# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S123 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ueber die Verschiedenheit des Gesetzes in der Missouri⸗Synode ꝛc. 123 General⸗Synode. Diejenigen Glieder derselben nämlich, welche behaupten, daß sie die Augsburgische Confession ganz als ihr Bekenntniß annehmen, also auch glauben, daß im heil. Abendmahl „wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brods und Weins gegenwärtig sei und da ausgetheilt und genommen wird" lassen auch diejenigen zum Genuß des heil. Abendmahls, bei den Synodalsitzungen und auch sonst, welche das nicht glauben, sondern diesen Artikel als falsche Lehre verwerfen, als z. B. die Platformisten, ja sogar Glieder anderer Denominationen. Ob nun wohl die „gläubigen" Prediger der General⸗Synode zu den in diesem Artikel Ungläubigen zuvor aus brüderlicher Liebe hingehen, und sie vermahnen von ihrem Unglauben abzustehen, denn dem HErrn Jesu nicht glauben aufs Wort sei Sünde, und wer mit solcher Sünde zum Tische des HErrn nahe, komme unwürdig, und wer unwürdig komme, esse es sich zum Gericht? O nein, so Etwas findet nicht Statt, das würde ja die Gefühle verletzen, wäre ja engherzig, wäre ja durchaus nicht gentleman like. So etwas thun wohl die „deutschen" Altlutheraner, aber die amerikanischen Lutheraner finden es den amerikanischen Verhältnissen nicht angemessen. Außerdem ist der freie amerikanische „Glaube" auch nicht so ein bornirtes Ding als der „deutsche Glaube," der deutsche Glaube glaubt, daß Etwas wahr sei und darum das Gegentheil falsch; der amerikanische Glaube hingegen glaubt, daß Etwas wahr sei, aber das Gegentheil davon sei darum dennoch nicht falsch, sondern lasse sich auch hören, habe auch Wahrheit in sich, sei nur ein andrer „Glaubensstandpunkt," eine verschiedene Ansicht derselben Centralsonne. Auch komme es beim Genuß des heil. Abendmahls ja vor allem darauf an, ob der Gast ein „frommer" Mann von „lebendigem, Herzens⸗Christenthum" sei, ein thätiger, rühriger Unterstützer der vielen großen, heiligen Werkunternehmungen, wo möglich auch noch ein eifriges Glied einer Temperenzgesellschaft, ob er aber dieses oder jenes glaubt, darauf komme es ja nicht an. Das ist der schreckliche Unionsdifferentismus, der auch der „Gläubigen" Herz so verblendet, daß sie den Unglauben nicht mehr für Sünde erkennen. Einen Flucher würden sie vor dem Genuß des heil. Abendmahls um seiner Sünde willen strafen, einen Platformisten strafen sie nicht, denn der Unionsgeist hat es ihnen beigebracht: falsche Lehre sei keine Sünde. — Und so kommt der Greul in der General⸗Synode vor, daß z. B. bei den Synodalsitzungen ein Prediger, der den 10. Artikel glaubt, Brod und Wein beim heil. Abendmahl mit der Ueberzeugung, zugleich unter der Gestalt derselben den wahren Leib und Blut Christi mitzutheilen, auch denen darreicht, von denen er weiß, sie werden es als bloßes Brod und Wein nehmen. Und umgekehrt die Platformisten wieder eitel Brod und Wein darreichen und die Andern wieder denken und glauben lassen, was sie wollen. — Möchten doch die ehrwürdigen Herren von der General⸗Synode folgendes ernste Wort Luthers nicht gar zu sehr als etwas — „deutsches" für die erhabenen, großartigen Verhältnisse Amerikas Unpassendes, vornehm verachten und von sich werfen. Er sagt (XVII, 2446): „Und in Summa, daß ich von diesem Stücke komme, ist mirs