# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S137 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Nothstand der evangelischen Kirche im Großherzogthum Hessen. 137 Bibel genommen! Der erst so voll gehende Bach desselben hat sich gleich in der zweiten Abtheilung im Sande verloren. Von einer falschen Geistreichigkeit ist da kaum mehr noch die Rede; an ihre Stelle ist öde Langeweile getreten. Der Herausgeber hat sich offenbar fast ganz von der Arbeit zurückgezogen und seine jungen „philologischen Gewissensräthe" frei schalten und walten lassen. . . . . . Solche literarische Phänomene fanden sich bisjetzt nur in Frankreich, man denke nur an Dumas, in Deutschland sind sie kaum vorgekommen. (Aus dem sächsischen Kirchen- und Schul-Blatt.) Nothstand der evangelischen Kirche im Großherzogthum Hessen. Es war am Sonntag Invocavit vorigen Jahres, daß Pfarrer Ewald in der Stadtkirche zu Darmstadt eine Predigt hielt, welche in ärgerlichster Weise die klaren Lehren der Schrift verhöhnte. Nicht nur, daß die Lehre von einem wirklichen Teufel ein „nachterzeugter Wahn" genannt wurde, auch die Person des Erlösers wurde herabgewürdigt, indem Er für einen gewöhnlichen Menschen erklärt und behauptet wurde, Er habe die „natürliche Schwäche unsres Fleisches und die Gewalt der Sinnlichkeit, mit der Alle, die vom Weibe geboren sind, kämpfen müssen, aus eigner Erfahrung gekannt." Candidat Jäger von Frankfurt, welcher sich damals in Darmstadt aufhielt und diese Predigt mit anhörte, fühlte sich in seinem Gewissen gedrungen, hiergegen ein öffentliches Zeugniß abzulegen, zumal der erwähnte Prediger auch sonst schon in sehr herausfordernder Weise, der Gunst des großen verblendeten Haufens gewiß, den Glauben der Kirche und die Lehre der deutlichsten Schriftstellen als die Meinung einiger Wenigen dargestellt hatte, und gab eine Broschüre heraus, was auch in vielen Zeitungen seiner Zeit erwähnt wurde, mit dem Titel: Teufel, Erbsünde, Gottmensch, oder der Rationalismus auf der Kanzel gegenüber Gottes Wort und der Väter Bekenntniß.*) Einige Tage darauf war Morgens an allen Straßenecken ein Placat angeheftet, welches Candidat Jäger und den Jesuitenpater Roh, der damals in Darmstadt Predigten hielt, zusammenstellte und in deren Namen zu einem großen Teufelaustreiben auf dem Exerzirplatz einlud. Die Schrift erregte nun immer mehr Aufsehen. Ein deutschkatholischer Prediger schrieb für seinen angegriffenen Freund Ewald eine Schutzschrift. Ewalds Freunde in der Gemeinde aber, an deren Spitze ein aus der Revolutionszeit bekannter Advocat Reh, verfaßten eine Ergebenheitsadresse an Ewald, welche als ein merkwürdiges Zeugniß des Unglaubens auch in der N. Pr. Zeitung abgedruckt worden ist. Es werden darin ungescheut die Lehren, wie sie Christus *) Ein offnes Wort aus Anlaß einer vom Herrn Pfarrer Ewald in Darmstadt am Sonntag Invocavit 1858 in der Stadtkirche gehaltenen Predigt über die Versuchungsgeschichte Christi. Darmstadt 1858, bei Friedrich Würtz.