# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S131 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort ꝛc. 131 Es dauerte nicht lange, so erhob es sich entschieden gegen die „kleine Heerde", die sich unter dem guten Hirten gesammelt hatte. Diese Entschiedenheit wuchs besonders seit dem Jahre 1840, wo das Bekenntniß: ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen, vom Throne aus noch bestimmter abgelegt wurde, von Jahr zu Jahr, so daß sich jenes traurige Schauspiel wiederholte, welches die Schrift in den Worten beschreibt: „die Leute kamen und umgaben das Haus — der Kirche — jung und alt, das ganze Volk aus allen Enden." Das Jahr 48 brachte einen Abschluß. Auf das: „sie alle sind wie ein Ofen brennend vom Bäcker" folgte eine Abkühlung. Wer nicht tiefer blickte, der konnte namentlich durch den momentanen Erfolg der außerordentlichen Kirchenvisitationen wohl über die wahre Sachlage getäuscht werden. Im Hintergrunde aber blieb stets das alte Wesen und jetzt gehen die Wogen des ungläubigen Zeitgeistes plötzlich wieder hoch. Von allen Seiten vernimmt man den Ruf, Preußen müsse in religiöser Beziehung da wieder anknüpfen, wo es vor einem halben Jahrhundert abgebrochen habe; dann werde es die seiner würdige Stellung an der Spitze Deutschlands wieder gewinnen. Die bedenkliche „Episode", in der Preußen angefangen hat, einen Theil der großen Schuld abzutragen, die es gegen Deutschland contrahirt, soll spurlos verschwinden. Die „Aufklärung", nach christlicher Anschauung der Fürst dieser Welt, soll wieder zu Ehren kommen. „Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche," das ist der Grundton in der jetzigen Bewegung, das tönt uns aus ihren Organen überall entgegen, das stellt sich hier in schamloser Nacktheit dar, dort in heuchlerischer Verhüllung. Man freut sich, daß sich in der Ehesache eine Gelegenheit vorfindet, Ihm officiell den Gehorsam aufzukündigen und das ist der Hauptreiz, den diese Angelegenheit für die große Menge hat. Man freut sich, daß man in der absorptiven Union einen officiellen Deckmantel gewonnen hat für den Geist des Indifferentismus und sucht unter dem Vorwande derselben Alles zu beseitigen, was auf einem anderen Boden gewachsen ist, als dem des natürlichen Menschen, welchen von Gott völlig los zu machen überall der letzte Zweck ist, den nur die Einen mit mehr, die Anderen mit weniger Bewußtsein verfolgen. Im Angesichte einer solchen Wendung werden alle unsere gleichgesinnten Leser mit uns das Bedürfniß haben, daß wir uns in den Betrachtungen, welche den neuen Jahrgang eröffnen, vor Allem in das Wort Gottes vertiefen. Dies bildet die alleinige Quelle unseres Trostes, wenn das Sichtbare unbedingt uns entgegen ist; aus ihm allein können wir lernen, inmitten des Sturmes fest und klar zu sein. Das Wort allein vermag unsere Füße auf den hohen Felsen zu stellen, von dem aus wir auf das Getreibe der winzig klein sich darstellenden Menschen herabsehen können. — . . . . . „Und er erbaute einen Thurm darin": Das ist zugleich ein Wort, das den Trägern des Amtes in unserer Zeit schwer auf Herz und Gewissen fallen muß. Wenn sie ihre Pflicht als Thurmwächter nicht erfüllen, wenn sie diesem bösen und ehebrecherischen Geschlechte nicht die Wahrheit sagen in rücksichtsloser opferfreudiger Freimüthigkeit, wenn das Wort von ihnen gilt: „Alle