# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1859_S113 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Von der einem Prediger höchst nöthigen Vorsicht in seinem Wandel. 113 Ketzereien verabscheut haben würde. So wird Hoffahrt die Mutter aller Ketzereien. Wie große Vorsicht ist nöthig, daß dieses schädliche Laster des Ehrgeizes nicht allmählich und unvermerkt in des Predigers Herz die Herrschaft erlange, welche dem Evangelio den größten Nachtheil drohet und ihn in den Augen der Welt verächtlich macht. Eines Dritten Temperamentssünde ist der Unglaube mit dem damit verbundenen irdischen Sinn und Nahrungssorgen. Nächst dem Ehrgeiz ist kein Laster dem Predigtamte hinderlicher, als der Geiz, der den Mund öffnet, um den Menschen zu gefallen, oder den Mund verstummen macht, wo frei Reden Nachtheil drohet. Doch an diesen Schaden, den der Geiz anrichtet, denken wir hier weniger, als vielmehr an die Schmach, die er dem Evangelio bereitet. Die Welt kann Geiz an andern Personen gar wohl vertragen, nach Reichthum trachten, gilt in der Welt für ein ehrliches Gewerbe; aber an Predigern kann sie es nicht dulden und schmähet um desselben willen gern nicht bloß ihre Person, sondern auch den ganzen Stand, ja das Evangelium, dessen Träger die Prediger sind. Hat ein Prediger sein Amt lieb, so meide er auch den entferntesten Schein der Liebe des Geldes, damit man ihm nicht den mindesten Vorwurf machen kann, daß er um Geldes und Brodes willen sein Amt verwalte. Wo irgend möglich, bestimme nicht er die Höhe seines Gehaltes, sondern lasse ihn von denen bestimmen, die ihn berufen, es sei denn, daß man ihn mit solcher Kargheit ihm zuwiegt, daß er nicht als ehrlicher Mann bestehen kann; gegen Schuldner sei er generös und nachsichtig, soweit es irgend der Bestand seines Hauswesens erlaubt, Accidenzien fordere er nicht, sondern nehme, was der gute Wille der Leute bietet. Durch nichts kann er sich mehr in Achtung und Gunst setzen, als durch ein liberales, uneigennütziges, nobles Benehmen; nichts macht ihn unbeliebter, verächtlicher, ja verhaßter, als ein karges, knickerichtes Wesen. So nachsichtig ein Prediger sein sollte gegen Unpünktlichkeit derer, die ihm schulden, so pünktlich sollte er sein in Abtragung seiner Schulden. Es sind uns Beispiele bekannt, wo Prediger durch leichtsinniges Borgen und säumiges Bezahlen sich um allen Credit gebracht, ja Ursache zu den bedenklichsten Gemeindezerrüttungen gegeben haben. Es ist selbstverständlich, daß wir armen von kargen Gemeinden gedrückten und unter bitterer Armuth seufzenden Predigern nicht den Mund stopfen wollen, über ihre Noth Klage zu führen. Eine Gemeinde, die ihren Prediger so kärglich besoldet, daß er an den unentbehrlichsten Lebensbedürfnissen Mangel leidet, ist keines Predigers werth, und die so unverschämt ist, ihrem Prediger einen Hungergehalt zu bieten, sollte nimmermehr einen erlangen. Nicht bloß der Geiz der Prediger, sondern auch der der Gemeinden gereicht dem Evangelio zum Hinderniß und zur Schmach. Wir müssen die lieben Brüder, besonders die jüngeren, bitten, uns noch eine Kühnheit mehr zu erlauben. Da wir einmal uns vorgenommen haben, ihnen Vorsichtigkeit in ihrem Wandel zu empfehlen, so dürfen wir von der⸗