# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S147 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Zur Geschichte des americanischen Chiliasmus. 147 und eines besseren belehrt worden sei, davon sagt der weitläufige Bericht nichts; es scheint, Pastor Grabau nahm diese Eröffnung schweigend hin, um das zarte Band, welches zwischen Buffalo und Neuendettelsau eben erst geknüpft worden war, nicht sogleich wieder zu lockern. Es heißt nehmlich in dem Bericht: „Das erschien aber nur als eine Privatmeinung; denn er sagte nicht, daß er es predigen wolle, und in der Sitzung des K. Ministerii schwieg er, als dort erklärt wurde, daß solche Meinungen nicht gepredigt werden dürften. Wir hatten immer derlei Privatmeinungen vom öffentlichen Predigen und Bekennen unterschieden.“ Wie also Grabau auf die Auslassung Dörflers, daß er ein tausendjähriges Reich glaube, geschwiegen hatte, so schwieg nun auch Dörfler auf die Aeußerung des K. Ministerii, daß Chiliasmus nicht gepredigt werden dürfe. Wahrscheinlich hielt Dörfler letzteres für eine Inconsequenz, da, wer an den groben Chiliasmus glaubt, natürlich nicht lutherisch predigen kann, wenn er auch positiv den Chiliasmus verschweigen wollte. Denn die Lehren von Christi Reich, von der allgemeinen Auferstehung der Todten am jüngsten Tage, von Christi Zukunft, vom Antichrist ꝛc. glaubt ja der grobe Chiliast nicht. Später scheinen die Buffaloer auch ihre Inconsequenz eingesehen zu haben, denn sie citiren z. B. folgenden Passus aus Baumgartens Erläuterungen des christlichen Concordienbuchs S. 103.: „Die Vertheidiger solcher (chiliastischen) Meinungen können keine ächte Bekenner des 17. Art. der Augsb. Conf. sein. Sie können sich hierbei weder mit den Ausflüchten eines Unterschiedes ihres Chiliasmus von den Träumen der Juden und einer vor dem erwarteten Reich Christi vorhergehenden Auferstehung aller Heiligen, oder eines von ihnen nicht behaupteten weltlichen Reiches, mit gänzlichem Aufhören aller Gottlosen, vertheidigen; noch auch mit dem Vorgeben, dergleichen Meinungen nicht auszubreiten.“ Im Bericht heißt es weiter: „Vom Monat August bis in den December 1858 hörten wir von Dörfler nicht, daß er die chiliastische Lehre ausbreite; aber eben im December desselben Jahres kam das Gerücht davon durch den Pfarrvicarius zu Detroit an den Senior Ministerii nach Buffalo mit der Bitte, den Schullehrer Runkel in Toledo, der über Dörflers chiliastisches Treiben in Anfechtung sei, zu berathen, oder sonst geeignete Schritte darin zu thun.“ So wurde denn Dörfler darum befragt, wie es sich mit dem Gerücht, daß er den Chiliasmus ausbreite, verhalte? „Darauf gab Dörfler, wie es im Bericht heißt, 8. Dec. 58 folgende hochmüthige und unartige Antwort.“ Nehmlich erstens, er habe nie die Lehre von einem tausendjährigen Reich öffentlich gepredigt, nur gelegentlich an einem Mittwoch Abend vorigen Winters in der Schule, da er mit einigen Gliedern die A. C. durchgenommen, habe er am Schluß des 17. Art. einige Bemerkungen darüber gegeben; zweitens, er habe zufällig privatim mit einzelnen Gemeindegliedern darüber gesprochen; habe aber nie die Absicht gehabt, seine Meinung in Betreff dieser Lehre winkelrednerisch geltend zu machen; wozu habe er denn seine Canzel? Drittens, erkenne er Apoc. 20. für Gottes Wort an, und angesichts dieses