# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1859_S129 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang V. Mai 1859. No. 5. Auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort zur Evangel. Kirchenzeitung von Dr. Hengstenberg in Berlin. Nachdem gegen Ende vorigen Jahres durch den erfolgten Regierungswechsel eine große Veränderung in den Verhältnissen der preußischen unirten Landeskirche vor sich gegangen ist, die namentlich die Wirksamkeit derjenigen schwer bedroht, welche, wenigstens die Ungöttlichkeit einer absorptiven Union einsehend, bemüht sind, die Lehre der lutherischen Kirche innerhalb der Landeskirche zu wahren: so muß es einem jeden, der von Herzen sich der Verheißung tröstet: „Es ist alles euer!" von hohem Interesse sein, zu erfahren, welche Stellung die bezeichneten Männer jetzt einnehmen und wie sie in der Nähe des Thrones, von dem herab es jetzt auf sie blitzt, sich öffentlich äußern. Der Bedeutendste und von allen dogmatischen Indifferentisten Gehaßteste, an dessen Niedertretung sich daher jetzt Viele weiden und über den jetzt Viele hoch herfahren, die nicht werth sind, ihm ein Glas Wasser reichen zu dürfen, und die, wenn sie in gleicher Lage sich befänden, sich ganz anders benehmen würden — ist ohne Zweifel Hengstenberg; ein Mann, durch dessen gewaltiges Zeugniß Gott seit mehr als 30 Jahren unbestreitbar mehr, als durch irgend einen Anderen, zum Sturz des Rationalismus und zur Auferweckung der alten Theologie gethan hat, in Deutschland und über dessen Grenzen weit hinaus. Wohl ist der theure Mann nach unserer innigsten Ueberzeugung noch in einem schweren Irrthum in Absicht auf die rechte Stellung gefangen, die ein Rechtgläubiger in seinen Verhältnissen einzunehmen hätte; auch ist er selbst nicht frei von mancherlei mit dem lutherischen Bekenntnisse unvereinbarlichen Anschauungen: nichts desto weniger bleibt er uns ein theures Werkzeug Gottes, für das wir Ihm, dem HErrn der Kirche, zu danken und für dessen Vollbereitung, Kräftigung und Gründung zu bitten und zu flehen hohe Ursache haben. Was an ihm geschmäht wird, ist nicht sowohl das Irrthümliche, darin er noch gefangen ist, als das, was auch uns theuer und heilig ist. So lassen wir denn auszügliche Mittheilungen aus dem diesjährigen Vorwort zur Evangelischen Kirchenzeitung hier folgen. Voran stellt das Vorwort Jer. 17, 5–8. und Ps. 146, 3–9. Und nun heißt es*): *) Es bedarf wohl für unsere geehrten Leser nicht der Bemerkung, daß wir trotz der Freude über die aufgenommenen Zeugnisse Hengstenbergs doch keineswegs dieselben alle als Ausdruck unserer Ueberzeugung mittheilen. L. u. W.