlin herausgegeben, den Predigern seines Sprengels nachdrücklich empfiehlt. Erst trauten wir der Nachricht in der „protestantischen K.⸗Zeitung" nicht recht; nun ist sie aus sicherem Munde bestätigt. Bekanntlich soll diese neue Zeitung der alten ev. K.⸗Zeitung von Prof. Hengstenberg (die ihres Ruhmes Höhe wohl überstiegen hat) den Rang ablaufen und durch Weitherzigkeit allen „Kindern GOttes" unter dem Himmel dienen. Herr Lehmann, Prediger der Wiedertäufer in Berlin, hat sie ebenfalls den Seinen dringend empfohlen. Er sagt in seinem Rundschreiben: „Den lieben Brüdern und Freunden kann ich die erfreuliche Mittheilung machen, daß nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten mit dem 1. Jan. 1959 die neue ev. Kirchen⸗Zeitung erscheinen wird. In derselben werden nicht nur die Interessen des Bundes nach allen Seiten hin vertreten werden, sondern sie wird es sich auch angelegen sein lassen die religiöse Freiheit kräftig zu empfehlen und zu vertheidigen. Durch ein nahes Verhältniß zur Redaction werde ich im Stande sein auch die Interessen unserer Baptistengemeinden in der Zeitung wahrzunehmen, sowie unsre Brüder überhaupt Gelegenheit bekommen, dasjenige was sie aus ihren Erfahrungen zur allgemeinen Kenntniß gebracht zu sehen wünschen, insofern es sich dazu eignet und den Grundsätzen des Bundes nicht widerstreitet, hier mitzutheilen. Ich wünsche daher daß die neue ev. K.⸗Zeitung in unsern Gemeinden die weiteste Verbreitung finden möge; und wenn der Preis unsern minder begüterten Brüdern das Halten derselben nicht möglich machen würde (kostet 4 Thlr. jährlich), so könnten doch die Gemein⸗