# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S130 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 130 Auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort ꝛc. Seit Salomo sein Herz anderen Göttern zugeneigt und damit den Giftkeim in sein Volk gelegt hatte, bietet das Verderben unter demselben den Anblick einer stetigen Entwickelung dar. Es hat seine Hebungen und Senkungen; es treten lichte Zwischenräume ein; die Folge der Reformationen, welche unter den frommen Königen vorgenommen werden, sind Erweckungen; hier und da wird auch das Volk als Ganzes von einem besseren Geiste, von einer Begeisterung für seinen Gott ergriffen, z. B. unter Josaphat, als der Herr es wunderbar aus der Hand der Völker der Wüste errettet hatte, unter Hiskias, als die Macht des Welteroberers Assur sich an Jerusalems Mauern gebrochen hatte. Aber der Grund des Volksbewußtseins blieb immer ungewandelt; seine Gerechtigkeit war wie die Morgenwolke und wie der Thau, der früh verschwindet; der Herr mußte sprechen: „bleibt doch der Schnee länger auf den Steinen im Felde, wenn's vom Libanon herab schneit, und das Regenwasser verschießt nicht sobald, als mein Volk mein vergisset;" sie bekehrten sich, aber nicht recht, sondern waren wie ein falscher Bogen. So trieben sie's bis endlich das Maß der Sünde voll war und die schonungslose Strafe einbrach. Nachdem der Herr so lange hatte sagen müssen: „Ein Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, eine Turteltaube, Kranich und Schwalbe merken ihre Zeit, wenn sie wiederkommen sollen, aber mein Volk will das Recht des Herrn nicht wissen," kam die Zeit, da die treuen Knechte des Herrn klagen mußten: „Ach daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Thränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen möchte die Erschlagenen in meinem Volke." Wie mit Israel, so verhält es sich mit unserm Vaterlande. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts schlug der Geist des Abfalls in ihm, und besonders in seiner Hauptstadt einen Hauptsitz auf. Von Berlin aus wurde ganz Deutschland sündigen gemacht. Wie Friedrich II. zu Christenthum und Kirche stand, ist bekannt. In Berlin verkehrte Voltaire, von da aus verbreitete die Allgemeine Deutsche Bibliothek und die Berliner Monatsschrift ihr Gift. „Die Berliner," das wurde geradezu der Name aller christusfeindlichen Aufklärer, mochten sie Juden oder Namenchristen sein, was nur noch als ein unwesentlicher Unterschied galt. Daß Gottes Gnade noch nicht zu Ende war, das erhellte daraus, daß die Strafe so bald eintrat. Preußen mußte schwer dafür büßen, daß es dem unter dem schimmernden Namen der Aufklärung auftretenden Geiste der Finsterniß bei sich eine Stätte bereitet hatte. Innerlich hohl geworden, wurde es auch äußerlich zu nichte gemacht. Das Wort ging an ihm in Erfüllung: „sie wandelten der Eitelkeit nach und wurden eitel," dienten der Nichtigkeit und wurden darum zu nichte. Es mußte gezwungen denselben dienen, in deren geistige Knechtschaft es sich freiwillig begeben hatte. Mitten in diesem Elende besuchte der Aufgang aus der Höhe seinen König. Er horchte auf seine Stimme und der Buße folgte Heil. Unter dem Volke gab sich eine mächtige Regung zu erkennen, aber obgleich Viele gründlich erweckt wurden, obgleich von da an die Kirche in ein neues Stadium eintrat, der Grund des Volksbewußtseins blieb unverändert.