# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S115 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von der einem Prediger höchst nöthigen Vorsicht in seinem Wandel. 115 Evangelio förderlich oder meiner Predigt irgend ein günstiges oder ungünstiges Vorurtheil bereitet. Einen Kossuthhut zu tragen, so bequem er sein mag, einen langen Bart mir wachsen zu lassen, so sehr er mir gefallen mag, ist, so lange es nicht allgemein stehende Mode und nicht bloß das Abzeichen gewisser Charactere ist, sicherlich eben so wenig zu empfehlen, als es rathsam sein möchte, in unsrer Zeit Zopf und Perücke zu tragen. Ein Glas Bier in einem Wirthshause trinken, wer mag mirs zur Sünde machen? und doch gebietet jene paulinische Vorsicht, sich dessen zu enthalten, damit nicht der Satan aus einem unschuldigen Gange ein böses Gerücht ausbreite und das Evangelium verlästere. Wer darf mein Gewissen beherrschen und mir dictiren wollen, welche Person ich zu meiner Lebensgehülfin mir erlesen soll und welche nicht, wenn sie anders unsträflich ist? und doch würde ich ein sehr unähnlicher Schüler des Apostels Paulus sein, welcher lieber nimmermehr Fleisch essen wollte, als seinen Bruder ärgern, wenn ich bei meiner Wahl mein Amt und dessen Wirksamkeit gar nicht in Anschlag bringen wollte. Manch junger Prediger fing unter großem Segen sein Amt an, alle Herzen fielen ihm zu und ihm stand eine weite Thür offen; siehe, da that er einen unbesonnenen voreiligen Schritt und bald war es um Ansehen und Zutrauen geschehen, das er kaum je wieder in weniger Maße erlangen wird. Zum Schluß sei es uns gestattet, über das vorsichtige Verhalten der Pfarrfrauen eine Erinnerung zu thun. Wir würden ihnen allerdings eine ganz falsche Stellung anweisen, wenn wir, wie es nicht selten geschieht, sie zu activen Pastorinnen, zu Gehülfinnen des Pastors, zu weiblichen Seelsorgern machen wollten. Gottselige und nüchterne Pfarrfrauen werden eine solche Stellung auch nie beanspruchen. Nichtsdestoweniger ist ihr Stand ein wichtiger und verantwortungsreicher. Denn um dessen nicht zu gedenken, daß eine gottselige Pfarrfrau durch ein lebendiges Gottvertrauen, tröstlichen Zuspruch und Fürbitte ihrem Mann eine unschätzbare Stütze ist, so dient ihr demüthiger, liebreicher, stiller, züchtiger, sanster Wandel allen Frauen der Gemeinde zur Erbauung und sofern ist sie in der That eine gar laute und thätige Predigerin und Gehülfin ihres Mannes und gesegnet sei eine solche edle Perle, wo sie auch ihren stillen Wirkungskreis hat, in der Stadt, oder auf dem einsamen Lande. Wehe aber dem Prediger, der ein hoffährtiges, modesüchtiges, zänkisches, geschwätziges, waschhaftiges Weib hat! Ihr Mann muß sich ihrer schämen und wenn mans ihm vorwirft, so thut es ihm im Herzen wehe, spricht der weise Mann Sirach. Eine Pfarrfrau, die ihren Mann liebt und sein Amt ehret, wird auch das zu ihrer täglichen Aufgabe machen, ihres Mannes Krone und Ehre zu sein und lieber alles zu leiden und zu meiden, als daß sie ihrem Manne ein böses Gerücht bereite. Unter allen guten Eigenschaften einer Pfarrfrau aber scheint keine unentbehrlicher und nützlicher zu sein, als daß sie taub und stumm sei, taub gegen Einflüsterer und Ohrenbläser, stumm, daß sie ihre eigene Zunge im Zaume zu halten weiß. Der weise Sirach spricht: Ein Weib, das schweigen kann, ist eine Gabe Gottes.