# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S127 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. 127 Pastor Joel Swartz wurde am 2. März durch das Ministerium der englischen Ohio⸗Districtssynode wegen hartnäckigen Irrthums und ungehöriger Praxis aus deren Mitte ausgeschlossen und seines Amtes als Pastor zu Circleville entsetzt. So meldet der Luth. Standard. Die Confession of Faith der streng calvinistisch gesinnten Presbyterianer ist in deutscher Sprache erschienen; auch die Presbyterianer alter Schule gedenken also ihre Netze nach den einwandernden Deutschen auszuwerfen. Der „Luth. Obs." drückt darüber sein Befremden aus, nicht aber, weil er nicht wünschte, daß die Deutschen zu Calvinisten gemacht werden möchten, sondern weil er es für unpraktikabel hält. Denn also schließt er den Ausdruck seines Befremdens in der Nummer vom 11. März: „Wir hegen keine Geringschätzung gegen unsere Brüder dieses Glaubens, und möchten auch die Anstrengungen, welche sie machen, um die deutschen Einwanderer in ihre Gemeinden zu sammeln, nicht tadeln, sondern anerkennen; aber der Gedanke, daß diese Deutschen das Glaubensbekenntniß von Westminster von Herzen unterschreiben sollten, scheint unmöglich. Wenn es ihnen möglich ist, um so besser, und wir wünschen ihnen gewiß Gottes Segen für ihre Arbeiten unter dieser Classe unserer Mitbürger." II. Ausland. Die deutsche religiöse Zeitungslitteratur hat nach der Angabe eines Correspondenten des „Independent" eine erstaunlich beschränkte Circulation. Der Correspondent meldet, daß nach einem Katalog der deutschen Zeitschriften, veröffentlicht von G. W. Wittig in Leipzig im vor. Jahr, die Hengstenbergische und die Protestant. Kirchenz. je 1500 Subscribenten hat, die Darmstädter 1000 und die Zeitschrift für christliche Wissenschaft und christliches Leben 600, die kleine monatlich erscheinende Berliner Dorfkirchenzeitung hingegen 3500, während die große Majorität nur 500 bis 600 Unterschreiber zählt. Charakteristisch für die deutschen Zustände ist, daß das Calver und Barmener Missionsblatt die größte Verbreitung haben, nehmlich 10,000 und 15,000. England. Auch hier trägt man dem Geiste der Zeit Rechnung. Die Bill, welche die Heirath mit der Schwester der verstorbenen Frau erlaubt, wurde mit 58 Stimmen Majorität im Unterhause angenommen. Freimaurer. Nachdem der berühmte Dichter Heinrich Voß elf Jahre Freimaurer gewesen war, schrieb er: „In elf Jahren müßte ich doch wohl einige nähere Kenntniß von dem Innern, wo das Geheimniß sein soll, und von den unbekannten Wächtern erfahren haben, aber noch jetzt weiß ich nur so viel, daß jene Akte, die ich bekannt machen möchte, um den Laien ein Vorurtheil für die Aechtheit unserer Sekte zu geben, nichts weiter als Possenspiel war, worüber selbst die achtbaren Vorsteher in Berlin gelacht haben. Frage doch mit dem ernsten Gedanken an Gottes Gericht: wer die Obern sind, die, selbst Dir noch unbekannt, an der Spitze des Ordens stehen, und was für Zwecke die Menschen, die sich solche Mittel erlauben, mit uns haben können? Wem verspricht man blinden Gehorsam? Der Schalk, den die Entdeckung nicht zurückschrecken wird, kommt endlich in die Societas Jesu." Wahr ist, setzt ein Correspondent einer hiesigen politischen Zeitung hinzu, nur so viel, daß einzelne Maurer, sogar Meister vom Stuhle, geheime Jesuiten sind, und, wie der von Mainz, sich sogar öffentlich als Bundesgenossen der Jesuiten aussprechen. Entweder, fährt er fort, besteht wirklich ein Geheimniß, oder es besteht nicht. Im letztern Fall ist der Orden entweder ein Werk der Lüge oder der Spielerei. — Und dazu wollen „christliche, lutherische Prediger" gehören!! Pfui Schande! Luthers Bibelübersetzung. Die Basler Bibelgesellschaft hat sich seit Jahren mit dem Gedanken getragen, den luth. Bibeltext zu verbessern, ist jedoch nun zu dem Entschlusse gekommen, davon abzusehen. Eine Stimme aus dem Kanton Schaffhausen theilte mit: „Man ging bei uns auf eine Verbesserung der luth. Uebersetzung ein, vertheilte die Arbeit, kam aber nach und nach zu der Ueberzeugung, daß es mehr auf eine Verschlimmerung statt einer Verbesserung hinauslaufen könnte. Jedenfalls dürfte dadurch eine Verwirrung veranlaßt werden, die schlimmer wäre als alle Uebelstände der jetzigen Uebersetzung." — So berichtet der amerikanische Botschafter und macht dabei die gute Bemerkung: „Möge man doch bei der Beseufzung der angeblichen oder wirklichen Fehler der luth. Uebers. nicht vergessen, einmal, daß sie gegenüber der Fülle dessen, was richtig und treffend übersetzt ist, doch fast ganz verschwinden; ferner, daß Luther, auch wo er nicht ganz richtig übersetzt hat, doch nirgends so übersetzt hat, daß der Leser dadurch in Bezug auf den Weg zur Seligkeit irre geleitet werden kann; und dann, daß der gedruckten Volksbibel noch das Lehramt in der Kirche zur Seite steht, welches vermöge seiner sprachlichen Bildung auch auf die Grundsprachen zurückgehen und somit die Mängel der Uebersetzung ergänzen kann." Letzteres ist freilich ein nicht sehr starker Trost für Amerika, und zum großen Theil auch für Europa. Die Hermannsburger Mission hat im letzten Jahre 31,133 Thaler Einnahme gegen 30,923 Thaler Ausgabe gehabt. Die Einnahme war um die Hälfte größer als im vorigen Jahre.