# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S138 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 138 Nothstand der evangelischen Kirche im Großherzogthum Hessen. selbst ausgesprochen, für Aberglauben erklärt und in unbegreiflicher Unwissenheit gleichwohl behauptet: „Wir glauben an den Gott, den uns Christus erkennen lehrt." Nun erschien eine zweite Schrift Jägers: „Christus oder Belial! oder der sogenannte Teufelsstreit in Darmstadt," eine Beleuchtung der Broschüre des Deutschkatholiken Hieronymi: „Die Wiederbelebung des Teufels in Darmstadt," sowie der kirchlichen Zustände im Großherzogthum Hessen (Frankfurt a. M., H. L. Brönner). Der deutschkatholische Vertheidiger des evangelischen Predigers wird darin gebührend abgefertigt, desgleichen die erwähnte Unglaubensadresse, welche, von nahezu 1000 Bewohnern Darmstadts unterzeichnet, Ewald übergeben und von ihm als eine „außerordentliche Ehre vor der Welt" angenommen worden war, item eine Erklärung Ewalds an seine Adressanten, worin er ihnen dankt und, obgleich er einen Verweis von der Behörde erhalten, verspricht, fortzupredigen wie bisher. Zugleich aber wird nun in diesem Schriftchen mit dankenswerther Offenheit und Genauigkeit entwickelt, wie es gekommen ist, daß dergleichen bei uns vorgehen konnte. Der namenlose Jammer, die elendige Zerfahrenheit unsrer hessischen Kirche seit Jahrzehnten wird bloß gelegt; daß wir in kirchlicher Beziehung in der schmählichsten Abhängigkeit von den Staatsbehörden sind, obgleich formell größtentheils nicht unirt, doch fortwährend so behandelt werden, als wären wir unirt, daß unser Oberconsistorium „das Gepräge völliger confessioneller Princip- und Characterlosigkeit" trägt mit einem Präsidenten an der Spitze, der seiner Zeit eine Adresse an Uhlich, den Prediger der freien Gemeinden, mit unterzeichnet hat, daß wir keine eingeführte Agende haben, kein vom Rationalismus und der Geschmacklosigkeit gereinigtes Gesangbuch, und fortwährend, was das traurigste ist, in unseren lutherischen Schulen den alten unirten badenschen in der eignen Heimath abgeschafften Katechismus brauchen müssen. Kurzum, was seit Jahren alle treuen Diener der Kirche und das sich stets mehrende Häuflein der Gläubigen unsres Landes mit tiefem Schmerz erfüllte und ihnen schon manchen Nothschrei ausgepreßt hatte, wovon vielleicht auch schon bei Ihnen im Sachsenlande hin und wieder eine Stimme gehört wurde*), das wurde uns von einem ausländischen Candidaten aufs neue vorgehalten, und in allen urtheilsfähigen Kreisen hieß es: „Jetzt dürfen wir nicht länger schweigen und die Schmach unsrer Kirche ruhig mit ansehen. Es muß ein öffentliches Zeugniß von denen, die der HErr als Wächter gesetzt hat, laut werden." Die Jägersche Schrift fand die ungetheilteste Billigung und allseitige Zustimmung unter den Geistlichen des Landes. Nicht eine Stimme ist dagegen von einem Theologen erhoben worden. Nur von dem erwähnten deutschkatholischen Prediger erschien ein ganz unbedeutendes Machwerk, welches Alles ins Lächerliche zog und mit den ordinärsten Witzen die wichtigsten und heiligsten Wahrheiten bespöttelte. Die gläubigen Geistlichen besprachen nun hin und wieder diese Angelegenheit und man einigte sich dahin, eine *) Vgl. Kirchen- und Schul-Blatt 1857 Nr. 27. und 1858 Nr. 31.