# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S126 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 126 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. tens, der sich selber eingefunden hatte zu seinem eigenen Schaden. Die Wunderlichkeit dieses sich selbst vernichtenden Beschlusses des Kirchentages ist schon von vielen Seiten beleuchtet, und es ist die Frage, ob Stahl und Hengstenberg mit ihrer Partei dadurch dem Kirchentage näher gebracht werden. Der Beschluß ist von so weitgreifender Bedeutung, daß er in seinen Folgen geeignet sein könnte, den Kirchentag auf einen ganz andern Fleck zu stellen und ihn mit der evangelischen Alliance zusammenzuwerfen, deren Grundsätze unverkennbar den Beschluß eingegeben haben. Mit der Alliance sich zu verbrüdern, dazu hat eine bedeutende Partei des Kirchentages schon früher Schritte gethan. Wird die conservative Partei noch ferner den bloßen Zuschauer abgeben, so erleben wir es, daß der Kirchentag sich unvermerkt in eine evangelische Alliance verwandelt, was ihm vielleicht zu neuem Leben helfen könnte. Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. Amerika. General⸗Synode. Im Luth. Obs. vom 25. Febr. finden wir eine Beschreibung des Eindrucks, welchen der Editor des Religious Telescope von Dayton, O., bei dem Besuch des luth. (?) Professors Dr. Sprecher am Wittenberg⸗College in Springfield, O., empfing. Darin heißt es u. A.: „Die Studenten, welche aus seinen Classen hervorgehen, werden ihren Kopf nicht mit Tauf⸗Wiedergeburt⸗Unsinn und dergleichen halbpäbstlichen Blödsinnigkeiten vollgepfropft haben: Er ist ein Bibel⸗Lutheraner." Deutscher Methodismus. Herr Nast in Cincinnati gibt folgende Statistik der deutschen Methodisten: New York⸗Conferenz 2046, Rock⸗River 2857, Upper Iowa 1452, Cincinnati 2780, Nord⸗Ohio 2133, Südost⸗Indiana 3208, Illinois 2336, Süd⸗Illinois 2019, Californien 60, Deutschland 1089, Summa 19,980. In allen Conferenz⸗Districten zusammen befinden sich 281 Kirchen und 111 Pfarreien. Die öffentlichen Schulen hiesigen Landes kommen immer mehr namentlich mit den hiesigen Römischen in Conflict. So meldet der Boston⸗Courier vom 15. März, daß in dortiger Stadt gegen hundert Kinder römischer Eltern aus den öffentlichen Schulen ausgewiesen worden sind, weil sie die eingeführte Bibelübersetzung und Form des Vater unser und der zehen Gebote nicht mitgebrauchen wollten, selbst, von Seiten Eines Knaben von 13 Jahren, nach Anwendung körperlicher Züchtigung. Hier hilft nicht, die Römischen schelten. Es wird so nur immer klarer, daß die öffentlichen Schulen des Staates die Gemeindeschulen nicht ersetzen können, und daß die ersteren, wenn sie ein Institut für alle sein sollen, alles Religiöse auszuschließen, dieses nehmlich der Sorge der Eltern und Pflegbefohlenen zu überlassen haben. Eine Vertheilung der Renten des öffentlichen Schulvermögens an die s. g. Confessionsschulen je nach der Schülerzahl, welche dieselben haben (was die Römischen ohne Zweifel mit ihren Turbationen der öffentlichen Schulen bezwecken), dürfte, so lockend sie auch manchen lutherischen Schulen erscheinen mag, die allergefährlichste Auskunft sein. Union. Seit dem 1. Januar hat ein neues Blatt die kirchliche Tageslitteratur, wenn auch nicht bereichert doch vermehrt: „Die Union. Organ der deutschen (vereinigt evangelisch) protestantischen Synode von Amerika. Redigirt von E. Siebenpfeifer." Weder die Tendenz, noch der erste Artikel ist im Stande, uns irgend einen Respect vor dem Blatte einzuflößen. Chiliasmus. Wie der consequente Chiliasmus mit seiner Auslegung der Weissagung den ganzen christlichen Glaubensgrund umstößt, dies wird u. A. durch die in Buffalo erscheinende chiliastische Zeitschrift „Zeichen der Zeit" unwidersprechlich belegt. Um das Erfüllte als noch zukünftig darstellen zu können, wagt es dieses Blatt, selbst Christo zuzuschreiben, daß Er sich in dem rechten Verständniß des prophetischen Wortes geirrt habe. So heißt es z. B. in der März⸗Nummer genannten Blattes von diesem Jahre: „Es ist zu jeder Zeit des Glaubens Art, das Zukünftige, Weitentfernte in der Nähe zu sehen und zu glauben, Ebr. 11, 1.; und insofern mußten es auch Jesus und seine Apostel es also glauben, weil sie Gläubige waren, Ebr. 12, 2. Ohne Zweifel glaubte Jesus von Anfang, der Zukunft seines herrlichen Reiches näher zu sein, als er wirklich war .. Vor seiner Obrigkeit als Gebundener sagte er: Ihr werdet von nun an des Menschen Sohn sehen sitzen zur rechten Hand der Kraft, und kommen in den Wolken des Himmels. Er glaubte also, daß seine Feinde, die damals lebten, ihn werden sichtbar kommen sehen, bis er die weiteren Offenbarungen vom Vater, — das Buch mit den sieben Siegeln empfing, und sah, was noch dazwischen ablaufen müsse. Offenb. 1, 1. Cap. 5 — 19." Man sieht hieraus, wie sich überhaupt Extreme berühren, so auch Chiliasmus und vulgärer Rationalismus.