# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S156 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 156 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 48. des Heidelberger Katechismus, wo es z. B. heißt: „Nach seiner menschlichen Natur ist Christus jetzunder nicht auf Erden. Weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist, so muß folgen, daß sie wohl außerhalb ihrer angenommenen Menschheit und dennoch nichts desto weniger auch in derselben ist." Es gehört in der That eine, freilich erklärliche, lange Gewohnheit dazu, schon hieraus nicht zu erkennen, daß die echten Reformirten weit davon entfernt sind, an die Vereinigung der Gottheit und Menschheit in Christo zu Einer Person zu glauben. Damit wollen wir keinesweges alle Reformirten zu Arianern machen. Dem HErrn sei Dank, daß die einfältigen Seelen die Consequenzen der Lehren ihrer sophistischen Lehrer nicht durchschauen, sich an die rechtgläubigen Ausdrücke derselben arglos halten und so im rechten Glauben von dem guten Hirten unter den Irrlehrern erhalten werden. Es ist ein altes wahres Sprüchwort: Saepius puriores sunt aures auditorum, quam labia doctorum d. i. häufig sind die Ohren der Zuhörer reiner, als die Lippen ihrer Lehrer. Und zu solchen Zuhörern gehören, Gottlob! auch viele, die das Lehramt tragen. Der angeregte Lehrpunct ist von der höchsten Wichtigkeit. Wir gedenken bei anderer Gelegenheit darauf gründlich einzugehen. Wachsthum der protestantischen Kirchen.—Die Gesammtzahl der Glieder s. g. protestantischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten soll vor fünfzig Jahren 400,000 gewesen sein, während sie jetzt etwa 3¼ Millionen beträgt. Es hat sich demnach während dieses Zeitraums die Bevölkerung des Landes vierfach, die protestantischen Kirchen aber achtfach vermehrt.— Spiritualisten. Nach dem Spiritual Register für 1858 gibt es jetzt etwa 5000 Männer und Frauen in America, welche mehr oder weniger den Spiritualism öffentlich befürworten. Außer diesen soll es gegen 40,000 Media geben, welche privatim ihr Wesen treiben (private mediums). Die Zahl der Spiritualisten in diesem Lande wird auf etwa 1,440,000 angegeben, und die, welche denselben geneigt sind, auf 4,500,000. Mögen auch die „Geister," die es bekanntlich mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, die zehnfache Zahl angegeben haben, wie zu vermuthen ist, so ist doch die Thatsache, daß eine halbe Million unserer Landsleute bei den Spukgeistern Licht und Heil suchen, ein schreckliches Zeichen der Zeit. Da die Lügengeister so grob unsittlich sich gezeigt haben, daß halbweg ehrbare Leute ein Grauen vor ihrem Treiben haben, so haben sie neuerdings einen neuen Weg eingeschlagen, um wo möglich auch Christen in ihre Netze zu ziehen. In Battle Creek, Mich., hat diese neue Richtung ihren Anfang genommen. Dort sollen sie Offenbarungen geben, Tractate drucken, Aelteste zu Paaren ordiniren und aussenden, um das neue Evangelium zu predigen und das Kommen des Millenniums und die Zerstörung der Gottlosen—ihre Vernichtung an Leib und Seele—durch die Flammen des jüngsten Tages zu verkündigen und alle Menschen aufzufordern, sich eintauchen zu lassen und den Geist zu empfangen. Sie fordern keinen Lohn, stellen keine Sammlungen an, predigen in einfacher und volksthümlicher Weise, bedienen sich einer Menge biblischer Ausdrücke und affectiren in allen Stücken die Haltung von Leuten, denen ein göttlicher Auftrag anvertraut ist. Obgleich sie erst seit wenigen Monaten ihr Wesen treiben, so haben sie doch schon den Samen der Lüge an vielen Orten ausgestreut und manche Seele verführt, namentlich Baptisten und Methodisten, aber auch Congregationalisten und Presbyterianer. Alle Spiritualisten sind darin einig, daß sie behaupten, mit Geistern in Verkehr zu stehen. So behauptet ein Mensch bei Dunden, Ill., daß er mit den Geistern von Jesajah, Napoleon und Christus in Rapport stehe. Sie sollen wunderbare Kunststücke verrichten und in seltsame Verzückungen fallen, wenn sie mit ihren Geistern zu thun haben. Mag es nun wahr sein, daß diese Elenden mit Geistern d. h. mit Teufeln Verkehr haben oder mag auch das Vorgeben Betrug sein: jedenfalls ist die ganze Sache des Spiritualismus ein Werk des Satans. Als solches, als höllische Lüge ist der Spiritualismus unverkennbar gebrandmarkt durch sein Bekenntniß, daß die Quelle der heilsamen Wahrheit nicht die heilige Schrift sei. Wolle der treue HErr alle seine Knechte vor den kräftigen Irrthümern dieser letzten Zeit in Gnaden bewahren!—