# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S116 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 116 (Eingesandt.) Ueber die Verschiedenheit des Gesetzes in der Missouri⸗ Synode und der s. g. „lutherischen" General⸗Synode. Daß beide Synoden nicht einerlei Sinnes sind, daß die Missouri⸗Synode eben einen andern Geist hat als die General⸗Synode, ist offenbar. Diese Verschiedenheit wird auch von beiden Seiten oft unangenehm genug empfunden und mehr oder weniger klar und scharf ausgesprochen. So hat z. B. der „Missionary" und andere Blätter der General⸗Synode offenbar nichts weniger als Wohlgefallen an dem „spirit", der in der Missouri⸗Synode und darum natürlich auch in den Organen derselben, ihren Zeitschriften, sich kund giebt. Und daß uns der General⸗Synoden⸗Geist nicht behagt, zeigt wohl deutlich genug, daß wir ihn als einen gefährlichen, falschen wiederholt und entschieden, öffentlich angreifen. Eine solche Zerrissenheit der lutherischen Kirche, eine solche innere Entfremdung, Kälte, ja gegenseitige Bekämpfung der einzelnen Glieder ist tief zu beklagen. Wie herrlich wäre es, wie könnte die lutherische Kirche ihr Licht leuchten lassen zur Ehre Gottes und Förderung seines Reichs, wenn in deutscher wie englischer Zunge das reine Bekenntniß unserer Kirche in Einheit und Kraft verkündigt würde und in das Gewirre der Secten hineinträte. Aber man glaube nur nicht, daß diese Einheit erzielt, die tiefliegende Zerrissenheit geheilt werden kann durch vertuschende äußere Höflichkeit, durch den äußern Schein brüderlicher Liebe und brüderlicher Redensarten. Der wirkliche Zwiespalt, die innere Antipathie wird dadurch doch nur höchstens zeitweilig verhüllt, läßt aber um so bitterer gelegentlich ihre eigene Natur wieder durchblicken. Wir wenigstens wollen darum auch Nichts wissen von hohlen brüderlichen Redensarten, wir wollen und müssen die äußere Scheidung aufrecht erhalten, bis sie in Wahrheit innerlich überwunden und aufgehoben ist. Sind wir erst eines Glaubens, eines Sinnes, einerlei Meinung, dann sind wir auch Brüder, bis dahin müssen wir die Brüderschaft bestreiten und ablehnen. Um nun einen Schaden zu heilen, ist das erste Mittel, daß man ihn unverhohlen aufdeckt, daß man den Muth hat, aufrichtig und wahr zu sein. Zeigen wir daher zunächst, was diese Synoden gegen einander haben, wie der Geist in ihnen wider einander ist: die General⸗Synode findet in der Missouri⸗Synode zu viel Engherzigkeit (narrowness of mind) und zu wenig brüderliche Liebe (brotherly love); dahingegen die Missouri⸗Synode in der General⸗Synode zu viel fleischliche, falsche Liebe und zu wenig Ehrlichkeit gegen Gott und Menschen. Der tiefere Grund dieses Auseinander⸗ und Widereinandergehens liegt nun aber darin, daß in der Missouri⸗Synode Respect vor Gott und seinem Worte herrscht, das Wort Gottes ihre alleinige Richtschnur ist, nicht allein in der Lehre, sondern auch in der Liebe und in der Beurtheilung der kirchlichen Verhältnisse überhaupt, während in der General⸗ Synode die alte Feindin, Frau Hulda, die liebe Vernunft ihr Wesen treibt,