# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 01_S6 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) marken, weil ſie einige unſchuldige Ceremonien beibehalten haben, welche ganze rechtgläubige evangeliſch-lutheriſche Nationalkirchen Jahrhun— derte lang gehabt und zum Theil bis dieſe Stunde behalten haben?“) Geſetzt auch, Herr Weyl wäre ein ſo beſchränkter Kopf, daß er jene überaus lieb⸗ lichen Symbole der Grundwahrheiten des Evan⸗ geliums von Chriſto, dem Gekreuzigten und dem Lichte der Welt, für Ceremonien anſähe, die die rechtgläubige lutheriſche Kirche nur den Schwachen zu Lieb' aus der römiſchen Kirche beibehalten hätte, die man aber nun endlich abthun ſollte, wie lieb⸗ los, wie ſündlich richtend und verdammend, wie boshaft iſt es aber dann doch, ſonſt rechtgläubige und eifrige Diener Chriſti deswegen, weil ſie jene Ceremonien beibehalten, „papiſtiſche Pfaffen“ zu ſchelten und als geheime Jeſuiten zu verdächtigen, die ihre Gemeinden in das Pabſtthum zurückfüh⸗ ren wollten! Schande über einen Mann, der den Namen eines evangeliſch-lutheriſchen Predigers, den er trägt, durch ſolche ſchwere Verſündigungen an ſeinen Nächſten, ja an ſeinen Amtsbrüdern, die ihm nie etwas zu leid gethan, ſo ſchändet! Gott erbarme ſich ſeiner armen Seele und gebe ihm Buße, ſo lange es noch für ihn heute heißt. Amen. Die Ketzer ſind durchgängig hitziger und fleißi⸗ ger in Fortpflanzung ihrer Irrthümer, als die Frommen im wahren Dienſte des Wortes. Und dieſes darum, weil den Frommen der Satan widerſtehet; die Sectirer aber und Ketzer verhin⸗ dert nicht allein der Satan nicht, ſondern fördert ſie auch, und reizet ſie an. (Luther über Joh. 17, 11.) (Eingeſandt von P. Brohm.) Wie ſoll ein Chriſt die bekannten Ereigniſſe in Europa, ſonderlich in Deutſchland, anſehen? Dieſe Frage ſcheint uns von nicht geringer Be⸗ deutung zu ſein, um ſo mehr, da ſie nach unſerer Ueberzeugung vom hieſigen Publicum ganz falſch beantwortet wird. Noch tönt in unſren Ohren der Jubel nach, mit dem die europäiſchen Revo⸗ lutionen hier begrüßt wurden. In Volksverſamm⸗ lungen, in Zeitungen, ſelbſt auf Kanzeln fanden ſie ihre Lobredner. Dieß ſei, ſo hieß es, der An⸗ bruch der goldnen Zeit, des Siegs über Aber⸗ glauben und Deſpotie, und eine nicht geringe Be— friedigung fand der republikaniſche Stolz in der Ausſicht einer bedeutenden Vermehrung der re⸗ publicaniſchen Familie. Alle Monarchen wurden natürlicher Weiſe, blos weil ſie Monarchen wa— ren, als Tyrannen gebrandmarkt, welche zu ver⸗ jagen nicht die geringſte Bürgertugend ſei, und die es wirklich gethan, wurden als Helden und Märtyrer der Freiheit geprieſen. Selbſt unter dem chriſtlichen Publicum hört man über die Re⸗ volutionen meiſt nur huldigende Aeußerungen über Fortſchritte der Freiheit und Vorboten großer Siege im Reiche Gottes, über dem, was Gott in *) So viel wir wiſſen, hat jene von Herrn Weyl als papiſtiſch ausgeſchrieenen Ceremonien auch die ganze unirt⸗ evangeliſche Kirche Preußens behalten. 6 Gnaden aus ihnen noch Gutes machen kann und wird, ganz vergeſſend, was ſie an ſich als Men⸗ ſchenwerke ſind. Was nun unſre Anſicht von der Sache betrifft, ſo wollen wir keineswegs den Chriſten zu einem müßigen, theilnahmloſen Zuſchauer machen, aber eben ſo weit ſind wir entfernt, leugnen zu wollen, daß Gott es alles ſo regieren werde, daß auch das Böſe zu ſeines göttlichen Namens Ehre und ſei⸗ ner Auserwählten Heil gereichen werde, aber was an den erwähnten Ereigniſſen Menſchenwerk iſt, deſſen können wir uns wahrlich nicht mitfreuen. Wir halten es mit Gottes Wort, welches alle Revolutionen hart verpönt. Daß alle Obrig⸗ keiten in der Welt Ordnungen Gottes ſind, daß jeder Chriſt ihnen Gehorſam und Unterthänigkeit ſchuldig iſt in allen Stücken, wo es ohne Sünde geſchehen kann, und ſelbſt dann, wenn die Unter⸗ thänigkeit mit Erdulden eines Unrechts verbunden iſt, das weiß ein Chriſtenkind ſchon aus der Haus⸗ tafel. Widerſtreben wider die Obrigkeit, und nichts anders iſt ja die vergötterte Revolution, iſt in der heiligen Schrift mit keinem Worte gebilligt oder erlaubt, vielmehr durchweg ausdrücklich ver⸗ boten. Die heilige Schrift beſtimmt nicht, welche Form die Obrigkeit haben müſſe, denn ſie hat es mit weit höhern Dingen zu thun, als weltliche Ordnungen zu machen, ſondern ſie läßt die bereits beſtehenden Obrigkeiten bleiben und beſtätigt ſie, ſie mögen monarchiſch oder republikaniſch ſein, die Form kann verſchieden ſein, das Weſen bleibt im⸗ mer dasſelbe. Die heilige Schrift ſchneidet alſo auch die Behauptung von jedenfallſiger Souverai⸗ nität des Volkes ganz ab. Dieſer Lehre gemäß iſt ein Chriſt, als ſolcher, weder ein Monarchiſt, noch ein Demokrat, unbeſchadet ſeiner etwaigen Privatmeinung, nach der er der einen oder der andern Regierungsform den Vorzug gibt, ſondern er hält alle geordnete Regimente für göttliche Ordnungen; da kann alſo eben ſo wenig von iſt; ſinnt nicht darauf, ſie umzuſtoßen und eine neue zu machen; läßt ſichs gefallen, ob ihn der Wirth oben oder unten an ſetze über Tiſche, d. i, ob ihn Gott zum Herrſchen oder Gehorchen berufen hat. Daraus folgt auch die politiſche Genüg⸗ ſamkeit, daß der Chriſt zufrieden iſt mit jeglichem Regimente, unter welchem er ein geruhiges und ſtilles Leben führen kann in aller Gottſeligkeit und Ehrbarkeit. Will ihn die Obrigkeit daran hin⸗ dern, ſo greift er dennoch nicht zum Schwerte, ſondern zum Gebete, leidet, erduldet oder wanden aus. Mit dieſen Grundſätzen im Kopf und Her⸗ zen iſt ein Chriſt mitten im republikaniſchen Lande kein fanatiſcher Republikaner und Fürſtenhaſſer, und im monarchiſchen Lande kein elender Fürſten⸗ knecht, und, ſo wie ers für ſträfliche Empörung wider Gottes Ordnung anſehen würde, wollte ä⸗ mand die hier geſetzlich beſtehende republikaniſch Verfaſſung umſtoßen, ſo ſieht ers nicht minder für ein ungöttliches Vornehmen an, beſtehende Mo⸗ narchien in Republiken gewaltſam umwandeln zu wollen. Das iſt unſers Dünkens der rechte Mit⸗ telweg, auf dem ein Chriſt, weder zur Rechten noch zur Linken ausſchreitend, einherzugehen hat, und. je freventlicher hieſigen Landes die Lehre von 4 göttlichen Rechte der Obrigkeit angetaſtet wid (man denke nur an den Spott, womit man das, richtig verſtanden, ſehr treffliche „von Gottes Gnaden“ hier durchzieht), deſto dringender thuts Noth, den hier lebenden Chriſten den 16ten Ar⸗ tikel der Augsburgiſchen Confeſſion und Apologit: vom Polizei⸗ und weltlichen Regiment, einzu⸗ ſchärfen. Doch wir behalten uns die Fortſetzung bis zum nächſten Male vor. Eine intereſſante Schilderung der Bewegung der Slaven findet ſich in der letzten Nummer des Amerikaniſchen Botſchafters. Dort heißt es alſo: 4 — Vor 600 Jahren war der ganze öſtliche Theil Deutſchlands von ſlaviſchen Volksſtämmen be⸗ einem abſoluten göttlichen Rechte der Fürſten, noch von einer Souverainität des Volks, von dem aus alle Gewalt erſt übertragen werden müſſe, die Rede ſein; überhaupt behauptet ein Chriſt über alle politiſche Dinge, ſo weit ſie ſein eigenes perſönliches Intereſſe betreffen, eine, daß wirs ſo nennen, heilige Gleichgültigkeit. Mögen die— jenigen, welche keinen höhern Schatz kennen, ſich die Köpfe erhitzen und die Kehlen heiſer ſchreien mit: es lebe die Republik! oder, es lebe der Kai⸗ ſer! mögen ſie in tollem Wahnwitz ihr Leben aufs Spiel ſetzen, um eine Freiheit zu erfechten, die im beſten Falle nur ein zeitliches Ding iſt; ein Chriſt, deſſen Bürgerrecht im Himmel iſt, ſieht das beſtgeordnete Weltreich nicht für ſein Himmel— reich, die ausgedehnteſte bürgerliche Freiheit nicht für die Freiheit der Kinder Gottes an; er iſt ein Pilgrim und Fremdling, der durch dieſe vergäng⸗ liche Welt hindurch wandelt nach einer Stadt, die Gott erbaut hat und kein Menſch, gebraucht der Welt und ihrer Güter, wie ein Reiſender der Her— berge, nicht da zu bleiben, ſondern Nachtlager und Zehrung zu nehmen und ſeinen Wanderſtab weiter fortzu ſetzen; daher fügt er ſich auch in die Hausordnung, die einmal in der Herberge üblich wohnt. In Meklenburg, Pommern, Branden⸗ burg, Sachſen, Schleſien, Böhmen, Mähren, Oeſterreich, Steiermark und Kärnthen war das ſlaviſche Element vorherrſchend. Dies iſt durch Einwanderung und Eroberung ſeitens der Deut⸗ ſchen anders geworden, und die meiſten jener Länder ſind jetzt rein deutſche Länder. In Böh⸗ men und Mähren nur haben die Slaven noch ihre Sprache und Art behalten. Zwei Drittheile der Einwohner ſprechen noch tſchechiſch, was auch die Sprache der Slovaken im nördlichen Ungarn iſt. Dieſe Völkerſtämme wollen jetzt Rache und Genugthuung haben für die Unterdrückung, die von Seiten der Deutſchen, wie ſie ſagen, (eigent⸗ lich aber nur von der öſterreichiſchen Regierung) ſo lange gegen ſie ausgeübt iſt. Sie gehen damit um, ein eignes tſchechiſches Reich zu gründen. Die weiter ſüdlich wohnenden Slaven, nämlich die Slovenzen, Kroaten und Serben denken ein großes ſüdſlaviſches Reich zu bilden, das vom adriatiſchen bis zum ſchwarzen Meere reichen und mit dem Tſchechen-Reiche in brüderlicher Verbin⸗ dung ſtehen ſoll. Sehr unwillkommen iſt ihnen hiebei, daß mitten zwiſchen die nördlichen und ſüdlichtn Slaven ſich die Magyaren (der herr⸗