# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S134 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 134 Auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort ꝛc. Das Verbleiben der Gläubigen und kirchlich Gesinnten in der größeren kirchlichen Gemeinschaft kann nur so lange geboten und erlaubt sein, als es seinen Zweck erfüllt, als es ihnen möglich bleibt, ihre Bestimmung erfüllend, ein Salz der Erde zu sein. Sie können nur so lange in der Gemeinschaft der Kirche verharren, als im Ganzen und Großen das sie beseelende Princip in derselben das herrschende ist und eine erziehende oder wenigstens hemmende und eindämmende Macht über die ihm Entfremdeten ausübt. Wenn es dem Fürsten dieser Welt gelingen sollte, seinen jetzt schon deutlich erkennbaren Plan auszuführen, wenn die Kirche unter die Herrschaft der ihrem Geiste entfremdeten Majoritäten gebracht und diese Herrschaft wohl gar durch die Einführung einer demokratischen Kirchenverfassung förmlich sanctionirt würde; wenn die Massen in Bewegung gesetzt werden, sobald es die Beseitigung schlechter und die Einführung guter kirchlicher Ordnungen oder Bücher gilt, wie wir das in einem traurigen Beispiel so eben in Baden sehen, wo, schrecklich zu sagen, „das ganze Volk aus allen Enden" sich gegen die vom Kirchenregimente ausgegangene Aufforderung erhebt: „kommt, lasset uns knieen und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat;" wenn man die Union in dem Sinne weiter führt, daß man die Geltung des kirchlichen Bekenntnisses förmlich antastet; wenn der Cäsaropapismus, dieses gefährliche Uebel, zur Herrschaft gelangen, wenn man daran denken sollte, an die Stelle von „Gottes Wort und Luther Lehr" durch Decrete eine Preußische, Sachsen⸗Gothaische u. s. w. Religion zu setzen, wenn solches Unwesen nicht bloß vorübergehend einbräche, wie mancher Orten im Jahr 1848, sondern zu bleibendem Bestehen gelangte: dann wissen wir, was wir zu thun haben und wie wir daran sind. Jetzt aber ist der Zeitpunct noch lange nicht gekommen, jetzt ist die Wirksamkeit für das Reich Gottes in der bestehenden Kirche noch entschieden die segensreichste, jetzt gilt es noch nicht, um dem Andrang von außen widerstehen zu können, die kirchlich Gesinnten in eine geschlossene Schaar zu vereinigen. Jetzt muß jeder seinen Posten aufs Aeußerste vertheidigen, und wenn man ihn vor die Thür setzen will, sich festhalten an jedem Anhaltepuncte. So wenig, wie es erlaubt ist, Concessionen zu machen, ebenso wenig ist es jetzt an der Zeit, freiwillig zu gehen. Es würde das jetzt doch desertiren heißen, die Fahne zu verlassen, unter die uns unser Herr und Heiland gestellt hat, die Mittel muthwillig zerstören, durch die wir ihm Frucht schaffen können. Bei jeder Bresche, welche in den christlichen Staat gemacht wird, müssen wir uns in die Bresche hineinstellen, je lieber man uns aus der Kirche hinausdrängen möchte, desto thörichter wäre es, wenn wir den Gegnern, die sich gar wohl auf ihren Vortheil verstehen, zur Erfüllung ihres Wunsches behülflich sein wollten. Mit dem Gedanken, dereinst gehen zu müssen, müssen wir uns vertraut machen, aber wir dürfen unsere Kräfte nicht zersplittern, wir müssen zusammen entweder bleiben oder gehen. Das zusammen gehen aber kann nur dann erfolgen, wenn der Ruf Gottes viel deutlicher erfolgt, als dies jetzt der Fall ist. Uebrigens hat der Uebertritt zu den separirten Lutheranern auch noch das gegen sich, daß der Kirchenbegriff dieser ein solcher ist, in den