# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S125 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 125. (Aus dem neuen Zeitblatt von Münkel in Oiste bei Verden.) Der Kirchentag zu Hamburg. Es ist dem Kirchentage in diesem Jahre zum ersten Mal begegnet, daß er eine sehr ungastliche Aufnahme gefunden hat. Hamburg war für die Zusammenkunft zum Theil wohl deswegen ausersehen, um in dieser geistlich verkommenen Stadt zu zeugen und ihr einen Segen zuzuwenden. Gerade deswegen und um so heftiger regte sich der Widerspruch, der kaum so beschwichtigt werden konnte, daß der Kirchentag eine anständige Aufnahme fand. Er mußte sich sagen lassen, was die Mehrzahl seiner Mitglieder nicht müde wird den Lutherischen vorzuwerfen, daß er zu exclusiv sei. Es kann ihm das zur Lehre dienen, wie weit man gehen muß, wenn man diesem Vorwurfe ausweichen will. Dennoch sehen wir in der Feindschaft, welche er in einer Stadt wie Hamburg erfahren hat, ein gutes Zeichen, daß noch ein Salz in ihm ist, welches vielleicht auch der Fäulniß in Hamburg ein wenig gewehrt hat. Weniger möchten freilich die Verhandlungen dazu beigetragen haben, als die Predigten, welche von tüchtigen Meistern gehalten wurden, und das Auftreten des Kirchentages selbst. War der Kirchentag diesmal von außen stürmisch, so genoß er innen eine desto größere Ruhe. Hierin war er das Gegentheil von dem vorigjährigen Kirchentage zu Stuttgart, wo er zwar mit großen Ehren aufgenommen wurde, aber sich heftig mit sich selber entzweite. Es steht dahin, ob in Folge der Entzweiung Stahl, Hengstenberg u. a. diesmal zu Hamburg vermißt wurden, um dem Kirchentag durch ihre Abwesenheit eine Lehre zu geben. Man scheint sich aber die Lehre schon vorher selbst gegeben zu haben. Die Gegenstände der Verhandlung waren mit Bedacht gewählt, um nicht Anlaß zu neuen Spaltungen, zumal in Hamburg zu geben. Auf der Tagesordnung standen: Der Anspruch der Gemeinden auf specielle Seelsorge, der Mißbrauch der gerichtlichen Eide, die Vereinigung der kirchlichen und bürgerlichen Gemeindeämter, und die Stellung des Christen zum zeitlichen Gute. Wir können auf die Behandlung dieser Gegenstände nicht weiter eingehen; sie zeugte von geschickten Händen, und hat gewiß ihren Gewinn abgeworfen. Nur bemerkt man, daß der Kirchentag von seiner Höhe, welche er über der Zeit einnehmen will, einige Stufen heruntergegangen ist. Brennenden Kirchenfragen, Fragen, welche die Zeit bewegen, ist er aus dem Wege gegangen und hat sich an Fragen zweiten und dritten Ranges gemacht, so daß er den gewöhnlichen Predigerconferenzen näher getreten ist. Er konnte nicht wohl anders, wenn er den häuslichen Frieden bewahren wollte. Bedeutende Kirchenfragen werden auch die Parteien wach rufen und das Leben des Kirchentages bedrohen, das schon zu Stuttgart zu entfliehen schien. Was wird aber die Folge davon sein? Der Kirchentag wird sich seines kirchlichen Protectorates begeben müssen, das er nicht ohne Anmaßung diese zehn Jahre geführt hat, und die Kirchen werden aus seiner Vormundschaft befreit werden. Es wird ihm das noch einige Ueberwindung kosten, ehe er der Ueberzeugung Raum giebt. Auch dies Jahr, wo er sich bequemte seinen Stuhl etwas tiefer zu rücken, bekam er wieder eine Anwandlung, sich auf einige Minuten zu seiner alten Höhe zu erheben. Es handelte sich darum, dem verstockten lutherischen Meklenburg, das sich immer so spröde gegen den Kirchentag gezeigt hat, eine Lection zu geben, damit es fühle, welcher Macht es getrotzt hatte. Der Kirchentag, ungewarnt durch die vielen Stimmen, welche sich in seiner Mitte dagegen erhuben, beschloß in seiner Mehrheit eine Tadelserklärung gegen das meklenburger Regiment wegen der Amtsentlassung Baumgar⸗