# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S148 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 148 Zur Geschichte des americanischen Chiliasmus. Wortes glaube er nicht blos die Lehre von einem tausendjährigen Reich, sondern werde auch zu seiner Zeit öffentlich davon predigen. Da die Gemeinde in ihrem gegenwärtigen Erkenntnißstand noch ein Kind und die Hauptaufgabe der Amtswirksamkeit deswegen eine grundlegende sei, so habe er diese Sache öffentlich auf der Canzel zurückgelassen. — Hierauf antwortete der Sen. Min. unter dem 3. Jan. d. J. u. A.: „Sie sagen: Sie hätten ihre Canzel dazu und würden diese Lehre zu seiner Zeit öffentlich predigen. Es lautet ja dieses nicht mehr als eine Privatmeinung, sondern wie ein beabsichtigter Krieg gegen Ihre jetzige Synode ... Sie werden es daher billig finden, wenn wir Ihnen rathen, anstatt die gethane Kriegserklärung ins Werk zu setzen, lieber einen friedlichen Abschied aus Toledo zu nehmen.“ Dörfler, heißt es im Bericht, antwortete darauf unter dem 13. Jan. auf das Predigtamt in Toledo resignirend mit einem sichtbaren Aerger und Grimm gegen seine Kirchenbehörde. Inzwischen ging ein Schreiben von sieben Gliedern der Toledoer Gemeinde an den Senior ein, worin dieselben sich gegen Dörflers Entfernung aussprechen. In dem Schreiben, worin Dörfler erklärt, resigniren zu wollen, bemerkt er: erstens, daß seine Erklärung vom tausendjährigen Reiche keine Kriegserklärung habe sein sollen, er könne nur sein Gewissen nicht binden lassen, von einer Lehre der Schrift still zu schweigen, die keineswegs gegen das Bekenntniß strebe; zweitens, es sei falsch, wenn man geltend machen wolle, ein lutherischer Pfarrer dürfe nichts predigen, was nicht die Bekenntnißschriften der Kirche enthielten; drittens, ihm sei auch bei seinem Eintritt in die Buffalo-Synode keine Verpflichtung auferlegt worden, von dieser Lehre zu schweigen;“*) viertens er verwerfe mit der A. C. den schwärmerischen Chiliasmus, aber er nehme die biblische Lehre Apokal. 20. von einem herrlichen tausendjährigen Reich herzlich und gläubig an, und deswegen (ganz richtig!) könne er weder seine Ueberzeugung ändern noch davon schweigen. Darauf, heißt es im Bericht, wurde ihm, unter dem 17. Jan., ohne Eingehen auf seine Ausfälle und chiliastischen Vertheidigungen die begehrte Entlassung aus dem Amt in Toledo ertheilt, und am 22. Januar und die folgenden Tage von dem Senior Ministerii und den Pastoren v. Rohr und Maschhop eine Kirchenvisitation in Toledo gehalten. Auch bei dieser Gelegenheit nahmen die letzteren keine Veranlassung, Herrn Dörfler seinen Irrthum aus Gottes Wort nachzuweisen. „Da er, heißt es, auf das Amt in Toledo in Frieden verzichtet hatte, so war es ja nicht mehr unseres Berufs, erst über Falschheit des Chiliasmus mit ihm zu disputiren, sondern ihn als einen friedlich Entlassenen anzusehen, der uns des Streits mit ihm überhoben hatte.“ Man war damit zufrieden, daß „die Gemeinde *) Zwar ist hierin Dörfler im Irrthum, denn wer auf die Symbole verpflichtet wird, dem ist diese Verpflichtung allerdings auferlegt; aber freilich war es ein Fehler falscher Kirchenpolitik, daß man Dörflern, der wegen des Chiliasmus anrüchig war, nicht ausdrücklich aufforderte, von dem Chiliasmus sich loszusagen, wie unsere Väter unter solchen Umständen allezeit thaten. Mit falschem Glauben ist nicht zu spielen.