# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 01_S4 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Dorfe ein Schulhaus bauen und hinkommen, um dort an Ort und Stelle nicht blos die Kinder ſeiner Bande, ſondern auch die Alten ſelbſt zu unterrichten. Das haben wir uns trotz unſerer ſpärlichen Mittel nicht zweimal ſagen laſſen. Schon iſt ein Haus dort aufgerichtet und Miſſio⸗ när Baierlein mit dem Dolmetſcher dahin abge⸗ gangen. Den erſten Sonntag, da er dort eine Zuſammenkunft veranſtaltete, um ihnen das Wort vom Kreuz zu predigen, zählte er an ſiebenzig Zuhörer. Laßt uns ja fleißig beten, daß der HErr ſeinen Worten Kraft verleihe und ihrer vielen Ohr und Herz öffne, daß ſie ſich bekehren von der Finſterniß zum Licht und von der Ge⸗ walt des Satans zu Gott, zu empfangen Ver⸗ gebung der Sünden und das Erbe ſammt uns, die geheiligt werden durch den Glauben an Chri⸗ ſtum. — Ein anderer Häuptling, deſſen Sohn ſich auch in unſerer Schule befindet, hat uns an⸗ gelegen, ihm ein Stück Land zu kaufen, das er mit dem Gelde, welches ſie noch immer jährlich von den Vereinigten Staaten zu empfangen haben, abbe⸗ zahlen will. Auch dieſem Wunſche iſt willfahret worden, und ſie haben bereits angefangen, ſich ein Stück zu regelmäßiger Bebauung abzuklären. Die Indianer auf unſerem Miſſionslande ſind gleichfalls durch die ſchönen Früchte ihres Fleißes, die ihnen der HERR in dieſem Jahre geſchenkt hat, angereizt worden, ſich für das kommende noch ein weiteres Stück Land zuzurichten. Daneben feiern freilich auch die Methodiſten nicht, ihr altes Unweſen zu treiben. Nicht nur pflügen ſie fort⸗ während mit großer Schamloſigkeit auf fremdem Felde, ſondern bedienen ſich dazu auch noch immer der alten Lügen, als da ſind, daß die Indianer fortgeſchafft würden, wofern ſie nicht Methodiſten werden, daß ſie kein Geld mehr bekommen, und dergleichen mehr. Dabei thun ſie häufig weiter nichts, als daß ſie ſie durch allerlei Beredung nur ſchnell zu Methodiſten fabriziren, um ſie dann ſchändlich zu vernachläſſigen, ſie entweder gar nicht in Gottes Wort zu unterrichten, oder ihnen gleich aus ihrer Mitte Prediger zu ſetzen, die ſel⸗ ber vom Worte Gottes gar nichts wiſſen. So haben ſie jüngſt einen aus unſerer Schule ent⸗ laufenen Knaben, der bei uns nicht einmal das Vater Unſer auswendig lernen mochte, nicht nur gar ſchnell bekehrt, ſondern auch alsbald zum Pre⸗ diger des Wortes gemacht, das er nicht leſen, ge⸗ ſchweige denn lehren kann, und davon er ſie nur einigemale hat heulen hören. Aber er beſitzt eben eine gute Kehle und kann tüchtig ſchreien, da hat er ja die nöthigen Eigenſchaften eines Metho⸗ diſtenpredigers. — Hier gilt es in der That, ſich mit Gebet dawider legen, und den HERRN ernſtlich anflehen, daß ER ſich zu unſerer guten Sache, die ja die Seine iſt, bekennen, jenem Un⸗ fug aber in Gnaden ſteuern wolle. So betet denn fleißig mit, und helfet auch ſonſt, zumal jetzt von Deutſchland her ſo wenig Hilfe zu erwarten iſt. Jüngſt laſen wir, daß bereits die Barmer Miſſionsanſtalt aus Mangel an Theilnahme habe eingehen müſſen. Mit Baſel ſoll es gleich— falls traurig ſtehen. Das läßt auch für die arme lutheriſche Miſſion nichts Gutes ahnen, doch 4 hören wir, daß der Nürnberger Centralverein mehr und mehr geneigt werde, mit ſeinem lutheriſchen Gelde künftig die lutheriſche Miſſion kräftiger zu unterſtützen. Der HERR, der barmherzige Gott, fördere das Werk unſerer Hände, und öffne vieler Her⸗ zen, daß wir mehr und mehr ein Volk werden, das fleißig iſt zu guten Werken, und auch durch uns Sein Name immer weiter ausgebreitet, das Reich der Finſterniß aber, ſo viel an uns liegt, zerſtört werde. A. C. — Der Lichtfreund. Es wird den lieben Leſern im Oſten bekannt ſein, daß wir hier im Weſten nur einen einzigen Mann haben, der ſich der Verbreitung des Lichtes unter uns redlich annimmt, nämlich Herr Mühl in Hermann, Mo., der ſich aus großer Beſchei⸗ denheit nicht einmal Lichtmann, ſondern nur Lichtfreund nennt; wie ſich denn von jeher die großen Weiſen nicht Sophen (Weiſe), ſondern nur Philoſophen (Weisheitsfreunde) genannt haben. Ein jeder wird einſehen, daß wir hier bei ſo bewandten Umſtänden immer nur ſpärlich mit Licht haben verſorgt werden können und daß ſo der Weſten bis dieſe Stunde die Schattenſeite von Nordamerika hat bleiben müſſen. Doch — wer ſollte es glauben? — es hat ſich leider hier ſelbſt unter den „Lichtfreunden“ ſo wenig Em⸗ pfänglichkeit für Licht und Aufklärung gezeigt, daß ſelbſt jenes einzige uns leuchtende Licht aus Mangel an dem bekannten nöthigen Brennſtoff, dem lieben Gelde, vor mehreren Monden plötzlich gänzlich erloſchen iſt. Welche greuliche Finſter— niß von dieſer Zeit an über den ganzen Weſten ſich gelagert habe, das zu beſchreiben, wollen uns die lieben Leſer erlaſſen. Doch was iſt geſchehen? Der genannte Herr Mühl, der für die Sache der Aufklärung ſchon ſo viele Opfer gebracht hat, hat nun ſeinem edlen Eifer die Krone aufgeſetzt und — erſt die dankbare Nachwelt wird es völlig zu würdigen wiſſen — ſelbſt zu dem demüthigenden Geſchäfte ſich verſtanden, von Stadt zu Stadt zu ziehen und im Intereſſe der zu erleuchtenden weſt⸗ lichen Welt zur Milothätigkeit aller Lichtfreunde ſeine Zuflucht zu nehmen. In Folge dieſer ge⸗ machten Anſtrengungen iſt dann Herr Mühl wie⸗ der in den Stand geſetzt worden, ſein Licht auf's Neue leuchten zu laſſen, worin auch uns wieder eine Probe in der neueſten Nummer des wieder zum Leben erweckten „Lichtfreund“ zugekommen iſt. Wie es aber immer in der Welt zu geſchehen pflegt, daß ſelten ein Unglück allein kommt, ſo iſt es auch leider Herrn Mühl geſchehen. Derſelde hat nämlich das Unglück gehabt, wahrſcheinlich von einem verkappten Finſterling, der ſich einen Lichtfreund nennt, eine Correſpondenz aus St. Louis zu erhalten, die wahrſcheinlich nichts anders bezweckt, als dem armen, dem Tode kaum entriſſenen und kaum wieder athmenden „Licht⸗ freund“ aufs neue den Todesſtoß zu verſetzen. So leſen wir nemlich in der neueſten Nummer desſelben: „Inquiſitionsweſen der Altluthera— ner. Aus St. Louis wird uns von dem Weſen lich nicht blos darum, weil wir nun ein anſtän⸗ der Altlutheraner folgender Vorfall berichtet, der an das Inquiſitionsweſen in der römiſchen Kirche der vergangenen Zeit erinnert, und verdient mit⸗ getheilt zu werden.“ „Ein Mann genannter altlutheriſchen Ge⸗ meinde hatte gegen das ſechste Gebot geſündigt und wurde deshalb in der Kirche, nachdem er mehrere Male das Thema der Predigt geweſen war, aus der Gemeinſchaft geſtoßen, und zwar, nachdem ein völliger Bann über ihn ausgeſprochen worden war, in dem, nach dem uns zugekommenen ö Berichte, geſagt wurde: „„Daß den Ausgeſtoße⸗ nen Niemand unter ſein Dach aufnehmen und ihn in ſeinem bürgerlichen Geſchäft unterſtütznn ſolle /iii: Dieſen Bericht nimmt nun Hr. Mühl in ſeiner Gutmüthigkeit als einen wahren an und ließt den ſogenannten Altlutheranern in St. Louis in dem Folgenden tüchtig den Tert, indem er ſie be⸗ lehrt, daß ja „die Kirche eine moraliſche Anſtalt ſei, und daher ihre Strafmittel auch nur mora⸗ liſche ſein dürfen“. Die ganze Ermahnung iſt ſo ernſt gehalten, daß man wahrhaft von Mitleid ergriffen wird, zu ſehen, wie arglos der unglück⸗ lichſte unter den Redacteuren wieder in die ihm von einem Schalk gelegte Falle gegangen iſt. Wir können nemlich verſichern, daß von allem dem, weſſen hier die ſogenannten Altlutheraner in St. Louis beſchuldigt werden, auch nicht ein Wort wahr iſt. Dieſelben wiſſen recht wohl, daß der Kirchenbann keine weltliche Strafe ein⸗ ſchließen und daher keine nachtheiligen Folgen für das bürgerliche Leben des Gebannten be⸗ zwecken darf. Die Lutheraner in St. Louis ſind natürlich beſſer, als der Lichtfreund, welcher ein großer Feind aller kirchlichen Symbole iſt, mit ſolchen Ausſprüchen ihrer Kirche, wie der folgende, bekannt: „Den großen Bann, wie es der Pabſt nennt, halten wir für eine lautere weltliche Strafe, und gehört uns Kirchendienern nichts an, aber der kleine, das iſt, der rechte chriſtliche Bann iſt, daß man orffenbarliche, halsſtarrige Sünder nicht ſoll laſſen zum Sacrament oder andern Gemeinſchaft der Kirche kommen, bis ſie ſich beſſern, und die Sünde meiden. Und die Prediger ſollen in dieſe geiſtliche Strafe oder Bann nicht mengen die weltliche Strafe.“ Siehe: Chriſtliches Concordienbuch. Ausgabe von Lud⸗ wig in New Rork. Seite 311.) — Wir wünſchen von Herzen, daß die Proſtitu⸗ tion, die der Herr Lichtfreund durch einen verſtell⸗ ten Freund hierbei faſt unſchuldiger Weiſe erfah⸗ ren muß, dazu dienen möge, daß erſterer nicht nur durch einen Widerruf ſich beſtens reinige, ſondern auch hinfort ſich beſſer vorſehe, ſeinen „Lichtfreund“ nicht zu einem Träger der Finſter⸗ niß zu machen, denn nur Wahrheit iſt Licht, Lüge aber iſt eben Finſterniß. Kircheinweihung. Am vergangenen Sonntag, den 10ten nach Trin., hatten wir die Freude, unſer neuerbautes Kirchlein bei Waterloo, Monroe Co., Ill., ein⸗ weihen zu können. Es war für uns in doppelter Beziehung ein Tag des Dankes und Lobes, näm⸗