# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S143 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 143 Aus dem diesjährigen Vorwort des sächsischen Kirchen⸗ und Schul⸗Blatts. der Ruhm unsrer Kirche, Solus Christus, Christi gloria auf ihr Panier geschrieben zu haben und damit siegreich wider Rom's Verleugnung der alleinigen Ehre Jesu Christi im Felde zu liegen. Nun wahrlich, wenn sie dies von der römischen erst wieder lernen, von den Jesuiten wieder sich sagen lassen und diesen die Aufgabe abtreten muß, das Banner Christi hoch emporzuhalten, dann ist sie nicht mehr werth zu existiren. Doch wir hoffen, es werde mit Gottes Gnade und Hülfe besser werden. Das „evangelische Brevier“ von Dieffenbach und Müller soll zu einem Band der Gemeinschaft dienen unten den in gleichem Sinn und Streben Verbundenen zunächst in Hessen. Wir bekennen, daß es uns kein ganz unbedenkliches zu sein scheint. Gebetsordnung ist eine heilsame und nöthige Sache. Aber hier geschieht des Guten in der That zu viel und wird die freie Bewegung des Lebens in Christo allzusehr in feste, stets gleiche Formen gespannt. Der evangelische Pastor soll täglich 6 bestimmte Gebetstunden halten: Matutin, Laudes, Pro Pace, Meditatio, Vesper, Completorium. Die Matutin soll bestehen aus: Introitus, Kyrie, Gloria, Collecte, Lectio, Preces, Versikel, Credo, Sanctus, Pater noster, Benedictio, und ähnlich auch die andern Horen. So wird die nothwendig liturgisch bestimmte Weise des gemeindlichen Betens in die Privatandacht übertragen und ihre Freiheit falsch gebunden, ihre Einfalt zerstört, ihre Innerlichkeit veräußerlicht. Und wenn man von solcher Form des Betens meint: „So sollte der evangelische Pastor dem HErrn täglich sein Opfer bringen,“ so macht man leicht ein Gewissen über solchen Formen und Formeln und richtet Menschengebot und ⸗lehre auf. Vollends aber diese gemachte menschliche Ordnung für „die ewigen Gottesordnungen“ zu halten, sieht, wenn es auch nicht so gemeint ist, nach der romanisirenden Weise aus, welche heilsnothwendige Heilsordnung und heilsame kirchliche Ordnung nicht auseinanderhält. Man äußerte wohl, ein römischer Priester möge Zeit dazu haben, ein evangelischer Pfarrer schwerlich. Wenn man aber dazu meinte, jenes sei das Wünschenswerthere, so werden wir sagen dürfen, ein rechter Seelsorger soll gar nicht Zeit dazu haben. Es ist zu viel und ist zu wenig. Noch gar viel reicher soll ein Pfarrer die Opfer des Gebets darbringen und seiner Gemeinde Noth und Anliegen auf betendem Herzen tragen und nicht erst warten auf diese und jene Stunde. Und wie kann ein rechter Diener Jesu Christi, dessen Arbeit im Gebet so mannigfach sein muß, was ihn im Herzen bewegt, immer in die gleichen Worte fassen? „Ordnung muß sein,“ aber nicht um ihrer selbst willen und nicht aus Freude an ihrer Schönheit oder ihrem Alterthum. Neben der romantischen Neigung her geht die Betonung der gesetzlichen Ordnung der Kirche. Zwiefach nöthig ist die kirchliche Ordnung. Das christliche Leben, wie es durch das Wort und den heiligen Geist gewirkt wird, muß gefaßt werden, um nicht sich zu verlieren oder zu verirren; und das christlich werden sollende Leben des kirchlichen Volks muß in Zucht und Sitte einhergehen, um bewahrt zu werden für das Wort, welches die Herzen neu machen will. Aber allewege dient die Ordnung nur dem Wort; nur für