# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S133 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort ꝛc. 133 Das ist das große Privilegium der Kirche Gottes und jedes wahrhaftigen Mitgliedes derselben, Theil zu haben an diesem Strome und freien Zugang zu ihm. Das ist der Fluch der Welt, daß sie von diesem Zugange ausgeschlossen ist. Darum müssen sie hingehen und machen ihnen hie und da ausgehauene Brunnen, die doch löchericht sind und kein Wasser geben. Das muß unsere höchste, ja unsere einzige Sorge sein, daß wir nicht von dem Strome abgeschnitten werden! Sonst mag es gehen, wie es geht. Alles Andere ist Kleinigkeit. Das gründlich zu erkennen, ist u. A. gesunde Vernunft. „Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Noth," das möge den Grundton unserer Seele bilden. — . . . . . Man hat gegen die kirchliche Ueberzeugung die Anklage der Heuchelei erhoben. Ob diese Anklage gegründet ist, das wird sich danach bemessen, ob wir „die Zuversicht und den Ruhm der Hoffnung" auch unter den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen „festbehalten". „Es ist — sagt Luther — keine größere Furcht und Verzagtheit, als bei den Heuchlern, wenn sie in Versuchung gerathen; gleichwie im Gegentheil keine größere Sicherheit und Muth, als wenn ihnen Alles nach Wunsch geht." Sollte von uns jetzt gelten, was von Ahas gesagt wird: „Da bebte ihm das Herz, wie die Bäume im Walde beben vor dem Winde," so müßten wir verstummen im Angesichte der schweren Anklage und dürften den Mund nicht aufthun. Doch da sei Gott vor! Mit seiner Hülfe werden wir die Anklage beschämen. — . . . . . Die „Sünde" besteht in dem „Unglauben", der uns verleitet, wenn wir den Wind und die Wellen sehen, mit der Welt ein Abkommen zu treffen, mit ihr zu accordiren, bis wir nach und nach unvermerkt ganz in ihr Wesen zurücksinken. Der Apostel fordert nicht umsonst auf: sehet zu, ermahnet euch. Denn dieß Uebel ist ein gar gefährliches, ein solches, welches den Gedanken sehr nahe legt: wer steht, sehe zu, daß er nicht falle; es kann uns gar leicht beschleichen, es naht sich zuerst mit der unschuldigsten Miene und sucht uns zu einigen kleinen Nachgiebigkeiten zu verleiten, dann geht es unvermerkt von Stufe zu Stufe weiter, bis in den Abgrund hinein. Es heißt hier: widerstehe den Anfängen. — . . . . . Eine schwere Krankheit auf dem geistlichen Gebiete ist das freiwillige Hinken, das uns schon im Alten Testament in 2 Kön. 18. entgegentritt. Da spricht Elias zu dem Volke: wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? (eig. in Bezug auf zwei Meinungen). Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach, und ist Baal Gott, so wandelt ihm nach. Diese Krankheit ist namentlich gar weit verbreitet in unserer Zeit, deren vorwiegende Signatur Halbheit und Schwachheit ist. Ueberall zeigt sich die Neigung dem von dem Worte Gottes unerbittlich gestellten: entweder, oder zu entgehen und das Unvereinbare miteinander zu verbinden. Davor warnt der Apostel. Das Lahme, welches damals sich in dem Schwanken zwischen Judenthum und Heidenthum zeigte, jetzt in dem Schwanken zwischen der Religion der Loge und der Religion der Kirche, zwischen dem namenlosen Gott und Dem, der einen Namen hat, der über alle Namen ist, soll sich vorsehen, daß es nicht weiter abwegs komme, was gar nahe liegt, sondern vielmehr geheilt werde. —