# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S120 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 120 Ueber die Verschiedenheit des Gesetzes in der Missouri⸗Synode ꝛc. — Wir nennen die General⸗Synode darum auch immer nur die „sogenannte lutherische", weil sie ja in Wahrheit nicht lutherisch ist, kein lutherisches Bekenntniß hat, sondern sich fälschlicher Weise nur lutherisch nennt. Wie mancher amerikanisch⸗lutherische gentleman mag darüber schon mitleidig die Achseln gezuckt, fromm die Augen in die Höhe geschlagen, und aus tiefer Brust geseufzt haben: narrowness of mind!! want of brotherly love!!! — Aber Seufzen und Achselzucken thut es nicht. Wer in der General⸗Synode hat den Muth, aufzutreten und die Behauptung zu widerlegen, daß der Bekenntnißzustand der General⸗Synode ein falscher, heuchlerischer ist? und daß darum diese kirchliche Körperschaft an moralischem Werth auch tief unter der Union Deutschlands steht? Denn die General⸗Synode (wer kann es auch nur wagen, das leugnen zu wollen?) vereinigt in sich eben so verschiedene „Glaubensstandpunkte", als die Union: lutherische, unirte, reformirte, pietistisch⸗schwärmerische, die sich auch alle als solche öffentlich aussprechen. Aber die deutsche Union schämt sich, sich lutherisch zu nennen, da sie weiß, daß sie es nicht ist. Die General⸗Synode handelt anders, die ist über solche „deutsche" Scrupel hinweg, die nennt sich, wie sie will, und hält das wahrscheinlich für ein Stück der hochgepriesenen amerikanischen Freiheit. — Ist es nun wirklich lieblos von uns, daß wir die General⸗Synode fortgesetzt um ihres Bekenntnisses willen angreifen; ist es nicht vielmehr ein Zeichen wahrer, biblischer Liebe, daß wir die irrenden und verkehrten Brüder strafen und nicht nachlassen, bis sie das Heuchelbekenntniß von sich gethan haben? Ist das Engherzigkeit, wenn man Jemanden vermahnt, die Falschheit abzulegen, denn „falsche Mäuler sein dem HErrn ein Greuel" (Sprüchw. 12, 22.) und offen und ehrlich zu werden? — Eine andere Thatsache, darin sich der faule, falsche Liebes⸗Geist der General⸗Synode kund giebt, ist der Zustand ihrer theologischen Seminare. Die meisten nur einigermaßen in der Erkenntniß geförderten Glieder der General⸗Synode wissen es, daß die Lehrstühle zum Theil mit falschen Lehrern besetzt sind, wissen aber auch, daß Gott gesagt hat; man solle sich hüten vor falschen Propheten, wissen, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert. Hat doch der „luth. Herold" neulich einen Auszug der Auslegung Dr. Luthers über diese Worte Pauli gebracht, dem wir folgende beherzigenswerthe Worte noch hinzufügen wollen. Luther sagt: „die falschen Apostel müssen nach dem äußerlichen Ansehen sehr fromme und heilige Leute gewesen sein; und mag vielleicht wohl sein, daß unter ihnen ein sonderlicher großer, nahmhaftiger Mann gewesen sei, der ein Jünger der rechten Apostel gewesen, und ein großes, herrliches Ansehen gehabt habe; denn St. Paulus thut es fürwahr nicht ohne Ursache, daß er so große und gewaltige Worte führt: „wer euch aber irre macht, der wird sein Urtheil tragen, er sei, wer er wolle." Auf solche Weise redet er auch droben im ersten Cap.: „so auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch würden Evangelium predigen anders, denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht." Auch ist kein Zweifel