# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S135 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort ꝛc. 135 wir uns nie würden finden können. Wenn man bei einer Conferenz von Pastoren, welche in Berlin bei Gelegenheit der Einweihung der separirt Lutherischen Kirche gehalten wurde, zu dem Resultate gelangt ist, welches ebenso auch auf einer Erfurter Conferenz im Jahr 54 und auf einer Conferenz in Rothenmoor in demselben Jahre gewonnen wurde, daß die Lutherische Kirche, welche in Preußen nur bei dem Häuflein der Separirten zu finden, die Kirche schlechthin sei, alle anderen sogenannten Kirchen, Afterkirchen (dieselben Kirchen, deren Taufe die Lutherische Kirche stets anerkannt hat!), so tönt es aus dem Innersten unseres Herzens dem entgegen: „o nein, o nein, o nein, mein Vaterland muß größer sein," und wir fühlen, daß unser Geist in seinem Streben nach der wahren Katholicität, in seinem Festhalten an einem feineren, geistlicheren Begriffe der Kirche, deren Gebiet uns eben so weit ist, als das Christi unseres Herrn, doch in diesem wichtigen Puncte ein gar anderer ist, daß wir uns in solchem engen Hause nicht heimisch finden könnten. — . . . . . In andern Puncten aber können wir Pastor Rink nicht beistimmen. Wenn er sagt: „Die an der großen Wahrheit festhalten, daß sie im heiligen Abendmahl den Leib und das Blut Christi empfangen und an ihrer Seele vom Herrn gespeist werden, wie dies auch die Calvinisten glauben, sollten die nicht auch miteinander zum Tische des Herrn gehen können?" so empfehlen wir ihm die betreffende Ausführung in unserem vorjährigen Vorworte zur Beherzigung. Pastor Rink hat von der Calvinischen Abendmahlslehre eine zu günstige Vorstellung, wie sie vor einigen Decennien wohl gangbar war, mit dem jetzigen Stande der geschichtlichen Forschung aber sich nicht verträgt, und setzt zudem fälschlich voraus, daß diese Abendmahlslehre in der Reformirten Kirche die allein geltende sei, während sie in der That in derselben gar wenig Wurzel geschlagen hat. Wenn Pastor Rink ferner meint: „Wir leben in der Zeit des Abfalls, da das Geheimniß der Bosheit immer unverhüllter offenbar wird, da die ungöttliche Welt immer mehr reif wird zum Gerichte. — — Sollte da für das Volk Gottes die Zeit sein, über kirchenrechtliche Fragen sich zu entzweien, äußere Fragen des Kirchenrechtes zu Haupt- und Lebensfragen zu machen," so stimmen wir zwar mit ihm überein in der Deutung der Zeichen der Zeit, meinen aber, daß gerade unter solchen Umständen besonders gilt die Mahnung: halte was du hast, recht zu Herzen zu nehmen; meinen ferner, daß die „kräftigen Irrthümer" nicht die groben, sondern die feinen sind, nicht die offen sich zu Tage legenden, sondern die sich verhüllenden und eine unschuldige Miene annehmenden, daß hier nicht bloß „äußere Fragen des Kirchenrechtes" in Betracht kommen, daß es sich vielmehr in Wahrheit um die Erhaltung des hochheiligen Sacramentes für die Kirche handele; meinen endlich, daß es ungerecht sei, die Schuld der „Entzweiung" denen zuzuschieben, welche die Besitzthümer der Kirche vertheidigen, während sie in Wahrheit denjenigen gehört, welche sie antasten. O wie gern wären die Unsrigen allen solchen leidigen Haders ledig, wie seufzen wir zu Gott gegen die, welche uns durch ihre unzeitigen und muthwilligen Angriffe und Eingriffe dazu nöthigen, während die von Gott der Kirche der Gegenwart gestellten Aufgaben ganz andere sind. — . . . . .