# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S142 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 142 Aus dem diesjährigen Vorwort des sächsischen Kirchen⸗ und Schul⸗Blatts. Zunächst ist es der Unionsgeist, der hoffnungsmuthig sein Haupt emporhebt. Nachdem der frühere General⸗Superintendent Möller erklärt hatte, es seien in der Provinz Sachsen nur 10 Gemeinden unirt und auf lutherischer Seite sei das Uebergewicht practischer Tüchtigkeit und erfolgreicher Wirksamkeit, antwortete Stier mit dem Unionsverein, der bereits gegen 400 Mitglieder zählt — wie wenigstens die „Neue Evangelische Kirchenzeitung“ versichert — und nun Fahrwasser hat. Es ist bekannt, wie entschieden man schon bisher von Seiten kirchlicher Rathgeber, wie General⸗Superintendent Hoffmann, darauf drang, daß mit der Union wieder mehr Ernst gemacht werde und wenn auch noch so Viele sich trennen würden. Schon hat sich Feldner in Elberfeld, trotz seiner gemäßigten lutherischen Gesinnung, aus der unirten Kirche hinaus und zum Anschluß an Breslau gedrängt gesehen. Es sieht aus, als probire man, wie weit man auf diesem Wege vorangehen dürfe. Denn findet der Austritt eines Feldner nur verhältnißmäßig geringe Nachfolge von Seiten der Gemeinde, so darf man's mit Andern noch getroster wagen. In andern Provinzen der Landeskirche scheinen nicht wenige Geistliche dem Zeitpunct entgegenzusehen, wo ihr Verbleiben in der Union ihnen zur sittlichen Unmöglichkeit werden möchte. Aber auch hier, zumal etwa in der Provinz Sachsen, werden aus der Gemeinde wohl nur Wenige sich anschließen. Stahl ist auf sein Ersuchen aus dem Oberkirchenrath, Hengstenberg ohne sein Ersuchen aus der Prüfungscommission entlassen, Nathusius aber wegen Angriffs auf die Union verurtheilt worden. Wenn es auf dieser Bahn consequent fortgeht, werden die Nitzsch und Hoffmann bald kaum mehr mitgehen können und Bethmann-Hollweg seine Mitwirkung versagen müssen. Man konnte verwundert sein, daß dieser und nicht ein mehr rationalistisch Gesinnter zum Cultusminister ernannt wurde. Aber wir haben darin wohl nur eine Uebergangswahl zu sehen. Für jetzt mußte ein Mann wenigstens dieser Richtung, ein Mann der Union, des Kirchentages und des Preußischen Wochenblatts genommen werden. Die ihn näher kennen, bezweifeln, ob er zu einem Minister geeignet sei, und schon darum, daß er lange im Amt bleiben werde. Daß schon jetzt nicht er den Geist des Ministeriums bestimmt, zeigt die Wahl von Olshausen. Bethmann wird gehen, Olshausen bleiben. Wie dann die Dinge sich weiter entwickeln werden, kann man muthmaßen, aber für jetzt nicht viel weiter davon reden. Das aber ist in jedem Falle gut und heilsam, daß die Situation sich klärt, die Spreu verfliegt, die Kraft sich concentrirt. Sollte die Lage der Dinge sich ernster gestalten, so werden die Orthodoxen fest und treu zum Throne stehen, wie sie es waren, die vor zehn Jahren aufrecht standen. So weit ist es gekommen, daß der Jesuitenpater Roh in Darmstadt Jesum Christum predigen mußte. Von seinen Predigten in der Fastenzeit 1858 bekennt das „Referat eines Laien“ in den Gelzerschen Monatsblättern (Juni 1858, S. 406), daß die Darmstädter mit solcher Klarheit und schlagenden Entwicklung noch selten von der Gottheit Christi haben reden hören, und auch viele Protestanten diesen Eindruck bezeugt haben. Sonst war es